BIELEFELD Streit um "Zuhälter-Rapper" Kollegah heizt Kartenverkauf an

Bielefelder Kamp eventuell zu klein

VON CARMEN PFÖRTNER
Streit um Kollegah

heizt Kartenverkauf an - © KULTUR
Streit um Kollegah
heizt Kartenverkauf an | © KULTUR

Bielefeld. Wird Kollegah im Bielefelder Kamp auftreten? Diese Frage umtreibt nicht mehr nur die Programmmacher des Kulturkombinats Kamp und die studentischen Initiativen, die in einem offenen Brief die Absage des Konzerts gefordert haben (wir berichteten am Mittwoch). Mittlerweile beschäftigen sich mit dem "Zuhälter-Rapper" auch das Jugendamt, der Kinder- und Jugendverband "Die Falken" und mehr als 1.000 NW-Leser, die diskutiert und abgestimmt haben.

"Das Problem erübrigt sich gerade von selbst", sagt Cayan Cankatli, Programmverantwortlicher des Kulturkombinats Kamp. Denn die Nachfrage nach Karten für das umstrittene Konzert sei derart in die Höhe geschossen, dass die Show eventuell in einer größeren Lokalität stattfinden müsse. "Der Druck auf uns ist derart gestiegen, dass es verschiedene Überlegungen gibt, um allen Seiten gerecht zu werden", sagt Cankatli.

Das wäre zumindest für den Kinder- und Jugendverband Die Falken eine annehmbare Lösung. Denn räumlich gibt es durchaus Überschneidungen zwischen der Kinder- und Jugendarbeit der Falken und dem Kulturkombinat. "Wir stehen dem Konzert sehr kritisch gegenüber", sagt Ulrich Gödde, Geschäftsführer der Falken. Zwar sei Jugendkulturarbeit häufig polarisierend, "wir befürworten die Texte von Kollegah aber nicht."

Damit sie nicht in Berührung mit dem Rapper kommen

Falls das Konzert am 16. Dezember in den Räumen des Kamp stattfinden sollte, werde das Team überlegen, während der Vorbereitungen das Haus zu verlassen. "Damit die Jugendlichen nicht in Berührung mit dem Rapper kommen", so Gödde. Cayan Cankatli kann darüber nur schmunzeln: "Die Jugendlichen von nebenan hören diese Musik und haben sich schon Karten gesichert."

Der "Gangster"-Rapper Kollegah vorm JZ Kamp. - © FOTO: ANDREAS ZOBE/GESTALTUNG: KATHRIN BRINKMANN
Der "Gangster"-Rapper Kollegah vorm JZ Kamp. | © FOTO: ANDREAS ZOBE/GESTALTUNG: KATHRIN BRINKMANN

Auch das Jugendamt habe sich am vergangenen Montag mit dem Kamp in Verbindung gesetzt und ein Absagen des Konzertes gefordert. "In einem Haus, welches offene Kinder- und Jugendarbeit fördert, darf diese Art von Musik nicht aufgeführt werden", sagt Michael Wendt, stellvertretender Leiter des Jugendamtes. Auch wenn die Texte des Rappers Kollegah auf keinem Index stünden, appelliere er an das Kamp-Team, das Konzert abzusagen.

Denn das Kulturkombinat Kamp, das als eigenständiger Verein agiert, hat eine Raum-Nutzungsvereinbarung mit dem Kinder- und Jugendverband Die Falken geschlossen. Die Falken wiederum werden als Jugendhilfeträger von der Stadt Bielefeld finanziell unterstützt – dementsprechend sind auch die Räume des Kamp subventioniert. "Das ist aber eine grundsätzliche Haltung gegen eine solche Musik – egal, in welchen Räumen das Konzert stattfindet", betont Wendt vom Jugendamt.

Ein heikles Thema, das besonders junge Leute in Bielefeld interessiert.. Von "Zeitverschwendung" ob einer solchen Diskussion sprechen die einen auf nw-news.de. Für viele gehört Kollegah allerdings zur musikalischen Vielfalt des HipHop und "Gangsta"-Rap zum "Bestandteil der zeitgenössischen Jugendkultur", schreibt ein Kommentator.

Sexistische und gewaltbereite Tendenzen

Kollegah, der mit bürgerlichem Namen Felix Blume heißt, bezeichnet seinen Musik-Stil selbst als "Zuhälter-Rap". Die Inhalte seiner mittlerweile neun Alben haben deutliche sexistische, gewaltbereite, diskriminierende und frauenverachtende Tendenzen. Fans sehen darin "Satire", andere nur "stumpfes Ghetto-Geprotze".

Anders als vieler seiner Rapper-Kollegen wie Favorite oder Casper, mit denen Kollegah schon zusammen gearbeitet hat, ist seine Wortwahl deutlicher, extremer und tabuisierter.

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