Grandioser Blick: Vom Mirador del Rio auf die Insel La Graciosa. - © Patrick Schlütter
Grandioser Blick: Vom Mirador del Rio auf die Insel La Graciosa. | © Patrick Schlütter

Mit Gewinnspiel Insel für Genießer

Der Wein wächst hinter Lavamauern, die Köche profitieren vom Fischreichtum und rote Feuerberge inspirieren die Künstler – Lanzarote lässt sich immer wieder neu entdecken.

Patrick Schlütter
19.01.2016 | Stand 18.01.2016, 17:32 Uhr

Mancha Blanca ist ein kleiner Ort. Gerade mal 30 Häuser stehen am Fuße der Vulkanberge. Abseits der großen Touristenpfade und Straßen zu Lanzarotes Sehenswürdigkeiten wie dem Nationalpark Timanfaya hat Christian Honerkamp, ein echter Westfale, seine Jurte aufgeschlagen. Inmitten eines typischen Landhauses experimentiert er dort mit Tusche, Blattgold oder Acryl. Aufgewachsen in Münster, studierte er an der Fachhochschule in Bielefeld Modedesign. Nach einigen Jahren in Köln hat Honerkamp vor fünf Jahren seinen Wohnsitz auf die Lava-Insel verlegt und ist heute ein echter Resident. „Diese Insel gibt einem nur die eine Chance: entweder man liebt sie oder hasst sie", ist der 55- Jährige überzeugt. Für ihn ist die von Vulkanen geprägte Landschaft mit der schroffen Lava pure Inspiration. „Die Kraft des Lichts, die Farben der Berge, das Spiel aus Wasser und Feuer – hier spielt sich Elementares ab", sagt Honerkamp. Entsprechend kraftvoll sind seine Werke. So erinnern verträumte Unterwasserlandschaften an unvergessliche Blicke in Meerestiefen, Engelflügel auf Leinwänden verkörpern Freigeist und Freiheit, überdimensionale Herzen drücken Honerkamps Verständnis von Liebe aus. Immer sonntags gewährt der Künstler allen Interessierten Einblick in seine Galerie. „Ich möchte den Menschen natürlich meine Kunst nahebringen, sie aber auch für Lanzarote begeistern", sagt Honerkamp. Dass die Insel mehr als Strände und gutes Essen zu bieten hat, ist für Susanne Zinn immer wieder Ansporn, andere von einem Urlaub hier zu über- zeugen. Mit ihrer Agentur „Auszeit Lanzarote" vermittelt die gebürtige Deutsche seit mehreren Jahren Ferienhäuser und -wohnungen. „Es tut sich was. Viele kennen das Lanzarote von vor 20 Jahren. Doch seit ein bis zwei Jahren herrscht hier eine richtige Aufbruchstimmung. Es wird wieder investiert", sagt Zinn. So kann sich die neue Marina Lanzarote in der Hauptstadt Arrecife sehen lassen und braucht den Vergleich mit Ibiza-Stadt nicht scheuen. Open-Air-Konzerte, Restaurants mit internationaler Ausrichtung und selbst ein Kino – die Gegend um den (neuen) Hafen steht für das moderne Lanzarote. Ein Klassiker aber bleibt auch 2016 das Gesicht der Insel: Die Werke des Künstlers César Manrique und seine Häuser prägen das touristische Treiben bis heute. Der Blick vom 475 Meter hoch gelegenen Mirador del Rio auf die Nachbarinsel La Graciosa ist einfach gigantisch. Und wer bislang klassischen Konzerten eher ablehnend gegenüberstand, wird in der Höhle Jameos del Agua spätestens zum Fan. Der von César Manrique konzipierte Veranstaltungsort unter der Erde ist optisch wie akustisch eine einzigartige Symbiose aus Kunst und Natur. Diese beiden Welten hat der Architekt und Künstler Manrique auf ganz Lanzarote vereint und somit einen nachhaltigen Tourismus geprägt. Beispielsweise hat Manrique die Zugangswege bei Los Hervideros, einer Felsklippe im Nordwesten der Insel, so angelegt, dass die Besucher einen spektakulären Blick auf das Spiel von Wasser und Fels erhalten – eine nasse Dusche gibt es gratis dazu. Das Neue an Lanzarotes Tourismus ist ein Stück weit auch die Rückbesinnung aufs Alte. „Die junge Generation erkennt den Wert der Arbeit ihrer Großeltern. Viele entdecken die Landwirtschaft wieder für sich", berichtet Susanne Zinn. Einer dieser Vorreiter ist Ignacio Valdera. Der Winzer führt die Bodega Los Bermejos und setzt auf traditionelle Trauben wie Malvazia oder Diego. „Dank der vulkanischen Böden erhalten die Weine später