Schwarz Ich möchte sicher reisen können

Wo soll man seine Ferien verbringen? Diese Frage stellen sich jedes Jahr die meisten Deutschen. Doch eine Antwort zu finden ist nicht mehr ganz einfach. Viele scheuen sich vor einem Urlaub in Ländern wie der Türkei, Ägypten oder den USA, in denen schwierige politische Verhältnisse herrschen. Auch unsere Autoren sind sich nicht einig

Julia Gesemann

Die Türkei erlebt 2018 bei den Deutschen ein Comeback als Urlaubsland. Ich verstehe das nicht! Man muss sich ja nur die politische Großwetterlage ansehen. Mich schreckt von einem Trip ab, dass Erdogan gerade erst die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat. Mich schreckt auch ab, dass dieser fast schon allmächtige Herrscher Oppositionelle und Journalisten ins Gefängnis sperrt. Eine andere Meinung als seine eigene duldet er schwerlich. Und so wettert er auch munter gegen Deutschland und Europa – und niemand weiß, ob es bei diesem verbalen Denunziantentum bleiben wird oder Ausländern künftig unter fadenscheinigen Gründen die Rückreise in ihre Heimat verwehrt wird. Denn seine Macht will der türkische Präsident weiter ausbauen, auch die Todesstrafe soll wieder eingeführt werden. Für mich klingt das alles nicht nach einem Land, in dem ich guten Gewissens und sicher meinen Urlaub verbringen kann und möchte. So wie ich auch gut auf einen Trip in die USA mit ihrem nationalistischen Touri-Schreck Trump und auf Ägypten mit dem repressiven Al-Sissi verzichten kann. Denn Urlauber müssen sich nicht nur sicher fühlen können, sie haben auch eine moralische Verantwortung. Immer mehr Menschen ist es wichtig (zum Glück), woher das Fleisch auf ihrem Teller kommt, unter welchen Bedingungen der neue Pullover produziert wurde und ob Crèmes Mikroplastik enthalten. Dieselben Maßstäbe sollten auch für den Urlaub gelten. Macht Euch Gedanken, wen Ihr finanziell unterstützen wollt! Klar, das Touri-Geld fließt nicht in Erdogans, Trumps oder Al-Sissis Privatkasse, sondern kommt bei Hoteliers, Gastronomen und Guides an, die auch darauf angewiesen sind. Ein Boykott trifft somit erst einmal auch Unschuldige, aber eben auch jene, die Erdogan und Co. unterstützen. Nur wirtschaftlicher Druck wird zu politischem – und lässt die Türken, die Ägypter oder die Amerikaner vielleicht auf die Straße ziehen und gegen die Regierungen und ihre Despoten protestieren. Deshalb ist es richtig, ein Land zu boykottieren.

realisiert durch evolver group