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Natur so pur wie einzigartig: Herrankukkaro auf der Insel Rymättylä bietet fantastischer Aussichten auf das Baltische Meer. - © Ulla Wolanewitz
Natur so pur wie einzigartig: Herrankukkaro auf der Insel Rymättylä bietet fantastischer Aussichten auf das Baltische Meer. | © Ulla Wolanewitz

Finnland Entspannen auf Finnisch

Saunen und Seebäder, Wald und Stille: Finnlands Schären sind ein abwechslungsreiches Urlaubsrevier. Natürlich darf ein Saunabesuch dabei nicht fehlen

Ulla Wolanewitz
27.05.2017 | Stand 26.05.2017, 15:19 Uhr

Der Finne erblickt in der Sauna das Licht der Welt, so besagt es jedenfalls die nationale Legende. Eben dort verabschiedet er sich auch wieder von seinem irdischen Aufenthalt. In der Zeit dazwischen baut er eine Sauna. Natürlich, bevor er ein eigenes Haus baut. „In der Sauna gibt es immer heißes Wasser. Alles ist steril", nennt Merija Pollok amüsiert die verständlichen Argumente. Als waschechte Finnin kam sie auf einer der kleinen, zahlreichen Inseln im finnischen Archipelago zur Welt. Im wahrsten Sinne des Wortes: Natürlich in der Sauna. Die Schärenlandschaft um Turku ist die größte der Welt. An dieser Ostseeküste liegen seit Jahrhunderten unzählige charmante Fischerdörfer und Hafenstädte. Sicher ist, dass diese Riviera des Nordens jedem Gast eine erstklassige VIP-Lounge bieten kann. Als Souvenir kann er einen hohen Entspannungsquotienten mitnehmen, den der Aufenthalt mit dem lockeren, maritimen Lebensstil der Inselbewohner vermittelt. In Turku gibt es hinter den Türen eines auffällig schönen Backsteingebäudes aus dem 19. Jahrhundert ein außergewöhnliches Angebot an Beeren und Pilzen zu entdecken. Es ist Finnlands zweitälteste Markthalle. Aber Vorsicht: Hier lauert eine kleine, große Sünde mit dem verlockenden Imperativ „Kiss my Turku". Das schokolierte Blaubeer-Käse-Törtchen ist eine Schöpfung der M´Bakery, die sich mit diesem köstlichen „Botschafter für Turku" den Titel „Beste Bäckerei Finnlands" sicherte. Dieser Ambassador kann es ganz sicher mit dem Kaloriengehalt einer kompletten Mahlzeit aufnehmen. Egal, Genuss ist, wenn es trotzdem schmeckt. Vergnüglich ist die urige finnische Sprache, die 15 Fälle in ihrer Grammatik beherbergt und bei Doppelkonsonanten die Betonung des Ersteren einfordert. Das bedarf nicht nur besonderen Aufmerksamkeit, sondern sorgt auch für lustige Unterhaltung. Zum gelingenden Einstieg empfiehlt sich dazu – yksi, kaksi, kolme (eins, zwei, drei) – ein Ausflug mit der Ukkopekka. Das älteste Holztransportboot Finnlands schippert heute Gäste durch das Land der tausend Inseln. Reichlich weißer Rauch flankiert die durchdringende, originelle Fanfare des Zweimaster-Dampfbootes, Jahrgang 1942. Bleibt nicht ausgeschlossen, dass dieses Signalvolumen bei Perücken- und Toupetträgern eine Schieflage der Haarpracht verursachen kann. Vorbei an Inseln mit märchenhaften Namen wie Pikku Pukki wird Kurs genommen auf den Heil-Kur-Badeort Naantali. Das freudige Flanieren durch die betagte Kulisse mit ihren sagenumwobenen hölzernen Jugendstilbauten und Parks macht einfach gute Laune. „Save like mama´s pocket" ist der traumhafte Ort Herrankukkaro. Merija Pollok, die hier arbeitet, übersetzt das Flair der Destination gerne mit „sicher wie in Abrahams Schoß". Pentti-Oskari Kanjas entwickelte dieses Museumsdorf mit seinen urigen, pittoresken Holzhütten, das den Zugang in eine andere Welt markiert, auf einem alten Fischereianwesen. Der ideenreiche Spezialist für das Außergewöhnliche könnte auch zweifelsohne eine unverwechselbare Rolle in einem Kaurismäki-Film bekleiden. Als waschechter Finne baute er hier auf der Insel Rymättylä, neben 50 gemütlichen Mökkis (Holzhütten), einer Zwei-Etagen-Toilette, einem bewohnbaren Vogelhäuschen als Honeymoon-Suite natürlich auch eine Untergrund-Rauch-Sauna. Original nach zehntausendjähriger Tradition. Nebenbei: Mit 120 Plätzen ist sie die größte der Welt. Zur Einstimmung auf die abenteuerliche Atmosphäre serviert Oskari Junior seinen Gästen gerne einen charaktervollen Rauchtee, in einer Tasse aus Pinienholz. Prost, besser gesagt: „Kippis" oder „Hölökyn Kölökyn". Die „Smoke-Sauna", in der Torf, Malz oder Holz verbrannt wird, verlangt für die richtige Betriebstemperatur eine Vorlaufzeit von etwa sechs Stunden. Da kommt der Einheizer sicherlich schon vorher, beim Nachlegen des Brennmaterials, ins Schwitzen. Anschließend wird zünftig durchgelüftet und schon stehen die heiligen Hallen zum Abstieg bereit. Kanjas, immer offen für verrückte Ideen, veranstaltete hier auch schon mal ein Jazzkonzert. Der erste amüsierte Eindruck beim Einstieg weckt Erinnerungen an den Charme eines Kohlenkellers. Aber die Wärme darin, sie ist einzigartig wohlig weich. Zunächst gibt´s sanfte Schläge auf die nackte Haut, mit Vihta, den Birkenzweigen. In der Zwischenzeit sorgt „Löyly", der Aufguss, für den nötigen Wasserdampf. Es macht großen Spaß, in diesem Ort der physischen und spirituellen Reinigung entspannt darauf hinzuarbeiten, anschließend selber wie ein Räucherschinken zu duften. Danach: Für kurze Sekunden abtauchen im Baltischen Meer. Dann fix in den 29 Grad warmen Pool. Entschlacken, Bakterien abtöten und desinfizieren, die Rauchsauna macht´s möglich. Ihre angenehme Wärme schafft beste Gesundheit und sorgt für Frieden in der Seele. Vielleicht verbirgt sich dahinter das Geheimnis, das die absolute Tiefenentspanntheit der Finnen erklärt.

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