Zugegeben: So sieht Bob Dylan längst nicht mehr aus. Das hätten wir Ihnen, liebe Leser, gern gezeigt - doch Dylan hat das Fotografieren bei seinen Konzerten streng verboten. - © picture alliance / Everett Collection
Zugegeben: So sieht Bob Dylan längst nicht mehr aus. Das hätten wir Ihnen, liebe Leser, gern gezeigt - doch Dylan hat das Fotografieren bei seinen Konzerten streng verboten. | © picture alliance / Everett Collection

Bielefeld 4.300 Besucher feiern Pop-Legende Bob Dylan in Bielefeld

Der schweigsame Gigant verbietet Fans und Presse das Fotografieren - und bekommt dennoch viel Applaus

Thomas Klingebiel
22.04.2018 | Stand 22.04.2018, 19:09 Uhr
Christina Falke

Bielefeld. Die Jahre des Wartens haben ein Ende – endlich hatte Bob Dylan wieder den Weg in die ostwestfälische Metropole gefunden. 4.300 Besucher kamen am Samstag in die Seidensticker Halle nach Bielefeld um „Bob Dylan And His Band" vor ausverkauftem Haus einmal mehr live zu erleben. Auf dem Weg zur Seidensticker Halle stimmten Straßenmusiker das Publikum auf den Abend ein. So hatte sich die vierköpfige Band „Indian Summer" aus Hamburg hinter der Halle positioniert und einige Songs des Nobelpreis-Trägers vorgetragen – natürlich in der ursprünglichen Fassung. „Wir machen unsere eigene kleinen Tournee", erklärte Henning – sie seien schon am Tag zuvor in Krefeld aufgetreten und hatten am Nachmittag auch schon die Bielefelder Innenstadt versucht die Passanten zu „dylanisieren". Ein paar Meter weiter stand der Tscheche Frankie und spielte ebenfalls Bob Dylans Originalversionen der 1960er Jahre. In seinem vor ihm aufgestellten Gitarrenkasten lag, neben einigen Münzen und Fünf-Euro-Geldscheinen, ein Schild mit der Aufschrift „I need a ticket please". Keine Fotos erlaubt Mit 76 Jahren steht Robert Allen Zimmerman, wie Bob Dylan mit bürgerlichem Namen heißt, immer noch Abend für Abend auf der Bühne und entführt dabei, zumindest den größten Teil seines Publikums, in ihre Jugendzeit. Seit vielen Jahren schon lässt Dylan keine Fotos mehr von sich auf der Bühne machen – weder von der Presse, noch von seinem Publikum. Ausgenommen davon ist nicht einmal der Auf- und Abbau der Bühne. So bleibt immerhin bis zuletzt offen, was den Besucher erwarten wird. Mit „Things Have Changed" eröffnete Dylan, wie seit einiger Zeit bei ihm üblich, sein Bielefelder Konzert. Überwiegend verschanzt hinter einem Mini-Flügel und recht gut bei Stimme, bot er Songs aus nahezu allen seinen Schaffensphasen. Gelegentlich trat der 76-Jährige aber auch zur Bühnenmitte nach vorn, meist, um eine Ballade aus dem Great American Songbook zu raunen, dem in jüngerer Vergangenheit seine bevorzugte Aufmerksamkeit gilt. Noch immer ist es so, dass Dylan einige seiner Songs stark umarrangiert, so war „Tangled up in Blue" zunächst nur am Text wiederzuerkennen. Direkt ans Publikum wandte sich der Literaturnobelpreisträger auch in Bielefeld nicht. Viele junge Fans in der Seidenstickerhalle Begleitet von einer exzellenten Band – Dylan rührte weder Gitarre noch Mundharmonika an, sondern beschränkte sich aufs Klavierspiel – ließ er die Songs für sich sprechen. Extra starken Beifall erntete eine mitreißend rockige Fassung von „Thunder on the Mountain". Zwei Zugaben – „Blowin‘ in the Wind" zum Mitschunkeln und „Ballad of a Thin Man" - beendeten das stimmungsvoll-ruhige Gastspiel der lebenden Pop-Legende. In Deutschland stehen derzeit sechs Termine in seinem Tournee-Plan. Viele junge Leute hatten sich überraschenderweise unter das meist doch etwas ältere Publikum gemischt. So wie die 29-jährige Bielefelderin Sylvia und ihre 31-jährige Freundin Charlotte aus Kassel. Auf die Frage, warum sie ein Konzert von Bob Dylan besuchen würden, antworteten beide: „Weil Bob Dylan! Er ist eine lebende Legende und wer weiß, ob man dazu noch einmal die Gelegenheit bekommen wird." So freuten sich Monika und Reinhard Wiemann aus Schlangen, als sie am vergangenen Weihnachten die Tickets für das Bielefelder Dylan-Konzert von ihrer Tochter geschenkt bekamen. Vor 24 Jahren hatten sie Bob Dylan zum ersten Mal in Bielefeld live gesehen – damals noch in der Stadthalle, erzählten beide. „Er begleitet mich seit ich 15 Jahre alt bin", sagte Reinhard Wiemann. „Man muss ihn einfach mögen", ergänzte seine Frau. Im Anschluss an das Konzert kommentierte José Kasther aus Lemgo: „Das war eine runde Sache. Und seine Stimme war heute deutlich besser als beim Konzert 1995." Und auch der 14-jährige Steffen „fand’s sehr gut". Er hatte sich die Eintrittskarte von seinen Eltern zum Geburtstag gewünscht.

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