Einzigartige Erlebnisse: Wer zu Fuß durch Costa Rica wandert, kann am Fuße des Vulkans Arenal den Regenwald erkunden. - © Gresshöner
Einzigartige Erlebnisse: Wer zu Fuß durch Costa Rica wandert, kann am Fuße des Vulkans Arenal den Regenwald erkunden. | © Gresshöner

Costa Rica Mit Gummistiefeln im Regenwald

Die Natur in dem kleinen Land in Mittelamerika ist unglaublich vielfältig und lässt sich am besten bei kleinen und großen Wanderungen erkunden. Manchmal auch mit ungewöhnlichem Schuhwerk

Ein grollendes Geräusch ertönt in der Ferne. Der Regen rauscht in den Blättern der Bäume. Hunde? Wölfe? Hier im Regenwald? Der Reiseleiter grinst, die Reisegruppe aus Deutschland hält an und lauscht. Regen perlt derweil ab von Regenschirmen und Regenjacken, von Regenhosen und Hüten mit breiter Krempe. „Das sind Kojoten", klärt Reiseleiter Baro die Gruppe auf. Eigentlich heißt er Alvaro Jimenez Vargas, doch alle dürfen ihn Baro nennen. Man lauscht, ein kurzes Nicken, dann geht es weiter zu Fuß durch das Land Mittelamerikas, das weltweit berühmt ist für seine schier unendliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Wer sich mit einer Reisegruppe aufmacht, um unter fachkundiger Leitung weite Teile des Landes zu durchreisen, sollte sich mindestens zwei Wochen Zeit nehmen und bereit sein, die heimische Komfortzone zu verlassen. In geliehenen Gummistiefeln, das Paar zu zwei US-Dollar, lohnt es sich, durch den Dschungel zu stapfen und mit Hilfe der Wanderstöcke die besonders glitschigen Pfade zu meistern. Notfalls in Unterhose lassen sich Flüsse durchwaten, wenn der Reiseleiter grünes Licht gegeben hat. „Keine Krokodile?" – „Nein, hier nicht." Abends gilt es, die Stirnlampe aus dem wasserdichten Packsack zu ziehen. Elektrisches Licht gibt es nicht in jeder Unterkunft, dafür ist man in den sogenannten Eco-Lodges mitten im Dschungel. Im Urwald drum herum zirpt, zwitschert und raschelt es. Was für eine Kulisse! Pura vida, so lautet das passende Lebensmotto in Costa Rica, das für Eigenheiten wie Sorglosigkeit, Optimismus und Entspannung steht. Es ist mehr ein fröhlicher Ausruf als eine wortwörtlich zu übersetzende Lebensweisheit, kann zur Begrüßung, zum Abschied oder als Nachfrage über das Wohlbefinden dienen. Fröhlich, kurz und knapp: Pura vida! Am Horizont thront majestätisch der Vulkan Arenal, während Höhenmeter um Höhenmeter im gleichnamigen Nationalpark zu erklimmen sind. Das Klima ist schwül, der Schweiß fließt in Strömen und gut beraten ist jeder Reisende, der schnelltrocknende Kleidung, ein gutes Moskitomittel und einen großen Hut gegen die Sonne dabei hat. Für den Aufstieg auf eine Anhöhe belohnt der weite Blick hinüber zum Vulkankegel. Aus Sicherheitsgründen ist der allerdings für Unbefugte weiträumig gesperrt. Je näher man der Grenze zu Nicaragua kommt, desto trockener und heißer wird es. Im Rincón de la Vieja-Nationalpark blubbern schwefelhaltige Gasgemische an die Erdoberfläche. Ein positiver Aspekt der Erdwärme: Nach eigenen Angaben speist Costa Rica gut 100 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien. Viele Vulkane sind aktiv und stehen unter ständiger Beobachtung. Weit kann der Blick über die Landschaft schweifen, die dort im Norden karger ist als im dichter bewaldeten Süden des Landes. Weiter südlich fühlt sich das Klima anders an, die Luft ist feuchter, die Temperaturen etwas niedriger. Den Wanderer erwarten daher eine üppige Vegetation und links und rechts der Wanderwege ein dichtes Blätterwerk. Daher gibt es auch mehr Tiere zu beobachten und die Ranger tragen Macheten am Gürtel, um sich notfalls den Weg durch das Dickicht zu bahnen. Die Bekleidung trocknet kaum und der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre. Hat es einmal zu regnen begonnen, hört es für Stunden nicht mehr auf. In diesem feucht-warmen Klima sprießt alles und das besonders schnell, egal ob Zuckerrohr oder Vanillepflanzen. Deren grüne Schoten sind gut zu erkennen und erinnern nur mit Fantasie an die schrumpeligen, schwarzen Schoten in deutschen Supermarktregalen. Ein Stück weiter zeigt ein Bauer vor seinem Haus Chilis und Guavenbäume. Eine der Guaven ist nicht grün, sondern gammelig gelb. Aras und Tukane mögen die Früchte gern, daher knabbern sie sie an und lassen angenagte Reste zurück. Kilometer um Kilometer geht es bequem im Kleinbus über Schotterpisten und Asphaltstraßen, über schlammige Wege und schmale Waldpfade. Besuche in Städten wie Quepos oder Liberia sind kurz und dienen nur dazu, Bananenchips, Moskitospray und kalte Getränke für die Weiterfahrt zu kaufen. Die Höhepunkte der Reise finden sich abseits der Zivilisation, bei Gesprächen mit Studenten in der österreichischen Tropenstation La Gamba, beim Fotografieren grantig dreinblickender Kapuzineraffen, beim Beobachten eines müden Tapir-Männchens am Strand oder bei einem Spaziergang im dichten Nebel auf dem Vulkan Irazu. Costa Rica gilt im Vergleich zu anderen Staaten in Mittel- und Südamerika als politisch stabiles Land. Wohlhabende Amerikaner verbringen dort die Wintermonate. Beim Vorbeifahren fallen Schilder auf, die Häuser oder Grundstücke zum Verkauf anbieten. Doch nicht jedes Schild sei ernst gemeint, sagt Baro. Mancher Besitzer würde mit den Verkaufsschildern lediglich den Marktwert testen – „und auf einen reichen Amerikaner hoffen". Früh geht die Sonne unter, um 17 Uhr Ortszeit ist es dunkel. Daher beginnt die ein oder andere Wanderung bereits vor dem Morgengrauen. Gallo pinto, das ist Reis mit schwarzen Bohnen, gibt es traditionell zum Frühstück. Dann setzt die Gruppe im Boot über zum Nationalpark Corcovado. An einer provisorischen Hütte meldet Baro die Reisenden an. Auf Trails wie diesem dürfen täglich nur wenige Touristen wandern. Dadurch steigt die Chance, scheue Tiere zu sichten. Eine Garantie gibt es dafür nicht, denn Costa Ricas Wildtiere wie Totenkopfäffchen und Faultier, Nasenbär und Ameisenbär, Tapir oder der Quetzal, ein smaragdgrüner Vogel, sind nicht allzu groß und können sich im dichten Blätterwerk des Regenwalds gut verstecken. Und so ist der Jubel am letzten Tag der Reise groß, als die Gruppe endlich ein Faultier sichtet – ausgerechnet in einem Baum an einer stark befahrenen Straße. Auch das ist eben Pura Vida!

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