Paderborner Theater: Nur einer bleibt

Bühnengenossenschaft kritisiert Entlassung fast des gesamten Ensembles / Neue Intendantin verteidigt sich

VON STEFAN BRAMS UND WOLFGANG STÜKEN
21.11.2012 | Stand 21.11.2012, 17:24 Uhr
Blick in den großen Saal des neuen Theaters, das im Jahr 2011 eröffnet wurde. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Blick in den großen Saal des neuen Theaters, das im Jahr 2011 eröffnet wurde. | © FOTO: REINHARD ROHLF
Paderborner Theater: 

Nur einer bleibt - © Kultur
Paderborner Theater:
Nur einer bleibt | © Kultur

Paderborn. Die Pläne der neuen Intendantin des Paderborner Theaters, fast das komplette Ensemble auszuwechseln, stoßen auf Kritik. "So radikal vorzugehen, das ist unglaublich und unverantwortlich", betont Adil Laraki, Vorsitzender des NRW-Landesverbandes der Genossenschaft der Deutschen Bühnen-Angehörigen im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.

Wie exklusiv berichtet, soll Katharina Kreuzhage, die 2013 die Intendanz der Kammerspiele Paderborn von Merula Steinhardt-Unseld übernehmen wird, 22 mit befristeten Verträgen beschäftigten Mitarbeitern die Kündigung zum Ende der laufenden Spielzeit ausgesprochen haben. Gehen müssen demnach zehn von elf Schauspielern, die Pressesprecherin, eine Dramaturgin sowie acht weitere Mitarbeiter aus dem künstlerisch-technischen Bereich.

Laraki, der zu mehreren Gesprächen mit den Betroffenen in Paderborn war, betont: "Eine neue Intendantin hat zwar das Recht mit ihrer Amtsübernahme ohne Gründe das künstlerische Personal auszuwechseln, aber gleich fast das ganze Personal auszutauschen und das an einem vergleichsweise kleinen Haus ist schon sehr ungewöhnlich." Ein solcher Fall wie jetzt in Paderborn sei ihm schon lange nicht mehr untergekommen. Lediglich in Köln habe es einen Vorgang von ähnlicher Dimension in der letzten Zeit gegeben. Unverständlich sei es auch, dass die neue Intendantin auch das künstlerisch-technische Personal entlassen habe.

"Ich bestreite nicht, dass dies für die Betroffenen hart ist."

Laraki kündigte an, alle Kündigungen genau überprüfen zu lassen und notfalls auch den Klageweg zu beschreiten, wenn sie formal nicht rechtens seien. Zudem appelliert er an die neue Intendantin, "ihre Haltung nochmals zu überdenken" und nennt ihr Vorgehen "menschlich falsch". "Das Theater versteht sich von seinem Auftrag her als moralische Instanz, handelt aber gegenüber den eigenen Mitarbeitern nicht moralisch, das ist sehr bedenklich", betont der Gewerkschafter.

In einer schriftlichen Stellungnahme hat die neue Intendantin gestern ihr Vorgehen verteidigt. "Dass von 62 Mitarbeitern eines Theaters bei einem Intendantenwechsel 13 Verträge nicht verlängert werden, ist im Vergleich mit anderen Theatern wenig", schreibt Kreuzhage, die betont, dass lediglich 13 der 20 Nicht-Verlängerungen von ihr selbst unmittelbar veranlasst worden seien.

Weiter schreibt sie: "Ich bestreite nicht, dass dies für die Betroffenen hart ist." Aber der Eindruck, sie plane Massenentlassungen sei falsch. Sie vernichte keine Arbeitsplätze, sondern besetze alle Stellen wieder mit neuen Mitarbeitern. Dass die Diskussion sie kränke, könne sie nicht verhehlen, betont Kreuzhage und betont, "dass sie auch in Paderborn das hohe Niveau des Theaters festigen und ausbauen wolle".

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