Davon träumen Kanuten: Eine Tour auf dem Bowron Lake Circle, einer Seen-Kette in British Columbia, gehört zu den schönsten Erlebnissen auf dem Wasser in Kanada. - © picture alliance / All Canada Photos
Davon träumen Kanuten: Eine Tour auf dem Bowron Lake Circle, einer Seen-Kette in British Columbia, gehört zu den schönsten Erlebnissen auf dem Wasser in Kanada. | © picture alliance / All Canada Photos

Kanada Land ohne Grenze

Abseits ausgetretener Touristenpfade in einer der spannendsten Gegenden Nordamerikas: Ein Trip durch das Cariboo Chilcotin und an die Westküste von British Columbia

Cariboo Chilcotin Coast: Hinter diesem Zungenbrecher verstecken sich der Gold Rush Trail von Lillooet nach Barkerville, das Gebiet um das Kanu-Paradies Bowron Lake Circle und der abenteuerliche Highway 20 zur Westküste bei Bella Coola. Eine Region mit unendlichen Wäldern, schneebedeckten Bergen, fjordartigen Seen und besten Gelegenheiten zur Bärenbeobachtung. Das Gebiet nennt sich selbst „Land without Limits", Land ohne Grenzen. Die Cariboo-Region hat ihren Namen von den einst in großer Zahl heimischen Wald-Karibus, einer Rentierart. Auf dem Chilcotin Plateau, westlich des Fraser River, siedeln seit Jahrhunderten die Tsilhqot’ in-Indianer. In Guest-Ranches kann man den bis heute lebendigen Pioniergeist der Einwohner erleben. Zu den häufigen Tierarten gehören Bighorn-Schafe ebenso wie Pelikane. Die dünn besiedelte Westküste ist Heimat des großen Bären-Regenwaldes. Viele Orte sind nur mit dem Wasserflugzeug oder per Boot zu erreichen. Hier fangen Angler die größten Lachse der Welt. Uralter Regenwald mit unglaublich großen Bäumen blieb von der Säge verschont. Highway 97 folgt dem alten Gold Rush Trail. Als um 1860 bei Barkerville das edle Metall entdeckt wurde, machten sich Tausende aus ganz Nordamerika auf den Weg in die Wildnis. Ortsnamen wie 100-Mile-House erinnern an die Entfernungen vom Ausgangspunkt Lillooet. Eine attraktive Reiseroute führt von Vancouver über Whistler nach Lillooet, dann weiter nach Cache Creek und den Highway 97 hinauf bis Quesnel; von dort auf einer Stichstraße nach Barkerville. Die Stadt, benannt nach dem Glücksritter Billy Barker, besteht aus mehr als 125 authentischen Gebäuden. Barkerville war nie eine Geisterstadt, sondern stets bewohnt, bis es 1958 zum Museum avancierte. Auf geführten Touren geben Darsteller in historischen Kostümen Einblicke in die Geschichte des Goldrausches. Kurz vor Barkerville zweigt eine Schotterstraße zum Bowron Lake ab. Kajaker und Kanuten aus aller Welt kommen hierher, um eines der schönsten Naturerlebnisse zu genießen, das man in Nordamerika auf dem Wasser haben kann. Wir vertrauen uns Dave Jorgenson von 
Whitegold Adventures für eine Tagestour an. Schon bei Sonnenaufgang ziehen wir die Stechpaddel durchs Wasser. Unser Ziel ist die Marsch, ein Meer aus Gras am Ende des Bowron Lake. „Letztens habe ich hier einen Elch gesehen, der hat eine richtige Show abgezogen", sagt Dave und lacht. „Immer wieder hat er seinen Kopf unter Wasser gesteckt um zu grasen und dann geguckt, ob wir noch da sind". Aber auch Bären kommen her, weiß Dave, und zeigt uns auf einer Insel Spuren der Sohlengänger, die nach Erdhörnchen gegraben haben. Es gibt viele Anbieter für Bärenbeobachtung