Michael "Bully" Herbig über die Filmsatire "Zettl", Anstand und Humor

"Ob ich Macht habe, ist mir egal"

Michael "Bully" 

Herbig im Interview - © KULTUR
Michael "Bully"
Herbig im Interview | © KULTUR

Berlin. Eben erst ist der beliebte Komiker, Regisseur und Schauspieler Michael "Bully" Herbig ("Der Schuh des Manitu") aus Hollywood zurückgekehrt, wo er in der Komödie "The Incredible Burt Wonderstone" neben Steve Carell und Jim Carrey seinen Einstand gegeben hat. Hierzulande ist der 43-jährige ab Donnerstag in der Hauptrolle der neuen Helmut-Dietl-Satire "Zettl" zu erleben. Der Titelheld, ein Chauffeur der Reichen und Schönen Berlins, avanciert zum Chefredakteur eines Enthüllungs-Magazins. André Wesche sprach mit Bully Herbig über den Film, seine Bewunderung für Regisseur Helmut Dietl und sein Hollywood-Debüt.

Herr Herbig, gestaltet sich die politische Realität derzeit nicht noch grotesker, als die Fiktion in "Zettl" zeigt?
BULLY HERBIG: Ganz ehrlich? Wenn mir jemand ein Drehbuch mit dieser Wulff-Geschichte auf den Tisch gelegt hätte, die wir gerade erleben, hätte ich gefragt, was er denn mit dem langweiligen Kram will. Wen soll das interessieren? Ich finde es erstaunlich, wie lange man sich mit so etwas beschäftigen kann. Ich finde das, was bei "Zettl" stattfindet, wesentlich spannender. Ich habe die Theorie, dass es in den letzten Jahrzehnten immer schon so war. Es hat nur keiner mitbekommen.

Michael "Bully" Herbig - © FOTO: DPA
Michael "Bully" Herbig | © FOTO: DPA

Wie groß ist die Schnittmenge von Fiktion und Realität im Film?
HERBIG: Ich kann es nicht sagen. Ich kenne weder die Berliner noch die Münchner Szene. Ich wollte bei einem Helmut-Dietl-Film dabei sein und ich habe gespielt, was im Drehbuch steht. Ich hätte für Dietl alles gespielt.

Was ist das Besondere an ihm?
HERBIG: Ich bin mit "Kir Royal" und "Monaco Franze" aufgewachsen. "Schtonk!" ist einer meiner größten Favoriten aller Zeiten. In Deutschland gibt es nur wenige Filmemacher vom Kaliber eines Helmut Dietl. Im Grunde genommen geht es mir immer darum, mit 70 auf einer Parkbank zu sitzen und sagen zu können: "Ja, mit dem habe ich auch gedreht!"

Sie beide sind Regisseure, die mit Humor arbeiten. Wie unterscheidet sich dieser Humor?
HERBIG: Humor kann man schwer definieren. In Deutschland unterscheidet man gern zwischen Satire, Kabarett, Comedy oder Stand-Up. Das gibt es in Amerika gar nicht, dort gibt es Comedy. Entweder man lacht oder man lacht nicht. Ich finde es auch immer schön, wenn Journalisten sagen, sie haben sich "unter ihrem Niveau amüsiert". Ich weiß nicht, was das für eine Aussage ist. Habe ich mich amüsiert oder nicht?

Zettl ist ein Sympathieträger.
HERBIG: Das wollte Helmut Dietl immer, es ist sozusagen eine Regie-Anweisung. Er wollte diese neue Generation der Moral personifizieren. Da ist jemand, der ist unmoralisch, er merkt es aber nicht. Er findet es normal, anders als es vielleicht in den 80-ern gewesen wäre.

Würden Sie sich als politischer Mensch bezeichnen?
HERBIG: Ich halte mich mit Aussagen zurück. Ich freue mich, wenn ich die Menschen unterhalten kann. Wenn ich ein ausgeprägter politischer Mensch wäre, dann wäre ich wahrscheinlich in die Politik gegangen. Ich finde, dass Unterhalter in der Politik genau so wenig verloren haben wie Politiker in der Unterhaltung. Wenn sich jemand für die Politik entschieden hat, soll er es anständig machen. Ich versuche, ein anständiger Unterhalter zu sein.

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