Politikerin Claudia Roth, der Autor Feridun Zaimoglu, Festivalleiter Albert Ostermaier, Schauspieler Dominique Horwitz, Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff , Komponist Konrad Boehmer und Schirmherr Frank-Walter Steinmeier. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Politikerin Claudia Roth, der Autor Feridun Zaimoglu, Festivalleiter Albert Ostermaier, Schauspieler Dominique Horwitz, Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff , Komponist Konrad Boehmer und Schirmherr Frank-Walter Steinmeier. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bad Driburger Aufbruch in die Romantik

Das READ Festival will Klischees sprengen

VON CHRISTINE LONGÈRE

Bad Driburg. Bunt gemischt war die "romantische Gesellschaft", die sich gestern Abend in Bad Driburg versammelte. Auf Einladung der Vorsitzenden der Diotima-Gesellschaft, Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff, kamen Autoren, Schauspieler, Musiker und Komponisten, Filmkünstler, Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler zur Eröffnung des READ Festivals in den Gräflichen Park.

Grünen-Politikerin Claudia Roth bewies großes rezitatorisches Talent mit einem Text von Brentano, der niederländische Komponist Konrad Boehmer interpretierte am Flügel Schubert, Autor Feridun Zaimoglu referierte über Romantik heute, und Schauspieler Dominique Horwitz las aus Werken des großen deutschen Romantikers Novalis.

Noch bis Sonntagabend sollen Uraufführungen die Besucher des Festivals dazu verführen, verwandelte Orte und neue Sichtweisen zu entdecken.

Texte und Kompositionen, Filme und Installationen wollen Festivalleiter Albert Ostermaier und Regisseur Christopher Roth zu einem "einzigartigen Gesamtkunstwerk" verbinden. Rund 200 Gäste feierten den Aufbruch in eine Zukunft unter dem Motto von Novalis: "Die Welt muss romantisiert werden!"

Die READ-Reise an diesem Samstag und Sonntag, jeweils ab 17 Uhr, führt durch den Gräflichen Park an Orte mit hintergründiger Atmosphäre wie die Mooraufbereitungsanlage oder das Stahlbadehaus. Beteiligt sind Künstler wie Matthias Brandt, das Detmolder Ensemble Horizonte, Stefan Gabányi, Jeanne Tremsal und viele andere.

Bei der READ Party Samstag ab 21.30 Uhr sorgen zwei DJs für elektronische Musik. Gelegenheit und zum Austausch bietet die Romantische Tafel am Sonntag ab 14 Uhr, wenn Künstler des Festivals die Runde mit Lesungen, Szenen und Gesprächen unterhalten. Ostermaier hat sich vorgenommen, Klischees von Romantik zu sprengen und "die Gegenwärtigkeit der Auseinandersetzung in ihrer Vielfalt" sichtbar zu machen.

Das habe auch mit der romantischen Idee des Fragments zu tun: "Viele Dinge sind im Entstehen." READ sei nichts Statisches, sondern "etwas, das sich permanent verändern wird". Ein "Festival in progress". Wichtig ist Ostermaier, "Literatur nicht wie eine Messe zu zelebrieren". Er möchte zeigen, "dass die Texte etwas mit uns zu tun haben".

"Überraschend gut" gelungen waren nach dem Urteil Ostermaiers die Texte, die Jugendliche am Nachmittag, vor der offiziellen Eröffnung, beim Poetry Slam der Schüler präsentierten. "Wenn READ dazu beiträgt, dass Literatur gelesen und geschaffen wird, haben wir etwas Wesentliches erreicht", sagte der Festivalleiter.

Nach Ankündigung von Gräfin Oeynhausen wird es eine Fortsetzung geben. Ihr gehe es nicht um ein "einmaliges Feuerwerk", das aufflammt und verpufft.

Vielmehr möchte sie deutlich machen, dass das Thema Romantik "in der heutigen Zeit viele aktuelle Aspekte hat".

Copyright © Neue Westfälische 2019
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group