Am Wasser gebaut: Auf der gleichnamigen Insel entstand Korcula auf dem Rücken einer Landzunge. Durch die engen Gassen und Siedlungen von Korcula weht immer ein frischer Wind. - © Getty Images/iStockphoto
Am Wasser gebaut: Auf der gleichnamigen Insel entstand Korcula auf dem Rücken einer Landzunge. Durch die engen Gassen und Siedlungen von Korcula weht immer ein frischer Wind. | © Getty Images/iStockphoto

Kroatien Nostalgisches Stadtquintett

Wer das Flair von Altstädten und historische Architektur schätzt, sollte Rovinj, Sibenik, Zadar, Trogir oder Korcula kennenlernen

Tinga Horny

Gut erhaltene Altstädte sind bekanntermaßen Publikumsmagneten. Ihr Reiz besteht aus einer unverwechselbaren Kombination aus den immer gleichen Faktoren: einer Kirche in der Stadtmitte, einem Marktplatz und engen Gassen mit hübschen Häuserfassaden. Gepflegte Geschäfte und Gastronomie erhöhen zusätzlich den Besuchswert einer Stadt. Historische Stadtkerne leben von dieser gewachsenen Urbanität. Vor allem in Kroatien können Urlauber diesen speziellen Charme nicht nur in den UNESCO-Welterbe-Städten Dubrovnik und Split erleben, sondern auch in den kleineren Provinzstädten. Rovinj Natürlich besitzen Istriens Städte Pula mit dem Amphitheater und Poreč mit der Euphrasius Basilika von der UNESCO ausgezeichnetes Weltkulturerbe. Doch wenn es um einen Preis für eine perfekte Altstadt mit viel Grün und malerischen Gassen geht, dann gewinnt Rovinj. Harmonisch passen sich die gepflasterten Straßen (Achtung, spiegelglatt!) dem hügeligen Gelände an. Eng lehnen sich die Häuser aneinander. Und auf dem höchsten Punkt thront die Kathedrale mit einem stolzen Campanile, umgeben von einem Park mit Meerblick. Unter den Römern ein Inselkaff, gewann der Ort unter der Herrschaft von Venedig schnell Bedeutung als Handelsvorposten, von dem das prachtvolle Stadttor noch heute zeugt. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Eiland mit dem Festland verbunden. Aber dank der Insellage blieb die Altstadt unverändert. Die meisten der heute 15.000 Einwohner wohnen auf dem Festland. Rovinj besitzt die perfekte Größe für Bummler. Alle Punkte – Kloster, Kathedrale, Markt – sind stets nur wenige Minuten voneinander entfernt. Wohin man auch geht, immer eröffnen sich zwischen den Häusermauern unerwartete Perspektiven aufs Meer. Zadar Auf einer flachen Landzunge liegt Zadar in Norddalmatien. Heute eine Verwaltungsstadt mit über 75.000 Einwohnern. Der Blick auf die Landkarte zeigt: Der rechtwinklige Grundriss deutet auf eine römische Anlage hin. Doch nicht nur die Reste eines römischen Forums sind zu besichtigen, sondern auch die byzantinische Kirche Sveti Donat, die gotische Kathedrale sowie venezianische Gebäude aus der Renaissance und des Barock sowie Prachtbauten aus der k.u.k.-Ära. Kurzum – hier ist Kroatiens gesamte Architekturgeschichte kompakt zu besichtigen. Selbst bei einem kurzen Aufenthalt bemerken Besucher, dass Zadars Altstadt mit ihren Restaurants und Bars nicht nur ein Freizeitpark für Touristen ist, sondern Treffpunkt der Einheimischen. Die flanieren gerne entlang der breiten Promenade am Meer Richtung Spitze der Peninsula. Dort laden breite Stufen zum Sitzen ein und bilden zugleich Teil der Meeresorgel, die ein nie endendes Konzert aus geheimnisvollem Ozeanrauschen und Pfeiftönen von sich gibt. Das erst 2005 entstandene Werk des Künstlers Nikola Bašić avancierte sofort zum beliebten Ort, um den Sonnenunteruntergang