Im Alter immer besser: Boz Scaggs. - © Chris Phelps/Concord Records
Im Alter immer besser: Boz Scaggs. | © Chris Phelps/Concord Records

Kultur Soulpop-Veteran Boz Scaggs blickt zurück

Mit dem famosen Album „Out of the Blues“ beschließt der Sänger und Songwriter aus San Francisco eine Trilogie mit Musik, die ihn in jungen Jahren prägte

Thomas Klingebiel

Drei Akkorde, zwölf Takte – diese formale Selbstbeschränkung des Blues stellt an Interpreten umso größere Anforderungen. Hinter jedem Turnaround lauert die gepflegte Langeweile, vor der selbst ausgesprochene Könner wie Eric Clapton oder Van Morrison in ihren späten Jahren nicht gefeit sind. Boz Scaggs hingegen, mit 74 auch kein Jungspund mehr, macht auf seinem neuen Album „Out of the Blues" alles richtig – wieder einmal. Das famose Alterswerk bildet den Abschluss einer R’n’B- und Soul-Trilogie des in San Francisco lebenden Sängers, Gitarristen und Songschreibers, der in den 70er Jahren weltweite Soulpop-Hits wie „Lido Shuffle" oder „Lowdown" landete. „Memphis" war 2013 der exzellente Beginn, „A Fool to Care" 2015 die kongeniale Fortsetzung. Eigentlich begann Scaggs’ produktive Rückbesinnung auf das, was ihn prägte, aber schon 1997 mit dem grandiosen „Come on Home". Auf „Out of the Blues" führt das Gründungsmitglied der Steve Miller Band mit seiner handverlesenen Schar von A-List-Musikern mustergültig vor, wie abwechslungsreich und mit welchem Raffinement das vermeintlich immer gleiche Bluesgefäß gefüllt werden kann. Hier ist Blues – und was aus ihm hervorging – mal nicht packender, roher Ausdruck, sondern elegante, abgeklärte musikalische Äußerung mit gleichwohl leidenschaftlichem Kern: lässig verschleppte, dabei unwiderstehlich vorwärtsrollende Rhythmen, bittersüße Bläsersätze, tiefgründig-lakonische Gitarren- und Mundharmonika-Soli. "Es schadet gar nicht, dass seine Stimme mit den Jahren Ecken und Kanten bekommen hat" Eine All-Star-Band mit Legenden wie Jim Keltner (Schlagzeug), Willie Weeks (Bass) sowie Charlie Sexton, Doyle Bramhall II und Ray Parker Jr. an den Gitarren ist an sich noch kein Erfolgsgarant, aber auf „Out of the Blues" ergänzen sich diese Veteranen wirklich anbetungswürdig. Boz Scaggs hat keine so tolle Stimme wie Van Morrison, sie ist ein bisschen hell und eng. Dafür setzt er sie enorm vielseitig bis hin zum Falsett („Rock and Stick") ein, er phrasiert traumwandlerisch sicher und hörbar engagiert, und es schadet gar nicht, dass seine Stimme mit den Jahren Ecken und Kanten bekommen hat. Atemberaubend, wie zum Beispiel Neil Youngs „On the Beach" von Jim Keltner mit majestätischen Basstrommel-Schlägen und von Doyle Bramhall II mit sparsamen Solotönen in die Moll-Blues-Zone gelotst wird. Es gibt Balladen („The Feeling Is Gone"), einen gut abgehangenen Jimmy-Reed-Shuffle („Down in Virginia"), eine Bluesrock-Walze („Radiator 110"), Rock’n’Roll („Little Miss Night and Day") und Funk („Those Lies"), das ganze Spektrum. 40 Minuten pures Klang-Gold.

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