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Traditionelles Fortbewegungsmittel: Abras, die traditionellen hölzernen Wassertaxis, bringen ihre Passagiere von einem Ufer zum anderen über den Dubai Creek. - © picture alliance / Bildagentur-online/Fischer
Traditionelles Fortbewegungsmittel: Abras, die traditionellen hölzernen Wassertaxis, bringen ihre Passagiere von einem Ufer zum anderen über den Dubai Creek. | © picture alliance / Bildagentur-online/Fischer

Vereinigte Arabische Emirate Jenseits der Glitzerwelt

Die Hauptstadt des arabischen Emirats steht für futuristische Wolkenkratzer, gigantische Shopping-Malls und spektakuläre Vergnügungsparks. Doch es gibt auch noch ein Stück altes Dubai

Bärbel Schwertfeger
09.02.2019 | Stand 13.02.2019, 18:21 Uhr

Auf der meist chronisch verstopften Sheikh Zayed Road sind nur ein paar Autos unterwegs. Über der sechsspurigen Hauptverkehrsader Dubais schweben ein paar Flugtaxis und bringen ihre Passagiere zu einem futuristischen Bahnhof. Vor einem Krankenhaus erhebt sich ein Mann aus seinem Rollstuhl, ein Beinamputierter kann wieder laufen. Und in der Wüste landet ein Raumschiff mit Besuchern aus dem Weltall. Das sind die Zukunftsvisionen Dubais. Zu sehen sind sie beim Besuch des Dubai Frame. Seit 2018 ist der überdimensionale Bilderrahmen eine neue Attraktion der Stadt. 150 Meter hoch erheben sich die beiden mit mehr als 15.000 Quadratmetern goldfarbenem Stahl verkleideten Türme über dem Zabeel Park. Unten sind sie durch ein Gebäude und oben durch eine 93 Meter lange Passage verbunden. Es beginnt mit der Vergangenheit. Im Erdgeschoss durchquert der Besucher zunächst einen nachgestellten Souk mit Marktständen. Denn bevor 1966 Erdöl entdeckt wurde, war Dubai eine bescheidene Siedlung von Perlentauchern und Fischern an der Mündung eines Meeresarmes, des Dubai Creeks. Dann begann der Aufschwung und aus dem Wüstendorf wurde eine der am schnellsten wachsenden Glitzermetropolen.Und noch immer wird überall gebaut. Schließlich hat die Stadt der ungebremsten Bauwut große Pläne. Bis 2025 will Dubai die meistbesuchte Stadt der Welt werden. Dann sollen bis zu 25 Millionen internationale Touristen pro Jahr kommen. Bevor es im Dubai Frame mit dem Aufzug in 75 Sekunden nach oben geht, stimmt ein Zitat des Herrschers von Dubai, Muhammad bin Raschid Al Maktum, den Besucher ein: „Das Wort unmöglich existiert nicht in unserem Wortschatz." Oben angekommen eröffnet sich durch die großen Glasfronten der Blick auf das alte und das moderne Dubai: Auf der einen Seite liegen die niedrigen Bauten der Stadtteile Bur Dubai und Deira mit dem Creek, wo alles begann. Auf der anderen Seite ragen die futuristischen Wolkenkratzer mit dem höchsten Turm der Welt, dem Burj Khalifa, in den dunstigen Himmel. In luftiger Höhe führt eine nur wenige Meter breite Passage zum anderen Turm. In ihrer Mitte sorgt ein Streifen aus Milchglas für Überraschung. Sobald man ihn betritt, wird das Glas klar und man blickt auf den tief unten liegenden Zabeel Park. Nach dem Ausflug in die Höhe landet der Besucher mit dem Aufzug wieder auf der Erde und in der multimedialen Zukunftsvision. Vom Dubai Frame ist es nicht weit zum Stadtteil Bur Dubai. Dort befindet sich in der Fahidi-Festung das Dubai-Museum, in