Rundreise: Die Seebrücke von Swakopmund ein sehenswertes Highlight. - © Dirk Kröger
Rundreise: Die Seebrücke von Swakopmund ein sehenswertes Highlight. | © Dirk Kröger

Namibia Kontraste zwischen Meer und Wüste

Eine große Artenvielfalt, intensive Farben und die Mischung aus afrikanischer Kultur und deutschen Einflüssen machen eine Reise nach Namibia unvergesslich

Dirk Kröger

Ein Spaziergang durch die Kaiser-Wilhelm-Straße. Links liegt die Adler-Apotheke, rechts der Ankerplatz. Und in der Fußgängerzone ist das Brauhaus zu finden, an dessen Außenfassade „Hopfen und Malz – Gott erhalts" zu lesen ist, ein paar hundert Meter weiter das Hansa-Hotel. Wer es nicht besser weiß, würde niemals glauben, wo er sich gerade aufhält. Swakopmund heißt diese Stadt, und die liegt an der Atlantik-Küste Namibias. Das Land war von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie, hieß damals Deutsch-Südwestafrika. Und die deutsche Vergangenheit ist immer noch überall zu spüren – im Café Anton beispielsweise findet sich Schwarzwälder Kirschtorte auf der Speisekarte, in anderen Restaurants gibt es neben Gerichten von Zebra, Springbock oder Antilope auch Bratwurst und Eisbein. Und das Bier ist – natürlich! – nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Die kaum blasser werdende deutsche Vergangenheit, die lediglich durch die Umbenennung einiger Straßen etwas an Kraft verliert, lockt immer mehr europäische Touristen in ein junges Land mit bewegter Geschichte, in dem an vielen Schulen Deutsch immer noch Fremdsprache Nummer eins ist. Aber die deutsche Vergangenheit mit all den durchaus sehenswerten Kolonialbauten, die auch in Lüderitz und der Hauptstadt Windhoek zu spüren und zu sehen ist, stellt natürlich nur eine kleine Facette Namibias dar. Ein Besuch in der Namib-Wüste beispielsweise lohnt auf jeden Fall. Am besten in den frühen Morgenstunden, denn ein Sonnenaufgang in der Wüste sorgt für ein erhabenes Gefühl. Die weiß, rot und braun schimmernden Dünen wecken Ehrfurcht. Im Sossusvleis lockt „Big Daddy", die mit rund 350 Meter höchste Düne des Landes, die von Touristen gern erklommen wird – aber bitte ebenfalls in den Morgenstunden, später wird es zu heiß. Nach dem Abstieg schweift der Blick über das „Dead Vlei" mit vielen zum Teil über 500 Jahre alten toten Bäumen. Ist das Realität, oder ist das ein surrealistisches Gemälde? So ganz sicher sind sich die meisten Besucher nicht. Weiter geht es in den Norden, in den Etosha-Nationalpark. Der ist zwar nicht ganz so groß wie der Krueger-Nationalpark in Südafrika, bietet aber ein ähnliches Safari-Erlebnis. Giraffen, Elefanten, Löwen und Nashörner sind auf mehr als 2.000 Quadratkilometern zu entdecken – nur der Büffel fehlt, um die „Big Five" zu vervollständigen. Insgesamt aber gibt es mehr als 140 Arten unter ihnen Zebras, Gnus, Springböcke und Antilopen sowie zahllose Vogelarten zu bewundern. Die besten Chancen zur Sichtung der Tiere ist natürlich in der Trockenzeit (etwa von November bis April), wenn die durstigen Vierbeiner den Wasserlöchern entgegenströmen. Wer noch mehr Tiere sehen will, der sollte sich zurück auf den Weg Richtung Swakopmund machen. In der Walfisch-Bucht gibt es eine ganze Kolonie von Flamingos. Und bei einem Ausflug mit dem Katamaran in Richtung Robben-Bänke werden nicht nur Tausende Seehunde und mit etwas Glück auch Delfine gesichtet, sondern mit Sicherheit auch Pelikane, die nur zu gern die Schiffe begleiten und manchmal sogar auf ihnen reisen – die Vögel wissen, dass es für sie hier stets Leckereien in Form von kleinen Fischen gibt. Namibia. Das ist ein spannendes Land. Es lebt von seinen Kontrasten. Es ist Afrika pur, mit einem Hauch von Deutschland. Der Spaziergang an der Strand-Promenade von Swakopmund beispielsweise lässt den Besucher beinahe glauben, er sei an der Ostsee – selbst eine Seebrücke fehlt nicht. Dass hier allerdings eine Sushi-Bar untergebracht ist, macht den Unterschied zu Heringsdorf aus. Namibias Kontraste sind nicht nur im Landschaftsbild zu spüren. Auffällig ist bei einer Reise über die größtenteils geschotterten Straßen des Landes, dass überall Zäune zu sehen sind. Sie grenzen das Gebiet der großen Farmen ein – viele von ihnen sind immer noch im Besitz der einstigen deutschen Einwanderer. Und dann geht es am Rande der größeren Städte durch die Townships, in denen große Teile der schwarzen Bevölkerung leben. Drei, vier aufgestellte Toiletten sollen für die Bewohner von Hunderten Holz- und Blechhütten ausreichen. Nur wenige hundert Meter weiter sind weiße Villen mit gepflegten Gärten zu bewundern – Kontraste, die nachdenklich stimmen. Namibia ist ein Land, das nicht nur gesehen, sondern gefühlt werden kann. Und die gut zwei Millionen Einwohner haben eine spannende Zukunft vor sich, die sich natürlich vom Deutschtum lösen soll. So gibt es beispielsweise zur Zeit Diskussionen darüber, ob in der evangelischen Christuskirche von Windhoek die Tafeln mit den Namen gefallener deutscher Soldaten noch zeitgemäß sind. Aber darüber diskutieren in erster Linie die weißen Namibier, für die es sogar immer noch eine deutschsprachige Zeitung und einen entsprechenden Rundfunksender gibt. Aber immerhin: Das ehemalige Deutsch-Südwestafrika scheint die Grenzen der Apartheid schneller einzureißen als sein südafrikanischer Nachbar. So gibt es – vor einigen Jahren noch undenkbar! – durchaus farbige Chefs mit weißen Untergebenen. Und in den Städten vermischen sich die Bevölkerungsgruppen in den Wohnvierteln, Einkaufszentren, Sportvereinen und Cafés ganz selbstverständlich. Davon war Namibia 1990 noch weit entfernt – erst nach dem Ende der südafrikanischen Besatzung in jenem Jahr erholte sich das Land. Das tut es immer noch, mit wachsendem Erfolg und steigenden Besucherzahlen.

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