Viel zu sehen: In Nikosia warten eine historische Altstadt, aber auch moderne Wirtschaftsviertel, Moscheen und Kirchen. ⋌Foto: istock - © picture alliance / imageBROKER
Viel zu sehen: In Nikosia warten eine historische Altstadt, aber auch moderne Wirtschaftsviertel, Moscheen und Kirchen. ⋌Foto: istock | © picture alliance / imageBROKER

Zypern Die geteilte Stadt

Zypern ist eine geteilte Insel – besonders deutlich wird das in Nikosia im Zentrum der Mittelmeerinsel. Vor allem deutsche Urlauber erinnert das an die Berliner Mauer. Trotzdem ist die Stadt einen Besuch wert

Elke Dalpke
29.12.2018 | Stand 27.12.2018, 18:52 Uhr

Unsere Insel hat die Form einer Gitarre, doch es gibt auch Menschen, die vergleichen sie mit einem an beiden Seiten angebissenen Schinken." Georgios, der zyprische Guide, der in Berlin studiert hat, begleitet die Gruppe auf ihrem Ausflug nach Nikosia, in die Hauptstadt der Republik Zypern. Gerade deutsche Urlauber lassen sich diesen Trip nicht entgehen, erinnert er sie doch an die Zeit der deutschen Teilung. Zypern ist eine geteilte Insel, die knappe Million der griechischen Zyprer lebt in der allgemein anerkannten Republik Zypern, der überwiegende Teil der türkischen Zyprer im türkisch besetzten Norden, der nur von der Türkei anerkannt wird. In Nikosia, in der Mitte der Insel gelegen, wird diese Teilung so deutlich wie einst in Berlin, als Georgios dort noch studierte. Er kam 1988 nach Berlin und war Zeuge, als die Mauer endlich fiel. Das wünschen sich die meisten Zyprer auch für ihre Insel. Ausgang ungewiss. Mit 9.251 Quadratkilometern ist Zypern im östlichen Mittelmeer halb so groß wie das Bundesland Sachsen, 254 Quadratkilometer davon gehören sogar noch den Briten, die die Beibehaltung der strategisch wichtigen Militärbasen Akrotíri und Dhekélia zur Bedingung für die zyprische Unabhängigkeit 1960 gemacht hatten. Mit wechselvoller Geschichte haben die Zyprer also so ihre Erfahrungen. 37 Prozent der Insel sind heute türkisch besetzt. Damit das Zusammenleben möglichst reibungslos klappt, gibt es eine Pufferzone, die sogenannte Greenline, die von UN-Friedenstruppen überwacht und verwaltet wird. Hautnahes Erleben dieser Teilung garantiert der Besuch in Nikosia. Durch die historische, von einer fast kreisrunden venezianischen Mauer umgebene Altstadt verläuft die Demarkationslinie. Die Ledrastraße geht schnurgerade durch die Altstadt, ist Flanier- und Shoppingmeile und führt direkt zum Checkpoint, an dem man problemlos in den türkisch besetzten Norden der Stadt wechseln kann. Von der einen wie von der anderen Seite klappt das reibungslos und schnell. Pass oder Personalausweis vorzeigen, der wird gescannt und weiter geht’s. Eine sehr durchlässige Grenze also, aber immer vorhanden und sichtbar, wie etwa im Café Jaja Victoria direkt am Checkpoint auf griechischer Seite. Da fällt der Blick auf gefüllte und gestapelte Sandsäcke und eine „Mauer" aus alten Fässern. Schon ein beklemmendes Gefühl, doch bei dem leckeren Blätterteigkuchen mit Vanillepuddingfüllung, Puderzucker und Zimt – der sich Bugatca nennt – und einem Mokka stellt man schnell fest, dass dieses Gefühl für Deutsche wohl viel mit den Erfahrungen an der Berliner Mauer zu tun hat. In Nikosia herrscht heutzutage mehr oder weniger Reisefreiheit in beide Richtungen. Nichtsdestotrotz wünschen sich die Einheimischen eine Lösung des politischen Problems. Guide Georgios jedenfalls erzählt gern die Geschichte von dem kleinen Dorf Pyla, nahe Larnaka, das in der Pufferzone liegt. Hier leben griechische und türkische Zyprer friedlich zusammen. Jede Volksgruppe hat ihre eigene Kirche/Moschee sowie eine Schule, es gibt eine griechische Taverne und ein türkisches Kaffeehaus. Könnte das Zyperns wiedervereinte Zukunft sein? Im griechischen Teil von Nikosia hat sich in den letzten Jahren viel getan, die Altstadt mit ihren Museen und engen Gassen wirkt gepflegt, Galerien und Ateliers sind entstanden, verkörpern die moderne Kunstszene. Mittlerweile hat auch die Ledrastraße durch die Onasagorou-Straße Konkurrenz bekommen. Hier haben sich originelle Szenekneipen, Restaurants, Tavernen und Cafés angesiedelt. Einfach Platz nehmen und das Treiben genießen und dazu vielleicht einen Commandaria „schlürfen", dieser Dessertwein von der Insel gilt als Wein der Könige und wird auch gerne als ältester Markenwein der Welt bezeichnet. Zyperns Weinanbau hat 6.000 Jahre Tradition. Auf Küche und Keller verstehen sich die Zyprer nun wahrlich, wie Marilena Joannides in ihrem Kochstudio in einem Vorort Nikosias gerne beweist. Sie bittet kleine Gruppen in ihr elegantes, aber gemütliches Privathaus und weiht sie in die Geheimnisse der zyprischen Küche ein. Klar, dass all das an einem wunderschön gedeckten Tisch auch noch verkostet werden darf. Ihre Spezialität sind die Gewürze der Insel, die bei ihr zu Vorspeisen und Hauptgerichten einfach dazugehören. Die temperamentvolle Unternehmerin hat lange recherchiert und nach alten Rezepten und traditionellen Gerichten geforscht und sich mittlerweile auch als Kochbuch-Autorin einen Namen gemacht. Ihr Wissen gibt sie gerne weiter. Ob der Halloumi, der zyprische Nationalkäse, oder der Salat mit Rosenwasser-Essig oder etwa das lange im Ofen gegarte Zicklein – einfach lecker!

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