Natur pur: Bis zu 7.000 Millimeter Niederschlag fallen im Regenwald von Costa Rica pro Jahr. Kein Wunder also, dass man vielerorts auf Wasserfälle trifft. - © Michael Juhran
Natur pur: Bis zu 7.000 Millimeter Niederschlag fallen im Regenwald von Costa Rica pro Jahr. Kein Wunder also, dass man vielerorts auf Wasserfälle trifft. | © Michael Juhran

Mittelamerika Handgemachtes Paradies

Während die Bauern Costa Ricas zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den 1980er Jahren ein Drittel der Wälder abholzten, erkennen sie in ihnen heute einen touristisch wertvollen Schatz.

Mit grenzenloser Fantasie und fundierten botanischen Kenntnissen ausgestattet, vermag Otto Mendez innerhalb weniger Wochen trostlose Sandbrachen in blühende Landschaften zu verzaubern. Rund um sein Haus im costa-ricanischen La Tigra wähnt man sich in einem botanischen Garten. Überall sprießen Blumen, Sträucher und Bäume aus aller Herren Länder in den buntesten Varianten. Palmen aus Malaysia, Japan und Madagaskar gedeihen neben Pandanusbäumen aus Australien oder Mandelbäumen aus Mittelamerika. „Einer meiner Freunde besitzt die größte Palmensammlung Mittelamerikas und hat mich gut versorgt“, meint Otto bescheiden. Dann zeigt er auf einen riesigen Guanacastebaum, der seit seiner Anpflanzung vor erst 34 Jahren förmlich in den Himmel schoss. Aus einer kleinen Quelle ließ der Landschaftsgärtner eine terrassenförmig angelegte Teichlandschaft entstehen, eingesäumt von 60 Bromelienarten, Farnen, Helikonien, Amelien, Hortensien und Calatheen. „Tropische Gärten sind unglaublich faszinierend“, schwärmt Otto. „Farben und Formen sind in ständiger Veränderung begriffen.“ Gern führt er Touristen durch sein Paradies, das sich beim näheren Hinsehen auch als Biotop für Frösche, Basilisken, Vögel, Schmetterlinge und Insekten entpuppt. Unter einer Helikonie bettet sich gerade ein Vogel zur Nacht, auf dem benachbarten Busch kuscheln zwei rotäugige Laubfrösche miteinander, ein aus der Familie der Leguane stammender Basiliskus lässt sich auf einem großen Farnblatt vom Wind schaukeln, Kolibris sammeln emsig den letzten Nektar und aus dem Inneren einer Bromelie schaut ein winziger Pfeilgiftfrosch nach dem Rechten. Otto ist schon wieder in einem neuen Projekt involviert. Vor acht Jahren hatten seine Freunde Paul und Gelbert gemeinsam mit dem deutschen Reiseveranstalter travel-to-nature auf einer ehemaligen Rinderweide etwa eine halbe Autostunde von Ottos Haus entfernt mit einem sechs Hektar großen Aufforstungsprojekt begonnen. Aus einigen der inzwischen herangewachsenen Bäume entstanden in achtmonatiger Bauzeit zehn Ferienhäuser, wobei nur selbstgepflanztes Bauholz Verwendung fand. „Bei unserem aktuellen Tourismusprojekt „La Tigra“ haben wir uns Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben“, sagt Otto. „Aktivtourismus und die Renaturierung ehemaligen Weidelandes ergänzen sich dabei. Was unsere Väter und Großväter der Natur nahmen, werden wir ihr jetzt zurückgeben.“ Mittlerweile machen die ersten Reisegruppen aus Deutschland in den Ferienhäusern Station und jeder Besucher pflanzt auf einem hinzugekauften zweieinhalb Hektar großen Gelände einen Baum. „Die von Menschenhand angepflanzten Guabas, Rambutan-, Doraden- und Brotfruchtbäume, Caobillas und Mandelbäume gedeihen in dem von Vulkanasche gedüngten und jährlich mit bis zu 6.000 Millimetern Regen bewässerten Boden prächtig. Sie locken Vögel an, die weitere Samen herantragen und damit die Biodiversität vergrößern. So entsteht ein Bewuchs, der dem ursprünglichen Primärwald sehr ähnlich ist“, freut sich Otto. Für die Uferbepflanzung will er aber im Gegensatz zu seinem heimischen Garten nur regionale Arten verwenden. Bald soll es in dem entstehenden Biotop auf dem Rande eines uralten Vulkankraters genauso von Reptilien, Fröschen, Amphibien, Vögeln, Schmetterlingen und Insekten wimmeln, wie bei ihm zu Hause. Erfahrungen sammelten die am Projekt Beteiligten unter anderem im Ökozentrum von Danaus nahe der Touristenhochburg La Fortuna am Fuße des Vulkans Arenal. Auf einem nur drei Hektar großen Wiesenstück ließen sie einen Sekundärwald mit einem tropischen Ökosystem entstehen, der heute mit seinen Kaimanen, Fröschen, Faultieren, Schmetterlingen und zahlreichen Vogelarten Besucher anlockt. Einer Insel inmitten