Corinna T. Sievers: "Ich möchte Männer provozieren"

Die Autorin im NW-Interview über ihren Roman "Maria Rosenblatt"

Corinna T. Sievers: "Ich möchte Männer provozieren" - © Kultur
Corinna T. Sievers: "Ich möchte Männer provozieren" | © Kultur

Frankfurt. Erst spät hat Corinna T. Sievers begonnen, professionell zu schreiben. Doch bereits mit ihrem zweiten, düsteren Roman "Schön ist das Leben und Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung" hat es die Ärztin und Autorin verstanden, die Kritiker zu überzeugen. Jetzt hat die Autorin nachgelegt. Ihr Roman "Maria Rosenblatt" kommt im Gewand eines Krimis daher, ist aber viel mehr eine bitterböse Abrechnung mit der Männerwelt. Stefan Brams traf die Autorin, die in Zürich lebt und als Kieferorthopädin arbeitet, zum Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse.

Frau Sievers, haben Film und Fernsehen schon bei Ihnen angefragt, ob sie Ihren Roman über diese schrecklich unsympathische und wunderbar schräge Kommissarin Maria Rosenblatt verfilmen dürfen?
CORINNA T. SIEVERS:
Nein, bisher nicht. Aber ich glaube auch, dass sie eine spannende Filmfigur abgeben würde. Sie ist attraktiv, lebhaft, herrisch, aber auch sensibel.

Sie haben unglaublich viel in diese Kommissarin hineingepackt. Sie trinkt, sie nimmt Pillen, sie nutzt Botox, sie ist herrisch vor allem gegenüber ihren männlichen Kollegen und lässt auch sexuell wenig aus. Warum so eine extreme Frauen-Figur?
SIEVERS:
Ich bin Ärztin in Zürich und sehr brav in meinem Beruf. Das heißt aber auch, dass ich alles Wilde und Unartige nicht ausleben darf. Ich glaube daher, dass ich alles, was ich nicht sein darf, in meine Figuren lege und mich dort austobe und auch etwas verarbeite.

Corinna T. Sievers taucht in menschliche Abgründe ein. - © FOTO: ST. BAUMGARTNER
Corinna T. Sievers taucht in menschliche Abgründe ein. | © FOTO: ST. BAUMGARTNER

Was verarbeiten Sie?
SIEVERS:
Eine Unangepasstheit, die ich mir in meinem Beruf in keiner Weise leisten darf, eine Unartigkeit sowie auch privates Scheitern. Ich schreibe eigentlich, wie die meisten Autoren, letztendlich über mich selbst.

Maria Rosenblatt wirkt mit all ihren schrägen Facetten beinahe überzeichnet auf mich.
SIEVERS:
Ja, sie ist extrem in dem Sinne, dass alle schlechten Eigenschaften, die ich in mir immer zu zügeln versuche, bei ihr überstark zum Ausdruck kommen. Literatur ist doch auch dazu da, um zu überzeichnen. Bisher wird mir eher vorgeworfen, mit Maria Rosenblatt eine unglaublich unsympathische Person geschaffen zu haben. Gerade Männer scheinen sich von ihr geradezu abgestoßen zu fühlen. Das finde ich interessant.

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