Weiss Belanglose Personalie

Wenn Vater Beimer an diesem Wochenende stirbt, stirbt ein Teil der Lindenstraße. Oder ist es etwa an der Zeit, dass sich endlich mal etwas verändert in der großen Fernseh-WG, die seit fast 33 Jahren bis auf wenige Ausnahmen zuverlässig sonntags um 18.50 Uhr über die Bildschirme flimmert? Unsere Autoren sind sich nicht einig

André Blickensdorf

Seit dem 8. Dezember 1985 zeigt die ARD die Lindenstraße. Seit gefühlt 20 Jahren ist die TV-Serie auf dem absteigenden Ast. Nach dem Hype des ersten Serienjahrzehnts mit aktuellen und sehr gesellschaftskritischen Themen, ist der Spannungsbogen längst verflacht. Deutlich belangloser sind die Inhalte. Die sonntäglichen Einschaltquoten stagnieren und die meisten Darsteller kennt außerhalb der Lindenstraße-Fanclubs kaum jemand. Als routinierter Schauspieler hat Joachim Hermann Luger das längst realisiert. Konsequent und nachvollziehbar, dass er auf eigenen Wunsch in der aktuellen Folge – 1.685 – „Die Ruhe nach dem Sturm" als Hans Beimer den Serientod stirbt. Luger, der bald 75 Jahre alt wird, möchte in Zukunft Theater spielen und neue Rollen ausprobieren. Respekt! In seinem Alter neu durchzustarten, nach mehr als 32 Jahren als Vater Hans, spricht für ihn. Und gleichzeitig ganz klar gegen eine Perspektive der Serie. Es wird Zeit, dass sich das Team um Lindenstraßen-Erfinder und Produzent Hans W. Geißendörfer und seine ebenfalls am Projekt beteiligte Tochter Hanna Gedanken macht, wie es die Serie mit all ihren Rekorden endlich zu Ende bringt. Die Zeichen stehen doch ganz klar auf Abschied. Nicht nur, was Hans Beimer betrifft. Er war in der Lindenstraße eine der letzten Kultfiguren. Sein Tod macht Sinn. Dieser wurde bereits Anfang Mai bewusst bekanntgegeben, um Menschen, die 1997 zum letzten Mal zugeschaut haben, mit etwas Glück wieder am frühen Sonntagabend vor den TV-Bildschirm zu locken. Zur absolut unbeliebten Sendezeit. Im großen Showbusiness ist Beimer doch nur eine belanglose Personalie. Bei allem Respekt vor Darsteller Luger. 2017 gönnte sich die Lindenstraße die erste Sommerpause in ihrer Geschichte. Zu Recht! Denn das Format ist längst ersetzbar. Es gibt einige deutlich beliebtere und modernere Serien. Also: Höchste Zeit für die allerletzte Klappe!

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