Karl-Ehlers-Bronze im Bombenschutt entdeckt

Kunstreferentin des Landesverbandes zeichnet Weg der Skulptur "Frau mit Traube" nach

Die in Berlin entdeckte Ehlers-Skulptur. - © FOTO: LZ
Die in Berlin entdeckte Ehlers-Skulptur. | © FOTO: LZ

Detmold/Berlin (blu). In Berlin wurden 2010 bei archäologischen Grabungen 16 Skulpturen der Klassischen Moderne geborgen. Eine davon stammt von Karl Ehlers, der von 1948 bis zu seinem Tod 1973 in Detmold lebte. Mayarí Granados, Kunstreferentin beim Landesverband Lippe, wird die Bronze nun auf einem Symposium vorstellen.

Als der Fund bekannt wurde, erfuhren auch die Töchter von Karl Ehlers davon, die in Detmold lebenden Rikarda Schönlau und Beate Ehlers sowie Anke Ehlers, die in München lebt. Sie war es, die die Bronze "Frau mit Traube" ihrem Vater zuordnen konnte. "Dabei hat der Oeuvre-Katalog geholfen, in dem unsere Mutter alle Werke unseres Vaters dokumentiert und fotografiert hat", erzählt Rikarda Schönlau.

Aber wie ist die Bronze im Berliner "Untergrund" gelandet? Mayarí Granados – sie betreut als verantwortliche Kunsthistorikerin den umfangreichen Nachlass von Karl Ehlers mit Plastiken, Grafiken und Zeichnungen, der sich im Besitz des Landesverbandes befindet – hat den Weg des Kunstwerkes recherchiert. Die Arbeit von Ehlers gehört zu Kunstwerken, die im Rahmen der nationalsozialistischen Beschlagnahmeaktion "Entartete Kunst" den Museen entzogen wurden. Die "Frau mit Traube" wurde, das hat Mayarí Granados herausgefunden, 1933 im Lehmbruck-Museum in Duisburg beschlagnahmt.

Devisenbringend ins Ausland verkauft

Das NS-Regime hatte trotz seiner Verachtung für diese Kunst allerdings keine Probleme damit, die Bestände möglichst devisenbringend ins Ausland zu verkaufen. Dies gelang aber nur teilweise, viele Arbeiten blieben in Berlin erhalten. Ein Teil dieser Werke gelangte später in den Bestand verschiedener Kunsthändler und wurde so bewahrt. Die Übrigen lagerten, gemeinsam mit anderen noch nicht verwerteten Beständen der Beschlagnahmeaktion, in einem Keller des Reichspropagandaministeriums.

Bei dem Fund 2010 wurden sie unter einem Wohnhaus entdeckt, welches im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Im Bombenschutt hatten sie das Kriegsende und die folgenden Jahrzehnte überdauert.

Dazu gehört eben auch die Ehlers-Skulptur, die nun Teil einer Ausstellung des Berliner Neuen Museums ist und auf einem wissenschaftlichen Symposium präsentiert wird. Besonders spannend ist für die Kunstreferentin, dass sich im Besitz des Landesverbandes eine zugehörige Grafik "Frau mit Traube" von 1932 befindet. Der Nachlass von Karl Ehlers wird im Schloss Brake demnächst in einer neuen Präsentation gezeigt. Eröffnet wird sie am 27. März.

  • Das Symposium zum Berliner Skulpturenfund findet in Berlin am 15. und 16. März statt. Es ist öffentlich und kostenlos, bis 5. März können sich Interessierte anmelden. Infos: (030) 338 545 23. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. März zu sehen

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