ein unverwechselbares Aroma. Und unsere Traubensorte gibt es nur auf den Kanaren. Auf dem europäischen Festland ist sie seit dem 18. Jahrhundert durch eine Plage ausgerottet worden", sagt Valdera. Für ihn ist der Weinanbau die Lebensaufgabe. Schließlich kommt es auf Lanzarote bei der steinigen Erde auf jede Pflanze an. Eingebettet in steinige Kuhlen zwischen runden Lavamauern ernährt sie sich von der Restfeuchte in der Nacht. Winde halten die Pflanzen im Wachstum dicht am Boden. Bei der Ernte müssen die Bauern zu jeder Rebe in die Rundung klettern – echte Schwerstarbeit, wenn die Temperaturen jenseits der 40 Grad Celsius liegen. Als Lohn erhält der Winzer aus jedem Rebstock pro Jahr eine Flasche Wein. „Das ist im Vergleich zum herkömmlichen Anbau nichts. Hierzu braucht es einfach unsere Leidenschaft", ergänzt Valdera. Dass sich die Mühe lohnt, schmeckt der Gast beim Abendessen. Lokale wie das El Risco an der Küste von Famara setzen ganz auf heimische Produkte. Zu klassischen Tapas gibt es Tintenfisch, Scampi oder Lamm. Und zu jedem Gang serviert das Team gerne entsprechende Weine – natürlich die aus Lanzarote. „Auch kleine Käsereien haben wieder Aufwind. So erhielt der Ziegenkäse von Manuel Arbelo Fernandez im vergangenen Jahr den Award „Weltkäse" auf einer Preisverleihung in England", berichtet Zinn. Sie ist wie auch Christian Honerkamp einfach stolz auf „ihre Insel". Kunst, die gute Küche und die Naturgewalten – das macht nach ihrer Ansicht Lanzarote zur Topadresse der kanarischen Inseln. Abtauchen Lanzarote hat noch einen Schatz unter der Oberfläche zu bieten. Die Küsten sind ideale Tauchreviere. Hier gibt es zum Beispiel Papageienfische zu sehen. Eine erste Adresse für deutsche Touristen ist der Aquanautic Club Lanzarote in Puerto del Camen. Seit vielen Jahren begleiten Inhaber Stephan Reiners und Tauchlehrer Alex Standler auch unerfahrene Taucher durch die Tiefen des Atlantiks. Ohne große Vorbereitung kann ein „Frischling" bis zu 50 Minuten problemlos in bis zu 20 Meter Tiefe abtauchen und die Unterwasserwelt kennenlernen. Ein richtiger Tauchkurs mit abschließendem Tauchschein kann in drei Tagen absolviert werden. Die Profi-Taucher bieten für Geübte auch nachts Tauchgänge an. Weitere Infos www.tauchen-lanzarote.de. Abseits der Hotels Abseits der bekannten Strände und großen Hotels gibt es auf Lanzarote traumhafte Häuser und Ferienwohnungen. Die meisten sind inhabergeführt und werden ausschließlich über die Agentur „Auszeit Lanzarote" vermietet. Die Preise variieren nach Ausstattung, Größe und Lage. Ein Tipp: Häuser ohne Pool sind meist günstiger aber genauso luxuriös. Infos unter www.auszeit-lanzarote.de. Feuchtes Vergnügen Auf Lanzarote werden 300 Skulpturen des britischen Künstlers Jason deCaires Taylor im Meer versenkt. So soll das erste Unterwassermuseum Europas entstehen, erklärt Turismo Lanzarote. Die lebensgroßen Figuren sind Nachbildungen von Menschen in Alltagssituationen – etwa beim Schießen eines Selfies. Die Ausstellung unter Wasser in rund 15 Metern Tiefe ist vor allem für Schnorchler und Taucher interessant. Die Werke lassen sich wegen des klaren Wassers aber auch von einem Glasbodenboot aus beobachten. Die Eröffnung des Museo Atlántico ist für den 1. Januar 2017 geplant. Einige Skulpturen sind bereits jetzt bis März 2016 im Museum für zeitgenössische Kunst MIAC Castillo de San José in der Inselhauptstadt Arrecife zu sehen. César Manrique Der Künstler und Architekt hat Lanzarote wie kein anderer geprägt. Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel zählen unter anderem die Höhle Jameos de Aqua, der Mirador del Rio und der Kaktusgarten sowie das Internationale Museum für Zeitgenössische Kunst in der alten Militärfestung der Burg San José. Außerdem gibt es an vielen Straßenkreuzungen große Skulpturen zu bewundern. Weiter Infos unter www.turismolanzarote.com.

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