Claudia El-Sauaf-Harmuth (v. l.), Bernd Schlipköther und Gabriele Fröhler mit Notizen zu Otto von Wall. - © FOTO: NICO BUCHOLZ
Claudia El-Sauaf-Harmuth (v. l.), Bernd Schlipköther und Gabriele Fröhler mit Notizen zu Otto von Wall. | © FOTO: NICO BUCHOLZ

Bielefelder erforscht die Geschichte des Mindener Bischofs Otto von Wall

Bernd Schlipköther und der Aufsteiger des Mittelalters

Bielefeld (nibu). Aus bescheidenen Verhältnissen arbeitete er sich hoch bis zum Bischofsamt des Stiftes Minden. Die Lebensgeschichte Otto von Walls (geb. 1215) fasziniert den Bielefelder Bernd Schlipköther. Der Galerist und studierte Historiker hat sich über Jahre mit ihm beschäftigt. Einen Teil seiner Erkenntnisse gibt er an diesem Sonntag um 16 Uhr bei einer Lese-Inszenierung in der Kirche St. Jodokus in Bielefeld preis.

Eine rein geschichtswissenschaftliche Abhandlung dürfe man nicht erwarten, sagt Schlipköther. "Mich interessiert nicht die vergangene Größe von Otto von Wall. Mich interessieren Fragen wie: Was ist Willensfreiheit? Was sind Glaube und Vernunft?" Die Figur des späteren Bischofs von Minden eigne sich hervorragend für diese Betrachtungen. "Er ist ein sozialer Aufsteiger, typisch für den damaligen Zeitgeist."

Sein Interesse an der Figur weckte 1998 eine Zeichnung von Ottos Grabplatte. Das Grabbildnis wird heute in der französischen Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt. Danach wertete Bernd Schlipköther Quellen aus, studierte die Mindener Bischofschroniken, die Mitteilungen des Dominikanerordens sowie zahlreiche Urkunden im Kommunalarchiv Minden und im Staatsarchiv Münster.

Sohn einer bescheidenen Familie

"Die historischen Fakten bilden das Skelett in meinem Manuskript, das Fleisch sind fiktive Elemente, die dem Zeitgeist entsprechen." Schlipköther bedient sich, statt nackte Daten aneinander zu reihen, einer literarischen Geschichtsschreibung. "In den Quellen steht beispielsweise, dass Otto in Stendal als Sohn einer bescheidenen Familie geboren ist. Ich lasse ihn in meiner Geschichte den Sohn eines Stadtrichters sein." So ergänzt Schlipköther die Geschichte des Aufsteigers, ohne historische Gegebenheiten außer Acht zu lassen.

Der Aufstieg Otto von Walls ist erstaunlich. Am Hof des Brandenburgischen Markgrafen macht er in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts Karriere und wird Heerführer. Seine Laufbahn als Soldat beendet er, als seine Frau im Kindbett stirbt. "Er war untröstlich – wie die Quellen berichten", sagt Schlipköther. Statt sich eine neue Frau zu suchen, wie damals üblich, schließt Otto sich dem Bettelmönchsorden der Dominikaner an. Er studiert in Paris unter anderem bei Thomas von Aquin und Albert dem Großen und promoviert.

1254 wird er Dominikanerprior für ein neues Kloster. Von dort beruft ihn der Papst als hohen Kanzleibeamten an die Kurie in Viterbo. 1267 wird Otto von Wall zum Regenten des Stifts Minden. Als Bischof muss er sich um profane Dinge kümmern – für kirchliche Fragen bleibt kein Raum. Bei diesen profanen Dingen kommt ihm seine Vergangenheit als Heerführer zugute. Er übersteht Konflikte, lässt eine feste Weserbrücke errichten, die Stadtmauer ausbauen und sorgt für den Baubeginn des Langhauses am Dom.

Die Begeisterung des Forschers und ihre Folgen

Otto von Wall stirbt nach dem Besuch des Vatikanischen Konzils 1274 in Lyon. Er wird in einer Kapelle in Dijon begraben, von wo auch das Abbild seiner Grabplatte stammt, die Bernd Schlipköther auf die Spur des Bischofs brachte.

Organisiert wird die Veranstaltung, die vom Land NRW im Rahmen der regionalen Kulturförderung unterstützt wird, in Zusammenarbeit mit dem Castalia-Literatur-Kontor Bielefeld. Schlipköther habe bei der ersten Begegnung Begeisterung ausgelöst, als er von seinen Recherchen erzählte. "Wir haben ihn dazu gebracht, die Vorträge zu halten, bevor er seine Erkenntnisse in einem Buch zusammenfasst", sagt Claudia El-Sauaf-Harmuth vom Literatur-Kontor. Am Sonntag wird Bernd Schlipköther unterstützt vom Vokalkreis St. Jodokus. Unter der Leitung von Georg Gusia gestaltet die Gruppe mit Chormusik vom Barock bis zur Romantik gesangliche Zwischenspiele während des Vortrages. Zudem bekommen die Zuschauer Projektionen zu dem Thema zu sehen.

  • Neben der Bielefelder gibt es weitere Aufführungen im Schloss Petershagen am Sonntag, 12. Februar, um 17 Uhr sowie im Mindener Dom, Sonntag, 26. Februar, um 16 Uhr.

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