dessen unterirdischen Ausstellungsräumen der Besucher neben archäologischen Funden auch Szenen der ursprünglichen Beduinenkultur bewundern kann und Interessantes über das Leben in der Wüste erfährt. Ein paar hundert Meter weiter liegt das Al-Fahidi-Viertel, das Ende des 19. Jahrhunderts von wohlhabenden Textil- und Perlenhändlern aus dem Iran gegründet wurde. Zum Glück haben sich die bauwütigen Emiratis besonnen und die alten Wohnhäuser mit ihren traditionellen Windtürmen restauriert. Ein Spaziergang durch das Viertel mit seinen Häusern aus Sandstein und den traditionellen Windtürmen gleicht einer Zeitreise. Cafés und Restaurants mit lauschigen Innenhöfen laden zur Rast ein. Galerien geben einen Einblick in die zeitgenössische Kunst. Und wer hier übernachten möchte, findet in zauberhaften Boutiquehotels wie dem XVA Art Hotel ein Zimmer. Erst vor kurzem wurde am benachbarten Al-Seef-Viertel ein Stück landeinwärts direkt am Ufer des Creeks ein weiterer Teil des alten Dubai originalgetreu restauriert. Die ersten Läden und Cafés haben schon eröffnet. Oben ist alles auf alt getrimmt, unten neu – jedenfalls führen Rolltreppen von den mit traditionellen Lehmhäusern gesäumten Gassen ins unterirdische Parkhaus. Vom Ufer lässt sich der geschäftige Bootsverkehr auf dem Creek beobachten. Auf der anderen Seite werden traditionelle Lastkähne be- und entladen. Auf dem Kai stapeln sich Kisten mit Handelsgütern. Abras, die traditionellen hölzernen Wassertaxis, bringen ihre Passagiere von einem Ufer zum anderen. In weniger als zehn Minuten erreicht man für einen Dirham (etwa 25 Cent) den Stadtteil Deira und den Gewürz-Souk, in dem Händler Gewürze aus aller Welt feilbieten: Safran aus dem Iran, Pfeffer aus Indien und Weihrauch aus dem Oman. Wer hier oder in den benachbarten Geschäften einkauft, sollte jedoch vorsichtig sein. Denn so mancher Laden entpuppt sich als dreiste Touristenfalle. Da werden dann für 300 Gramm getrocknete Früchte schon mal 80 Euro verlangt – rund das 30-Fache des normalen Preises. Auch im nicht weit entfernten Gold-Souk sollte man sich nicht von den Angeboten der fliegenden Händler übertölpeln lassen. Denn so mancher angeblich echte Pashmina-Schal ist aus Kunstfaser. Dennoch sollte man sich einen Gang durch die mit einem Holzdach gedeckte, etwa 300 Meter lange Gasse nicht entgehen lassen. Angeblich werden in dem Souk stets rund zehn Tonnen Gold zum Verkauf angeboten. Ein Großteil davon ist noch immer der traditionelle Brautschmuck, mit dem der Bräutigam den Brautpreis begleicht. In den hell erleuchteten Schaufenstern funkeln die opulenten und kostbaren Geschmeide, Krönchen und Ketten. Und wer ein besonderes Geschenk sucht, der wird bei einem Tennisball oder einem Schuh aus purem Gold fündig. Schon ein paar Meter hinter dem Gold-Souk trifft man kaum noch auf Touristen. In den kleinen Läden mischen Parfümeure auf Wunsch individuelle Düfte. Ein paar Ecken weiter gibt es farbenfrohe Saris und schwarze Abayas, die bodenlangen arabischen Überkleider. Auf den Bürgersteigen stapeln sich Kartons mit Waren aus aller Welt und im Schatten warten Lastenträger auf neue Aufträge. Hier hat sich noch etwas vom Flair des alten arabischen Handelsplatzes erhalten.

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