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Mit dem Jeep zum Berg Sodom: Inmitten der unwirtlichen Gegend zwischen Totem Meer und Negev-Wüste kann man sich die biblische Geschichte von der Zerstörung Sodoms und Gomorras gut vorstellen. - © Rainer Heubeck
Mit dem Jeep zum Berg Sodom: Inmitten der unwirtlichen Gegend zwischen Totem Meer und Negev-Wüste kann man sich die biblische Geschichte von der Zerstörung Sodoms und Gomorras gut vorstellen. | © Rainer Heubeck

Israel Salzwüsten, Sümpfe und biblische Orte

Vom Toten Meer nach Galiläa: Eindrucksvoll ist nicht nur die wechselvolle, jahrtausendealte Geschichte und Kultur Israels, sondern auch kontrastreiche Landschaft

Rainer Heubeck
03.06.2017 | Stand 01.06.2017, 19:00 Uhr

Arid drückt aufs Gaspedal und steuert den Jeep nach links. Nun heißt es sich gut festhalten, denn die beiden linken Räder wühlen sich oben an der Böschung durch den Sand, während die beiden rechten auf der Piste bleiben. „Wir sind hier im Dead Sea Valley, in der am tiefsten gelegenen Wüste der Welt", sagt der 62-jährige, der äußerst entspannt wirkt, kurz darauf. Die Umgebung ist sandfarben, doch eigentlich sind wir in einer Salzwüste, auf die sich eine dünne Sandschicht gelegt hat. Tiere gibt es in dieser lebensfeindlichen Landschaft kaum, für sie ist es hier einfach zu trocken. Bei unserer Fahrt im Bett eines ausgetrockneten Flusses, des Sodom Dry River, macht Arid an einer kleinen erdlochartigen Höhle halt. „Geht rein, drinnen ist es kühler", sagt er – und tatsächlich, während es neben dem Jeep bestimmt 40 Grad heiß ist, ist es in der Höhle, die sich in die Böschung bohrt, bereits zwei Meter vom Eingang entfernt deutlich angenehmer, fast schon erfrischend. Kurz darauf fahren wir weiter, eine holprige Piste zieht sich bergauf. Als Arid schließlich auf dem Mount Sodom anhält, nimmt er sich Zeit für eine Zigarettenpause. Wir hingegen genießen den Blick auf die Ausläufer des weiß-braunen Salzberges, der fast wellenartig aufgebaut zu sein scheint – und auf das dahinterliegende Gewässer: Das Tote Meer, dessen südliche Ausläufer wir von hier sehen können, hat einen Salzgehalt von mehr als dreißig Prozent. Während unsere kleine Reisegruppe in der Wüste keinen anderen Menschen begegnet, ist das beim Stopp in der Oase En Gedi anders. Auf dem Wanderweg hoch zum König-David-Wasserfall sind zahlreiche Familien unterwegs, aber auch etliche Grüppchen mit jungen Leuten. Mit jährlich 580.000 bis 600.000 Besuchern ist En Gedi das populärste Naturreservat in Israel. In der Oase gibt es Wanderwege und Thermalquellen, alte Tempel und Synagogen, einen Kibbuz und verschiedene Wasserfälle – und das alles ganz in der Nähe des Westufers des Toten Meeres. Bis vor etlichen Jahren lebten in der wasserreichen Oase sogar Leoparden, mittlerweile sind sie verschwunden. „Vor sechs Jahren haben wir zum letzten Mal einen gesehen", berichtet David Greenbaum, der Leiter der Reservatsverwaltung. Doch kleinere Tiere, beispielsweise Klippdachse, sehen wir bei unserer Wanderung tatsächlich, und eine andere Tierart, die hier ebenfalls anzutreffen sein soll, wurde schon in der Bibel erwähnt: der Steinbock. Unterhalb der verschiedenen Wasserfälle stoßen wir auf kleine Bassins. Sie bieten eine kühle Erfrischung beim Bergaufgehen – und eine Massagedusche made by nature. Am König-David-Wasserfall weisen Schilder darauf hin, dass man sich hier nicht unter die herabprasselnden Wassermassen stellen soll – doch daran hält sich offensichtlich nicht jeder. Dass der Wasserfall nach König David benannt worden ist, das ist kein Zufall. Denn in der Umgebung von En Gedi soll sich David in einer Höhle versteckt haben, in die König Saul gekommen war, um sich zu erleichtern. „David ermordete ihn aber nicht, sondern schnitt ihm lediglich einen Fetzen von seinem Mantel ab", rekapituliert unser Guide Ofer Moghadam die biblischen Geschehnisse. Beim Verlassen der Oase merken wir, dass das natürliche Gleichgewicht der Region durchaus gestört ist – zwischen der Landstraße 90, dem sogenannten Dead Sea Highway, und dem Westufer des Toten Meeres klaffen zahlreiche Senklöcher im Boden. Sie sind entstanden, weil der Wasserspiegel in diesem Bereich seit Jahren sinkt und dadurch die Salzschicht von Süßwasser unterspült wird – so dass Hohlräume entstehen, die irgendwann nachgeben. Dass menschliche Eingriffe in die Natur dramatische Nebeneffekte haben können, erfahren wir auch im Hula-Naturreservat in Galiläa. Es ist Israels ältestes Naturschutzgebiet – doch zu einem solchen wurde es erst, als man merkte, dass die Trockenlegung der Sümpfe um Hula auf Dauer viele unerwünschte Nebenwirkungen hat. „Es kam zu einer ökologischen Katastrophe: Tiere starben aus und Torf fing an zu brennen", berichtet unser Reiseleiter Ofer Moghadam, der in Pforzheim sein Abitur gemacht hat. Deshalb hat man den ehedem verschwundenen Hula-See wieder künstlich angelegt, zumindest zum Teil. Heute ist diese renaturierte Sumpflandschaft, über die wir auf kleinen Holzpfaden laufen, ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Für die Kranichbeobachtung sind wir zum falschen Zeitpunkt hier. Dennoch sehen wir eine Reihe verschiedener Vögel, außerdem Nutria, Wasserschildkröten und Fische. Israel, das zeigt auch diese grüne Schilflandschaft etwa 280 Kilometer nördlich der Mondlandschaft des Dead Sea Valleys, bietet eine faszinierende ökologische Vielfalt auf kleinem Raum.

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