STERN DER WOCHE Veit Veltzke über die Ausstellung "Friedrich, der Große – Mensch und Monarch" in Minden

"Wie kein anderer König seiner Zeit"

Peter Stauder malte den Preußenkönig 1986 in lässiger Pose. - © FOTO: PREUSSENMUSEUM
Peter Stauder malte den Preußenkönig 1986 in lässiger Pose. | © FOTO: PREUSSENMUSEUM

Minden. Vor 300 Jahren wurde Friedrich, der Große geboren. Groß ist die Anzahl der Ausstellungen, in denen Preußens König gewürdigt wird. Mit von der Partie ist nun auch das Preußenmuseum in Minden, das sich unter dem Titel "Friedrich der Große – Mensch und Monarch" dem Regenten (1712 bis 1786) nähert. Stefan Brams sprach mit dem Leiter des Museums, Veit Veltzke, über die Mindener Schau, ihre Schwerpunkte, Friedrichs Totenmaske und was an Friedrich noch zeitgemäß ist.

Herr Veltzke, Sie stellen Friedrich, den Großen auf ihrem Ausstellungsplakat mit einer Kippe in der Hand als ziemlich coolen, heutigen Typen da. Warum dieses Bild?
VEIT VELTZKE:
Wir haben ganz bewusst keine Darstellung des 18. oder 19. Jahrhunderts ausgewählt, um so seine menschlichen Seiten unmittelbar hervortreten und den Besucher in ein Gespräch mit Friedrich eintreten zu lassen.

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Was hat er uns denn noch zu sagen?
VELTZKE:
Er steht zum Beispiel für Offenheit und Toleranz gegenüber unterschiedlichen geistigen Positionen. Er bot Gelehrten auch dann das Exil in Preußen an, wenn er ihre Positionen nicht teilte. Zudem war er der erste Monarch, der seine Leistung einzig danach beurteilt wissen wollte, was er für das Gemeinwohl getan hat und sein Amt nicht als gottgegeben ansah. In dieser Hinsicht war er sehr modern. Auch seine Modernisierung des Strafrechts und die Abschaffung barbarischer Strafen spricht für ihn und sein Konzept vom aufgeklärten Herrscher. In einem Brief an Voltaire schreibt er gar, bevor der Mensch frei denken könne, müsse er erst etwas zum Leben haben". Das klingt doch schon ein wenig nach Bertolt Brechts "Erst kommt das Fressen und dann die Moral".

Sie geben als Katalog einen Kalender heraus, in dem jeder Tag mit einem Zitat Friedrichs versehen ist. Finden sie es nicht gewagt, uns Heutige mit Zitaten eines Monarchen in den Tag zu schicken?
VELTZKE:
Nein, denn dieser Monarch war überraschend vielseitig, nie langweilig, auch witzig, mit einer geistigen Potenz wie kein anderer König seiner Zeit. Wir bringen aber auch Zitate, die seine Grenzen, Standesdenken und Massenverachtung, aufzeigen.

Es gibt derzeit zahlreiche große Friedrich-Ausstellungen. Sie wollen den Menschen und den Monarchen vorstellen. Was gibt es Neues über den Menschen Friedrich bei Ihnen?
VELTZKE:
Wir zeigen unter anderem, wie der schwere Vater-Sohn-Konflikt noch in seine Regentschaft hineinwirkt. Vor allem, dass er nach der gescheiterten Flucht seinen Freund und Komplizen Katte im Verhör an seinen Vater verriet und dieser dann zum Tode verurteilt wurde, hat ein schweres Trauma bei ihm hinterlassen. So geht seine spätere Anpassung an die von ihm vorher verabscheute Welt seines Vaters, in deren Zentrum Arbeit, Drill und Gehorsam standen, auch auf diesen Konflikt und dieses Trauma zurück.

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