Hagen Enke, neuer Leiter des Bielefelder Oratorienchors, freut sich auf sein erstes Konzert mit den 150 Sängern. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Hagen Enke, neuer Leiter des Bielefelder Oratorienchors, freut sich auf sein erstes Konzert mit den 150 Sängern. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld Hagen Enke: "Chor ist eine Lebensschule"

Der neue Leiter des Oratorienchors im Interview

Bielefeld. Seit Ende März probt Hagen Enke mit dem Oratorienchor. Am 21. Dezember hat der neue Chorleiter seinen ersten Auftritt mit den Sängerinnen und Sängern. Auf dem Programm stehen Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium und Jean-Baptiste Lullys "Te Deum". Mit dem 45-Jährigen sprach Anke Groenewold.

Herr Enke, in welcher Verfassung haben Sie den Chor vorgefunden?
HAGEN ENKE:
In einer wunderbaren Verfassung. Sie sind hochmotiviert und künstlerisch sehr gut gepflegt. Die Arbeit macht wahnsinnig viel Spaß. Wir haben erstmal angefangen, A-cappella-Musik zu machen, was dem Chor gar nicht so vertraut ist.

Nur zum Spaß?
ENKE:
Nicht ganz. Beim 9. Sinfoniekonzert der Saison im Juni 2013 mit den Bielefelder Philharmonikern bringen wir Bachs Magnificat und Faurés Requiem. In diesem Bach-Magnificat gibt es A-cappella-Einschubsätze. Überhaupt ist A-cappella-Literatur die Kammermusik der Chorkunst. Da kann ein Chor unglaublich viel lernen. Das ist eine Art musikalische und stimmliche Hygiene.

Das Weihnachtsoratorium hat der Oratorienchor natürlich drauf...
ENKE:
Das ist auch eine spannende Arbeit, weil große Teile des Chores das schon konnten, aber ein kleinerer Teil es noch nicht gesungen hat. Da stellt sich die Frage, wie probe ich eigentlich? Und gerade wenn ein Großteil des Chors schon eine Interpretation "im Magen" hat, ist es gar nicht so einfach, nochmal neu Kunst zu machen.

Wie kommen die Kinderstimmen der Chorinis zum Einsatz?
ENKE:
Sie singen im Weihnachtsoratorium "Er ist auf Erden kommen arm". Das ist ein Choral, der von Engeln gesungen wird. Er hat so eine Unweltlichkeit. Jegliches Kalkül ist da abwesend, das ist der pure Inhalt. Kinderstimmen können das am besten zum Ausdruck bringen.

Selten zu hören ist das doppelchörige "Te Deum" von Lully – jenes Stück, bei dessen Aufführung 1687 zur Genesung des Sonnenkönigs sich Lully seinen Taktstock in den Fuß rammte und daraufhin an Blutvergiftung starb.
ENKE:
Das Stück kannte bis dahin keiner. Es ist unglaublich stark, festlich und virtuos. Und es passt gut zum Weihnachtsoratorium.

Das Latein wird mit französischem Zungenschlag gesungen. Eine Herausforderung?
ENKE:
Nicht wirklich. Die Vokale sind teilweise ein bisschen anders. Es sind Kleinigkeiten. Ein Chorsänger muss damit umgehen können. Aber Französisches wird nicht so oft gemacht. Das ist natürlich auch eine interessante Überlegung in Bezug auf Zukünftiges. Es gibt viele Oratorien in französischer Sprache, da wird viel zu wenig gemacht in Bielefeld. Auch im osteuropäischen Bereich lässt sich noch einiges entdecken.

Information

Hagen Enke

Der 1967 im Harz geborene Hagen Enke ist seit 2004 Chordirektor am Theater Bielefeld und für die Choreinstudierungen aller Produktionen des Musiktheaters verantwortlich.

Als Hartmut Sturm im Frühjahr dieses Jahres die Leitung des Bielefelder Oratorienchors abgab, wurde Hagen Enke sein Nachfolger. Vor seinem Engagement in Bielefeld war Enke sechs Jahre an der Komischen Oper Berlin tätig. Ebenso lang assistierte er an der Berliner Singakademie.

Erfahrungen mit Laienchören sammelte er bereits während seines Studiums in den Chor- und Orchesterdirigieren sowie Komposition an der Musikhochschule "Hanns Eisler" Berlin.

Seit 2010 lehrt Enke der Detmolder Musikhochschule. Er ist verheiratet mit der Sängerin Christín Enke-Mollnar und hat zwei Kinder.(groe)

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