im Cariboo Chilcotin, aber nur einen Bärenflüsterer. Gary Zorn betreibt im 350-Seelen-Ort Likely mit Ehefrau Peggy die Pyna-tee-ah Lodge und das Unternehmen Ecotours BC. Er hat sich den Begriff „Bear Whisperer" schützen lassen. Der 72-Jährige mit deutschen Wurzeln wuchs in Kanada auf. „Immer gelassen bleiben, wenn wir einem Bären begegnen", sagt Gary, als er uns auf eine Tour vorbereitet. „Ich werde ihn dann ansprechen." Die beste Reisezeit für eine Bärensafari ist Ende August bis Anfang Oktober. Dann strömen Pazifik-Lachse zum Laichen die Flüsse hinauf und Grizzlys fressen sich an ihnen vor dem langen Winterschlaf satt. Für Garys Bootstrip braucht man starke Nerven, denn er führt mitten zwischen die Bären. „How is the fishing, bear?", fragt er mit brusthoher Wathose im Fluss stehend einen nur wenige Meter entfernten Grizzly. Der hebt kurz den Kopf und frisst ungerührt weiter. Bären mögen Gary und tolerieren seine Gäste. Besucher aus Köln hatten kürzlich besonderes Glück. Gary konnte ihnen nicht nur Bären, sondern auch einen kapitalen Elch, ein seltenes Wald-Karibu und eine Wölfin mit Welpen zeigen. Beim abendlichen Absacker vor der Pyna-tee-ah Lodge kreist ein Weißkopfadler über uns. Kolibris filzen Blumenkübel nach Nektar. Die Rundreise führt zurück nach Williams Lake und dort auf den Highway 20. Es sind 450 Kilometer bis Bella Coola am Ende eines Meeresarms des Pazifiks. Lohnend ist ein Abstecher in den Farwell Canyon kurz hinter Williams Lake. Der Fraser River durchfließt dort ein Wüstengebiet. Es gibt atemberaubende Routen für Mountainbiker. Wir übernachten in der Clearwater Lake Lodge bei Kleena Kleene. Dort führen Bernward und Gisela Kalbhenn aus Bonn, vor 25 Jahren ausgewandert, ein Haus am See mit deutscher Küche, Gästezimmern, komfortablen Hütten und Stellplätzen für Wohnmobile. Kanus liegen für Gäste bereit und in der Nähe können Reitpferde gemietet werden. Der Highway 20 hat seine eigene Geschichte. Als der kanadische Staat es ablehnte, den isolierten Hafenort Bella Coola an das Straßennetz anzubinden, nahmen Anwohner das selbst in die Hand. Mit zwei Bulldozern und einigen Tonnen Dynamit schoben und sprengten sie eine 54 Kilometer lange Schotterstraße in die Steilhänge. Die führt vom Heckman Pass (1.524 Meter) hinunter auf Seehöhe, teilweise einspurig, ohne Leitplanken und an tiefen Abgründen entlang. Die Strecke verlangt Respekt und Erfahrung, ist aber auch mit Wohnmobilen gut zu befahren. Im Tal gibt es in der Tweedsmuir Park Lodge weitere Gelegenheiten zur Bärenbeobachtung. Das Resort verfügt über luxuriöse Holzhütten und bietet zahlreiche Touren an, von Bärenbeobachtung zu Fuß und vom Wasser aus bis Angeln und Heli-Hiking. Von Bella Coola ist es eine Tagesreise mit der Fähre nach Port Hardy auf Vancouver Island. Unterwegs begleiten Delfine und Wale das Boot. Wer danach noch nicht genug hat, geht in Telegraph Cove auf Vancouver Island mit Stubbs Whale Watching auf Tour. Wir sahen ein gutes Dutzend Buckelwale. Tipp zum Abschluss: In Campbell River von einem der Restaurants am Ufer der Inside Passage aus, beim Abendessen Kreuzfahrtschiffe beobachten. Dann kommt schon vor der Weiterfahrt nach Vancouver wieder Fernweh auf.

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