Kultur Amtlicher Country Blues des Bielefelder Duos Greyhound George & Andy Grünert

Live-CD „The Longest Road I Know“ vorgestellt

Bielefeld. Nun ist ihr Blues sozusagen amtlich. Von ihrer Reise nach Memphis und in das blueshistorisch gleichfalls berühmte Delta etwas weiter südlich kehrten Greyhound George und Andy Grünert randvoll mit unvergesslichen authentischen Eindrücken zurück – und nahmen gleich eine Live-CD auf: „The Longest Road I Know“ dokumentiert eindrucksvoll ihre in den USA vertiefte musikalische Leidenschaft. Bei einem CD-Release-Konzert im „Chamber Unlimited“ (C.ult) in Schildesche stellte das Bielefelder Duo die Platte nun offiziell vor. Einige der Songs, die sie im März live vor Publikum im „A Tasca“ in Gütersloh an Ostwestfalens Highway 61 aufnahmen, hatten sie auch als offizielles Repertoire bei ihrer Teilnahme an der 32. International Blues Challenge in Memphis im Reisegepäck. Mit John Lee „Sonny Boy“ Williamsons „Shake Your Boogie“ zum Beispiel riss das Duo auch die verwöhnten Zuhörer in den Clubs an der Beale Street zu Beifallsstürmen hin. „Clarksdale Groove“ hingegen ist eine von drei Eigenkompositionen Greyhound Georges auf der CD, die erst nach der Rückkehr vom Mississippi entstanden. Sie fügen sich bestens in den Reigen der originell arrangierten Coverversionen von Blues-Klassikern, die das Gros der Stücke bilden.Solistischer Ideenreichtum Drei Akkorde, Gitarre, Harp, Gesang – nur bei wirklich berufenen Interpreten wie Jürgen Schildmann alias Greyhound George und Andy Grünert wird es da mit der Zeit nicht eintönig. Sie beschränken sich zwar auf das elementare Setting des urwüchsigen Country Blues, schauen stilistisch aber über den Tellerrand hinaus. Schildmann beschwört mit Slide-Spiel auf seiner stahlblitzenden National-Resonatorgitarre typisches Delta-Feeling, verleiht Fats Dominos „Sick and Tired“ aber auch tänzerischen Rhumba-Schwung. Auf der Akustischen brilliert er mit Fingerpicking („Get Your Yas-Yas out“), fixen Jazzblues-Turnarounds („Shake Your Boogie“) und gespenstischem Saitenzauber („Jinx“). Muddy Waters’ „Hoochie Coochie Man“-Riff dient als Blaupause für das moderne „Fashion Girl“. Auch im Medley „Scratch My Back/Ridin’ in the Moonlight“ scheint elektrifizierter Chicago Blues durch. Andy Grünert, der Greyhound Georges Gesang gelegentlich mit seinem kraftvollem Blues-Shouter-Organ ablöst, sorgt ebenfalls für reichlich Abwechslung. In „Clarksdale Groove“ verzerrt er seinen Harp-Ton schön dreckig. Er wechselt zwischen tiefer und hoher Mundharmonika, überrascht mit Didgeridoo-ähnlichen Verfremdungen, tutet wie eine Lok („Midnight Special“) und bannt immer wieder mit solistischem Ideenreichtum. Schade, dass nicht auch seine humorvollen und informativen Zwischenmoderationen auf die Live-CD gelangten. Die gibt es nach wie vor nur im Konzert. ´ Die mit Fotomotiven von der Mississippi-Reise reich bebilderte CD ist über die Website www.greyhound-george.de und in Bielefeld im Musikgeschäft Christian Wolf, Im Stift 3, erhältlich.

realisiert durch evolver group