von Rinderweiden, Tarot-, Maniok- und Zuckerrohrfeldern gleich bietet Danaus den Tieren einen geschützten Lebensraum. Auch der Belgier Jean-Pierre Knockaert lässt auf seiner Hacienda-Urlaubslodge „La Isla“ unweit der Hauptstadt San José wieder zuwachsen, was im vergangenen Jahrhundert abgeholzt wurde. „Wir liegen zwischen den Nationalparks Braulio Carillo und Tortuguero. Die Tiere brauchen einen biologischen Korridor, um sich zwischen den beiden Parks bewegen zu können“, sagt der Naturliebhaber. Nachdem er vor Jahren auf dem Gelände der einst verfallenen Hazienda Mandelbäume pflanzte, kann er jetzt erste Erfolge verzeichnen. „17 seltene Grüne Ara Paare haben wir in diesem Jahr bereits beobachten können, die sich von diesen Mandeln ernähren“, berichtet er stolz. „Die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren ist in Costa Rica einzigartig und genau das bringt Touristen hierher.“ Otto und Jean-Pierre sind nicht die Einzigen, die diesen Zusammenhang erkannt haben. Vielerorts hat man wie im Nebelwald um den Vulkan Rincón de la Vieja Baumwipfelpfade eingerichtet. Auf schwankenden Hängebrücken kommt man so auch als Tourist dem quirligen Leben auf der obersten Baumebene sehr nahe. Schillernde Tukane, bunte Aras und schwarze Truthähne zeigen sich in ihrem gewohnten Lebensraum von den Eindringlingen unbeeindruckt. Kreisende Geier hoffen auf einen leckeren Happen, Blattschneideameisen rennen geschäftig die Stämme rauf und runter, unterschiedlichste Schmetterlinge und Vögel huschen durch das dunkle Grün. Eine unglaubliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten lebt hier oben in luftiger Höhe. Dabei erfassen ungeübte Augen nur einen Bruchteil. 1982 sammelte der Biologe Terry Erwin erstmals systematisch Insekten in den Baumkronen Mittelamerikas und er überraschte damals die Welt der Wissenschaft mit geschätzten 30 Millionen Arten. Die Erforschung dieses Lebensraumes befindet sich somit noch in den Kinderschuhen. Für Abenteuerhungrige haben die Ticos (wie sich die Costa Ricaner selbst nennen) Stahlseile zwischen den Baumkronen gespannt, die ein Dahinschweben über Schluchten, Bäche und üppige Vegetation ermöglichen. Adrenalin schießt durch den Körper, beschleunigt den Kreislauf und löst ein Gefühl beglückender Schwerelosigkeit aus. Nur wenige Sekunden dauert die Fahrt, prägt sich aber im Gedächtnis nachhaltiger ein als so manches zeitraubende Cybergame.Abwechslung pur Costa Rica ist mit etwa 50.000 Quadratkilometern nicht einmal so groß wie Bayern. Von den insgesamt 4,6 Millionen Einwohnern leben 350.000 in der Hauptstadt San José. Guanacaste ist die nordwestlichste der sieben Provinzen Costa Ricas mit einer Landfläche von lediglich 10.000 Quadratkilometern. Dennoch reicht hier die landschaftliche Vielfalt vom Trocken- bis zum Nebelwald, von traumhaften Stränden bis zu speienden Vulkanen. Weitere Informationen unter:
www.visitcostarica.com.Hinkommen und entdecken In Costa Rica gibt es zwei internationale Airports: Der Flughafen Juan Santamaría, nahe der Hauptstadt San José sowie der „Daniel Oduber Airport“ in der Stadt Liberia, im Nordwesten des Landes. Direktflüge bietet zum Beispiel Condor (www.condor.com). Deutsche können nach Costa Rica zu touristischen Zwecken bis zu 
90 Tage mit einem noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass visafrei einreisen. Bei der Ausreise wird eine Gebühr von 29 US-Dollar erhoben. „travel-to-nature“ bietet eine 16-tägige Rundreise „Costa Rica Pur“ an. 
Die Reise wird mit einem Strandaufenthalt abgerundet (inklusive Flug 
ab 2.949 Euro). Beste Reisezeit Die Landeswährung von Costa Rica ist der Colón. Touristische Dienstleistungen können allerdings auch in US-Dollar bezahlt werden. Außerhalb touristischer Zentren und in einheimischen Cafés und Restaurants gilt aber der Colón als Zahlungsmittel. Alle Banken bieten Geldwechsel an. Auch bei vielen Hotels kann Geld gewechselt werden. In größeren Städten und Ortschaften finden sich auch Bankomaten, die Kreditkarten akzeptieren. Probieren An der Küste gehören frischer Fisch und Meeresfrüchte zu den Delikatessen. Da die Rinderzucht vorwiegend ohne oder mit nur wenigen veterinärmedizinischen Impfungen betrieben wird, wird das Fleisch als „Bioprodukt“ geschätzt.

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