Im Heimathafen: Die MS Norröna leigt vor Thorshavn, der Hauptstadt der Färöer-Inseln. - © Dirk Kröger
Im Heimathafen: Die MS Norröna leigt vor Thorshavn, der Hauptstadt der Färöer-Inseln. | © Dirk Kröger

Schiffsreise Ins Land der Wikinger

Eine Fähre der dänischen Reederei Smyril Line fährt einmal wöchentlich von Hirtshals im Norden Jütlands über die Färöer Inseln nach Island. Man muss aber nicht unbedingt sein Auto mitnehmen.

Dirk Kröger

Nur eine einzige Fährverbindung bietet die Möglichkeit, den eigenen Untersatz mitzunehmen: Die dänische Reederei Smyril Line fährt einmal wöchentlich nach Island. Leider ist der Spaß nicht ganz billig. Zum Glück bietet Smyril Line die Möglichkeit, erst einmal auszuloten, ob sich die anvisierte Reise denn auch lohnt: Die Reederei bietet in der Vor- und Nachsaison jeweils einwöchige „Wikinger Kreuzfahrten" für nicht motorisierte Reisende an, um einen ersten kleinen Eindruck von den Färöern und Island zu bekommen. Die erste logistische Hürde für die auf Wikinger-Pfaden wandelnden reiselustigen Mitteleuropäer gilt es schon vor Reiseantritt zu bewältigen, denn nach Hirtshals geht es am besten mit dem eigenen Auto. Von Bielefeld aus sind gut 750 Kilometer zu bewältigen, und am Samstag 14 Uhr schließt der Check-In. Da heißt es entweder, früh aufzustehen und loszufahren, oder einen Tag früher zu starten und eine Zwischen-Übernachtung einzulegen. In Hirtshals selbst geht alles ganz schnell: Direkt am Terminal kann kostenlos geparkt werden, wenn denn beim Check In eine entsprechende Bescheinigung angefordert und im Fahrzeug drapiert wird. Und nach wenigen Minuten geht es auch schon aufs Schiff, die MS Norröna. Nun besteht ausreichend Zeit, das Schiff zu erkunden, denn bis zu ihrem Heimathafen Thorshavn auf den Färöern ist die Fähre rund 36 Stunden auf der Nordsee unterwegs. Das kann langweilig werden. Aber die Norröna hat durchaus Möglichkeiten zu Aktivitäten, auch wenn Swimming-Pool, Sauna und Fitnessraum auf Deck 2 nicht besonders gut frequentiert werden. Es gibt mehrere Restaurants und Cafés, ein kleines Kino mit durchaus aktuellen Filmen, ein kleines Fußballfeld, kostenpflichtige Whirlpools, ein Spielzimmer für Jung und Alt, einen Indoor-Spielplatz für die jüngsten Reisenden und einen gut sortierten Duty-Free-Shop. Und auf den Außendecks gibt es reichlich Sitzgelegenheiten, so dass bei gutem Wetter die Meeresluft genossen werden kann. Im Komplett-Preis für die Wikinger-Kreuzfahrt, der bei unter 900 Euro beginnt, sind aber nicht nur die Übernachtungen in zweckmäßig eingerichteten Kabinen und Vollpension enthalten, sondern auch vier Landausflüge. Der erste davon steht also nach 36 Stunden an. Unmittelbar vor dem Terminal in Thorshavn warten schon zwei Busse auf die Kreuzfahrer – in einen werden in erster Linie schwedische und britische Gäste verfrachtet, in den anderen dänische und deutsche. Entsprechend sind die Erklärungen während des folgenden Halbtagesausflugs zweisprachig, wobei irgendwie der Eindruck entsteht, dass die in dänisch umfangreicher sind als in deutsch. Trotz leichten Nebels ist schnell zu erkennen, dass auf den grünen Inseln in der Nordsee mehr Schafe als Menschen leben: Rund 70.000 Wollproduzenten stehen etwa 50.000 Zweibeiner gegenüber. Auf einen Spaziergang durch die Altstadt Thorshavns folgt eine Busfahrt in die kleine, aber sehr reizvolle Ortschaft Kirkjuböur mit Blick auf die Inseln Hestur und Koltur. Bald schon aber ist dieser erste Ausflug beendet. Mittags am dritten Reisetag legt die Norräna wieder ab und nimmt Kurs auf Ost-Island, das am nächsten Morgen erreicht wird. Vom Hafen aus sind der idyllisch an einem Fjord gelegene Ort von Seydisfjördur sowie die schneebedeckten Berge dahinter zu bewundern. 