- © Victoria Thünte/ Münsterland Zeitung
| © Victoria Thünte/ Münsterland Zeitung

Tumult im Vogel-Kindergarten

Junge Flamingos im Zwillbrocker Venn beringt

„Schaurig ist’s, übers Moor zu gehen…", könnte man meinen. Nicht, weil die Nebel wabern und unheimliche Laute aus dem Untergrund aufsteigen, sondern weil sich an diesem Julitag ein Tumult in der Flachwasserzone des Zwillbrocker Venns im Kreis Borken abspielt. 40 Menschen bilden einen Kreis und waten durch das brackige Gewässer, um sieben langbeinige Jungvögel einzufangen, die erst vor kurzer Zeit ihrem Nest entstiegen sind. Bei den grauen Geschöpfen mit noch plüschigem Federkleid handelt es sich um Flamingos. Es sind keineswegs Zootiere, sondern Vögel, die hier im Münsterland in freier Natur zur Welt kamen. Das Zwillbrocker Venn in unmittelbarer Nähe zur holländischen Grenze beherbergt die nördlichste Flamingo-Brutkolonie der Welt.

Speichelproben

Die erwachsenen Flamingos hüten ihre Jungtiere, nachdem diese das Nest verlassen haben, in einer Art Kindergartengruppe. Jeweils ein oder zwei Alttiere hüten dabei den gesamten Jahrgang an Jungtieren. Warum aber machen 40 Leute Jagd auf den Flamingo-Kindergarten? Keine Angst, es handelt sich um keine Vandalen oder Tierquäler. Vielmehr sind es Tierschützer und Naturfreunde, die die in diesem Jahr geschlüpften Flamingos einfangen, damit sie beringt werden können. Außerdem entnimmt ein Biologe Speichelproben des Flamingo-Nachwuchses, anhand dessen Geschlecht und Art bestimmt werden können. Die Ringe, deren Markierungen mit einem Fernglas auch aus großer Entfernung noch gut zu erkennen sind, helfen, das Zugverhalten der einzelnen Tiere mitverfolgen zu können. Flamingos sind sehr mobil.

Ursprung der Kolonie

Vor mehr als 30 Jahren haben sich die ersten Tiere dieser einzigartigen Vogelart im Zwillbrocker Venn angesiedelt. Es handelte sich um sogenannte Gefangenschaftsflüchtlinge aus Tierparks oder Zoos. Die nächst entfernten natürlichen Vorkommen des Flamingos befinden sich am Mittelmeer. Drei Arten von Flamingos, die sich auch untereinander paaren, brüten inzwischen im Zwillbrocker Venn: Chilenische, Kuba- und Rosa oder Großer-Flamingos. Ein Flamingo kann dabei bis zu 30 Jahren alt werden.

Von Füchsen bedroht

Als ausgesprochene Koloniebrüter verrichten die Paare das Brutgeschäft in enger Nachbarschaft. Jedes Brutpaar legt nur ein Ei in ein kunstvolles Kegelnest aus Schlamm. Sieben Jungtiere sind 2018 geschlüpft. Sie sind an ihrem grauen und noch flauschigen Gefieder gut zu erkennen. Erst nach zwei Jahren sind Flamingos erwachsen und können sich fortpflanzen. Manchmal fallen Eier Füchsen oder Mardern zum Opfer, wie die Diplom-Biologin Jessica Focke von der Biologischen Station Zwillbrock zu berichten weiß. Zwar brüten die Flamingos auf einer Insel im See, aber das hält Füchse nicht davon ab, nachts herüber zu schwimmen. Auch angebrachte Sperrzäune halten die Räuber nicht gänzlich fern. Vier Kameras übertragen von der Insel in die Biologische Station. So behalten die Biologen das Geschehen im Blick. Wenn plötzlich ganz viele Vögel wegfliegen – die Biologin spricht von „Aufflugereignissen" – kann man davon ausgehen, dass sich Raubtiere angenähert haben.

Den Möwen sei dank

Dass sich in Zwillbrock überhaupt Flamingos erfolgreich ansiedeln konnten, verdanken sie den zahlreichen Lachmöwen, die hier ebenfalls brüten. Denn diese bringen Nährstoffe in den See ein, die wiederum die Lebensgrundlage vieler Kleinlebewesen sind, die die Flamingos mit ihrer einzigartigen Schnabelapparatur aus dem Wasser herausfiltern können. Von einer Symbiose kann man dennoch nicht sprechen, da die Möwen im Gegenzug nicht von den Flamingos profitieren, meint Jessica Focke. Als „invasive Art" kann man die exotischen Vögel auch nicht bezeichnen, denn sie verdrängen keine einheimischen Arten und breiten sich auch nicht unkontrollierbar aus. Die jungen Flamingos werden im Spätsommer groß genug sein, um von ihren Eltern vorübergehend allein gelassen zu werden. Diese kommen oft nur für wenige Stunden zum Füttern vorbei.

Ein weiterer wichtiger Vorteil, warum sich in Zwillbrock die Falmingos so heimisch fühlen, ist sicherlich die Störungsarmut in diesem Schutzgebiet. Das Zwillbroker Venn darf nur auf den Wegen betreten werden und ein Besucherlenkungskonzept garantiert, dass z.B. auch die Beobachtungskanzeln betreten werden können, ohne die Tiere und Pflanzen im Schutzgebiet zu beeinträchtigen.

Fernglas einpacken

Das Zwillbrocker Venn umfasst etwa 100 Hektar. Allein der See ist 35 Hektar groß. Mehrere Aussichtsplattformen und ein Turm bieten Besuchern spannende Möglichkeiten zur Beobachtung der Tierwelt. Wer insbesondere an der Vogelbeobachtung interessiert ist, sollte ein Fernglas bei seinem Besuch nicht vergessen. Entlang des Venns führt die sogenannte Flamingo-Route, ein deutsch-niederländischer Radwanderweg. Früher wurden Torfstiche in dem Gebiet vorgenommen. Daraus ist durch Vernässung der See entstanden. Das benachbarte Ellewicker Feld ist ein Feutwiesenschutzgebiet. Die großen Heideflächen sind ein wichtiger Lebensraum für bedrohte Vogelarten. Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung, ein Destinatär von WestLotto, hat Flächen im Ellerwicker Feld für den Naturschutz angekauft. Außerdem half die NRW-Stiftung beim Aufbau der Ausstellung in der Biologischen Station.

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Links zum Thema
Biologische Station Zwillbrock e.V.
Zwillbrock 10
48691 Vreden

www.bszwillbrock.de

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