Weiss Langweiliges Fremdschämen

Es gibt mindestens 15 Reality-Trash-Formate, die regelmäßig über unsere deutschen Mattscheiben flimmern – die wahre Anzahl dürfte allerdings höher sein. Und überall machen sich erwachsene Menschen zum Freiwild des
Zuschauerspotts. Das ist langweilig und überflüssig. Oder doch nicht? Unsere Autoren sind sich nicht einig

Tina Gallach

Dschungelcamp, Topmodel, Shopping Queen – selbst wer kein Faible für diese Sendungen hat, weiß, worum es geht: Um die Selbstdarstellung gescheiterter Persönlichkeiten, erfolgloser Z-Promis oder von bekannteren Vertretern des öffentlichen Lebens, die aus irgendeinem Grund schon immer mal was richtig Beklopptes machen wollten – wie Wolfgang Joop als Juror beim Topmodel. Wahrscheinlich für viel Geld von Fernsehsendern, die wissen, dass sie mit bestimmten Kandidaten eine gute Einschaltquote erzielen werden. Denn das Interesse an den Trash-Formaten ist aus mir unerfindlichen Gründen ungebrochen hoch. Und das, obwohl offiziell natürlich niemand einschaltet, wenn Georgina La-Fleur einen Seelenstrip vor laufender Kamera hinlegt (Was ist aus der eigentlich geworden?). Ich gestehe, ich habe diese Formate am Anfang auch ab und zu geguckt, sonst könnte ich diese Kolumne gar nicht schreiben. Ich fand das Format, beobachten zu können, wie sich echte Menschen peinlich machen, vor 15 Jahren mal lustig. „Die wissen ja, worauf sie sich einlassen", dachte ich und sah zu. Ich sah Tränen, ohne Mitleid zu haben, nackte Körper von Menschen, denen ich in der Sauna aus dem Weg gehen würde. Ich hörte Dialoge, die so unwürdig waren, dass ich vor Scham laut lachen musste. Damals war das neu – ich verlor aber schnell die Lust daran. Denn es wiederholte sich. Irgendwann schaltete ich mal in die Gutmensch-Sendung Shopping-Queen rein, in der der Modedesigner Guido Maria Kretschmar Kandidatinnen ein neues Lebensgefühl verschaffen will – durch Mode. Hallo? Gehts noch? Gut fühlen bis zur Kleidersammlung, oder was? Ich schaltete wieder weg. Da hat jeder Heimatfilm mit Liselotte Pulver mehr Charme – schon seit mehr als 50 Jahren. Und ganz ohne dass man sich über irgendjemanden lustig machen muss, der einem eigentlich leid tut.

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