450 Straßenkilometer per Bus folgen, wobei es schon nach wenigen Minuten über eine bis zu 620 Meter hohe Passstraße geht – die höchste asphaltierte Straße Islands. Kaum ist der Bus etwa 600 Meter weit gefahren, da wäre eigentlich schon ein Foto-Stopp angebracht, denn einerseits lockt das Bild der im Fjord liegenden Norröna, andererseits gibt es links Wasserfälle und rechts viel Schnee. Und dann breitet sich eine Ebene vor den Reisenden aus, die es nun zu durchqueren gilt. Erklärt wird auch, warum die Straße nicht immer schnurgerade verläuft: Wenn da große Steine im Weg liegen, dann muss die asphaltierte Strecke um sie herum gebaut werden, denn unter den Steinen könnten Elfen leben – und die sollen nicht gestört werden. Dafür hat auch jeder Tourist Verständnis. Das erste Ziel des Ausflugs ist nach drei Stunden erreicht, an einem nahe des Myvatn-Sees (Mücken-See) gelegenen Geothermal-Schwimmbad gibt es einen Snack und die Möglichkeit, im schwefelhaltigen Wasser zu baden. Die bizarren Lava-Formationen von Dimmurborgir faszinieren danach ebenso wie die geothermalen Aktivitäten in Namaskard, wo Geysire, Gruben mit blubberndem Schlamm und eine mondähnliche Landschaft auf die Touristen warten. Ein anstrengender Ausflug ist dies, denn mehr als zehn Stunden lang war das Schiff nicht zu sehen. Aber es hat sich gelohnt, es macht neugierig auf mehr Island. Mehr von der Insel gibt es am folgenden Tag, denn die Fähre bleibt noch etwas in Seydisfjördur. Erneut geht es über die Passstraße, die zunächst von Weiden gesäumt wird, auf denen zahlreiche Island-Pferde zu sehen sind. Dieser Ausflug aber stellt keine Steigerung zum vorausgegangen mehr dar, da hat der Inselstaat eigentlich doch viel mehr zu bieten – aber die Entfernungen auf Island sind enorm, und für eine Busfahrt liegen weitere spannende Ziele zu weit entfernt. So also stellen das Besucherzentrum des Vatnajökull National-Parks und das alte Herrenkloster in Skriduklaustur die Höhepunkte des Tages dar, wobei das Kloster einst Wohnsitz des isländischen Autoren Gunnar Gunnarsson war. Und dann – es ist inzwischen bereits Mittwoch Abend – geht es wieder zurück auf die lange Heimreise, wobei ein abendlicher Wikinger-Punsch an Bord den Abschied von Island leichter machen soll. Und ein weiterer Höhepunkt steht ja noch an, denn auch die Rückreise führt wieder über Thorshavn. Wunderschöne Landschaften mit grünen Bergen und Fjorde mit kristallklarem Wasser sorgen schon lange vor Erreichen der Färöer-Hauptstadt davor, dass die Kameras ohne Unterlass klicken. Und dann geht es wieder über die Inseln. Ein letzter Höhepunkt ist das große Wikinger-Büffet während der Rückreise von Thorshavn nach Hirtshals. Da gibt es Deftiges und Kräftiges – und das Personal an Bord sorgt für weitere Fotomotive, denn die jungen Frauen und Männer sind kostümiert wie Wikinger – irgendwie muss diese eher ungewöhnliche Kreuzfahrt ja ihrem Namen gerecht werden. Das Reisen ist ganz offensichtlich einfacher als zu Zeiten von Erik, Leif und Ragnar. Smyril Line bietet die Wikinger-Kreuzfahrten in diesem Jahr noch an – ab dem 25. August und bis zum 20. Oktober. Zu diesen Zeiten wie auch allen anderen besteht natürlich auch die Möglichkeit, die Norräna als einfache Fähre zu nutzen, wobei es unterschiedlichste Kabinen-Kategorien von der Suite bis zum Schlafsaal gibt.

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