Wasserweg: Durch die Provinz Schonen fließt die Rönne Å. Im Kanuverleih in Stockamöllan gibt es auch Zelte zu leihen, denn am Ufer finden sich regelmäßig Anlegestellen und einige Grillplätze. - © Kristine Greßhöner
Wasserweg: Durch die Provinz Schonen fließt die Rönne Å. Im Kanuverleih in Stockamöllan gibt es auch Zelte zu leihen, denn am Ufer finden sich regelmäßig Anlegestellen und einige Grillplätze. | © Kristine Greßhöner

Schweden Buntes Schonen

Abwechslungsreich: Schwedens Südosten lockt Urlauber mit Weinbergen, Wanderwegen und Wallander-Touren

Kristine Greßhöner

Der Jahrgang 2018 wird ein guter, da ist sich Winzer Bengt Åkesson sicher. Die Sonne strahlt vom Himmel, als er hier nahe Kivik eine erste Flasche seines jungen Weins entkorkt. Wein aus Schweden? Åkesson nickt. „Natürlich, warum nicht?" Etwa 15 Winzer gäbe es hier in Schonen bereits, sagt er. Mehr als 50 seien es landesweit. Åkessons Familie besitzt seit mehr als einem Jahrhundert eine Mosterei und Apfelplantagen. Der Wein aus Skepparps Vingård, benannt nach dem Namen des Hofes, ist ein vergleichsweise junges Produkt. 2010 begann die Familie mit dem Weinanbau. „Wein darf Spaß machen", sagt Åkesson. „Es ist unnötig, hochtrabende Worte darüber zu verlieren." Schwedischen Wein zu genießen, sei eine bodenständige Angelegenheit. In der Nachbarschaft stößt das Projekt auf reges Interesse. So schwingen an mehreren Rebstöcken Schilder mit Namen im Wind. „Das sind die Namen derjenigen, die sich ehrenamtlich um die Pflanzen kümmern und uns helfen." Das muss Liebe sein. In der schwedischen Gastronomie haben die einheimischen Weine dagegen bislang nur Exoten-Status. Wenngleich die Schonen für regionale Produkte eine große Schwäche haben, das sagt zumindest Jenni Sandell. Sie arbeitet im nahen Ystad in der Touristeninformation und sitzt mit am Tisch. Mit lokalen Anbietern wie Åkesson kooperiert die Kommune Ystad, denn Weinfeste zwischen malerischen Hügeln oder der große Apfeltag am 29. und 30. September ziehen in- und ausländische Gäste gleichermaßen an. Ein Gewinn für die Region Österlen, in der Åkessons Flächen liegen. Ist es bislang weniger der Wein, ist es seit Jahren die Marke Wallander, die die Region weltweit bekannt gemacht hat. Etwa 50 Minuten mit dem Auto von Trelleborg entfernt, liegt jene berühmte Kleinstadt namens Ystad, die seit Henning Mankells Kriminalromanen unsterblich geworden ist in der Literatur- und Filmwelt. Pittoreske Altstadthäuschen reihen sich aneinander, in den abendlichen Gassen ist Ruhe eingekehrt, auf dem Platz vor dem Rathaus fährt plötzlich ein Einsatzwagen vorbei. Da ist er, der Wallander-Moment, dem sich kein Wallander-Fan entziehen kann. Es könnte Kurt sein, der berühmte Protagonist der Schwedenkrimis. Aus aller Welt kommen die Besucher in die Ystad Studios, wo Mitarbeiterin Johanna Persson zum Beispiel die Kulisse jener Filmwohnung zeigt, die in der wenige hundert Meter entfernten Mariagatan liegen soll. „Morgen kommt eine Gruppe Australier", sagt Persson noch, als sie sich verabschiedet. Wallanders Anziehungskraft ist ungebrochen. Das zeigt sich am nächsten Morgen im Hotel Continental du Sud in Ystad, nach eigenen Angaben Schwedens ältestes Hotel. Im historisch anmutenden Frühstückssaal unter einer Stuckdecke können Besucher den Tisch reservieren, an dem Wallander mehrfach in den Filmen zu sehen ist. Bei echten Fans bereitet sich spätestens jetzt bei Müsli und Kaffee ein wohliges Gefühl im Magen aus. Auf Wallanders Spuren zu wandeln, macht einfach Spaß. Mit dem Auto geht es dann weiter durch diese Region, die sich an die Ostküste Schwedens schmiegt. Immer wieder fällt der Blick auf die Ostsee, die nahe der Landstraße liegt, dann wieder hinter sanften Hügeln verschwindet. Österlen ist nicht einfach platt. Vor allem Fahrradtouristen merken das, wenn sie die eine oder andere Erhebung erklommen haben. Jede Pause bietet eine Abwechslung auf dem Weg von Ystad in Richtung Ostküste, immer wieder gibt es am Wegesrand interessante Ziele zu entdecken, die dank der guten Beschilderung schnell zu finden sind. So ist im Garten des Schlosses Kronovalls eine moderne Skulpturenausstellung kostenlos zu besichtigen. Im Nebengebäude gibt es Pizza, nur eine Sorte, dafür mit Produkten aus der Region. Der kleine, feine Stenshuvuds-Nationalpark lockt mit schattigen Wanderwegen, reizvollen Aussichtspunkten und einem feinen Sandstrand. Im Kivik Art Center stehen die Kunstwerke im Freien. Einige Kilometer entfernt ist Zeit für eine Wanderung auf dem Skåneleden. Direkt entlang der Ostsee führt die Etappe hier. Zur Belohnung lohnt ein Besuch beim Cake Cowboy. Inhaber Markus Lundqvist hat sichtlich eine Schwäche für Country-Musik, Cowboy-Hüte und eben Schokolade in mehreren Variationen. Pralinen, Kuchen, Eis und mehr stellt er her. Für Wanderer und Fahrradtouristen ist die Region besonders reizvoll. Einige Unterkünfte haben sich darauf eingestellt. Eine der wohl Urigsten liegt nahe dem Schloss Christinenhof, die historischen Häuser der Kaffestugan Alunbruket erinnern an Hobbit-Bauten aus den Herr-der-Ringe-Filmen. Gedrungen und überwachsen stehen sie dicht an dicht zwischen altem Baumbestand. In dem Gebiet wurde früher Alaun abgebaut. Im Jahr 1766 waren dort mehr als 900 Menschen beschäftigt. Es gab eine eigene Währung. Heute erinnern vereinzelt Erdhügel an jene Zeit. Rund um das Schloss weiden Schafe. Die Feuchtwiesen sind bekannt für ihren großen Artenreichtum, insbesondere die illustre Vogelwelt. Wer dem Skåneleden dann ins Landesinnere folgt, erlebt ruhige Landschaften, Nadel- und Mischwälder, Seen, Landcafés und Kunsthandwerk. Für Gastwirtin Lena Levin ist die zentrale Lage direkt am See perfekt. Praktisch: Städte wie Lund, Kivik, Ystad und Malmö sind etwa eine Stunde mit dem Auto entfernt. Wenn morgens die Fähren angelegt haben, kommen die Urlauber wenige Stunden später in ihren Ringsjö Krog und frühstücken. Manche sind auf der Durchreise nach Småland. „Dass alle Touristen nur durch Schonen hindurchfahren, das stimmt nicht." Viele würden bleiben und die Zeit genießen. Für Levin hat das einen weiteren Nebeneffekt: „Ich habe viele ältere, deutsche Stammgäste. Mein Schuldeutsch war schon lange nicht mehr so gut wie jetzt."

realisiert durch evolver group