in vollen Zügen zu genießen. Šibenik Eng gedrängt schmiegen sich die Häuser an den Abhang der geschützten Bucht, über der die Festung des Sankt Michael ragt: Šibeniks Altstadt liegt auf mittlerer Höhe. Vom Ufer aus gelangt man über eine breite gewundene Treppe zuerst auf den Vorplatz der Kathedrale des heiligen Jakobs und dann öffnet sich entlang der Domseite der Platz der Republik, der Salon der Stadt. Auf der anderen Seite wird er von der Stadt-Loggia mit ihrer Fassade aus Arkaden und einer eleganten Fensterfront begrenzt. Von hier aus bietet der Platz den besten Blick auf den Dom. Unter all den vielen Kirchen, die Šibenik mit seinen fast 50.000 Einwohnern besitzt, ist die Jakobskathedrale aus dem 15. Jahrhundert Pflicht für einen Besuch, denn sie stammt von Dalmatiens „Michelangelo", dem Bildhauer und Architekt Juraj Dalmatinac und ist nicht grundlos Welterbestätte. Neben der Taufkapelle im Inneren gibt es vor allem ein einzigartiges Fries aus 71 Köpfen an der Außenfassade der Kirche. Äußerst lebensnah stellt es Dalmatiens Bürger in unterschiedlichen Gemütsverfassungen dar. Trogir Eine Besonderheit kroatischer Küstenstädte ist meist ihre Insellage. Das hat es Feinden erschwert, sie zu erobern. Bei Trogir, ehemals eine griechische Gründung, die heute rund 13.000 Einwohner zählt, war das anders: Dort haben sich die Stadtbewohner durch einen künstlichen Durchstich kurzerhand vom Festland getrennt und ihre Siedlung zum Eiland gemacht. Nun verbinden zwei Brücken die flache Inselstadt mit dem Festland und der Insel Ciovo. Trogirs zweite Besonderheit ist sein geschlossenes Erscheinungsbild. Der Altstadtkern beherbergt das am besten erhaltene romanisch-gotische Stadtensemble ganz Osteuropas sowie Gebäude der Renaissance und des Barocks. Diese Kontinuität wurde bereits 1997 von der UNESCO durch die Aufnahme in die Welterbeliste anerkannt. Dank seiner Größe flanieren Besucher stressfrei durch die gepflasterten Gassen vorbei am romanischen Dom mit dem berühmten Portal des Meisters Radovan, dem venezianischen Cipiko-Palast und der Festung Kamerlengo. Danach lassen sie sich bei einer frischen Seebrise in einem der Restaurants oder Cafés an der breiten Uferpromenade nieder, um dem Treiben der anlegenden Jachten zu folgen. Korcula Mögen Sie Symmetrie? Wenn ja, dann empfiehlt sich die Stadt Korcula auf der gleichnamigen Insel. Sie entstand auf dem Rücken einer kleinen Landzunge und ist das Resultat von sorgfältiger Planung. Auf dem Stadtplan erkennt man ein gleichmäßiges Fischgrätenmuster, an dessen Mittelachse im Zentrum die Markus-Kathedrale liegt. Die Straßen sind so angelegt, dass immer frischer Wind durch die Siedlung wehen kann. Rauf und runter, an den mit Marmor gepflasterten Gassen reihen sich die Wohnhäuser und Paläste aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die meisten Besucher betreten das Städtchen durch das mächtige Tor des Veliki-Revelin-Turms, über dem der geflügelte Löwe Venedigs als Wappen deutlich darauf verweist, wer hier lange die Macht hatte. Besonders hübsch ist die Ostseite auf der ehemaligen Festungsmauer, die von knorrigen Kiefern gesäumt wird und an der sich ein Restaurant ans nächste reiht. In Abständen führen steile Treppen an der Stadtmauer hinunter zum Meer. Auf der Westseite ist die Promenade schmaler und runde Wehrtürme erinnern daran, dass auch Korcula einst immer wachsam sein musste.

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