"Jede Tafel erzählt eine Geschichte", sagt der Künstler Andreas Kopp. - © FOTO: REINHARD ROHLF
"Jede Tafel erzählt eine Geschichte", sagt der Künstler Andreas Kopp. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Ausstellung "Sättigung" zeigt Installation des Paderborner Künstlers Andreas Kopp

VON WOLFGANG STÜKEN

Paderborn. Als Andreas Kopp seine Installation in Angriff nahm, war keine Rede von Bankenkrise, Schuldenschnitten oder Rettungsschirmen, und auch an die Anti-Banken-Bewegung "Occupy Wall Street", deren weltweiten Protest er "sehr verständlich" findet, war noch nicht zu denken.

Es war der Zusammenbruch einer einzelnen Bank, der Barings Bank, ausgelöst durch riskante Spekulationen des Terminhändlers Nick Leeson, der den Paderborner Künstler im Jahre 2005 zu seinem Werk "Dem unbekannten Broker" inspirierte.

Eine private Züricher Kunsthalle ermöglichte Kopp zwei Jahre später, diese Arbeit auf einer 27 Meter breiten Wandfläche zu realisieren. Er malte seine Blicke auf die Welt der Banken auf 847 Blechtafeln, jede 20 mal 30 Zentimeter groß. "Jede Tafel erzählt eine Geschichte", sagt Kopp. Die Welt der Kunst und die Welt der Broker seien sich "nicht fern", meint der 51-Jährige. "In beiden Welten werden künstliche Werte geschaffen." Und manche dieser Werte, so fügt er nachdenklich hinzu, seien "doch nichts anderes als Behauptungen".

Motive mit Blattgold überzeugen

Grundieren, mehrfach lackieren – in jeder Platte stecken bis zu neun Arbeitsgänge. Zu den letzten Arbeitsschritten gehört ein "Verletzen" der Oberfläche – durch Ritzen oder Kratzen. Dann bringt Kopp die Verletzungen zum Rosten. Motive mit Bildschirmen, Tastaturen und Börsenkursanzeigern stechen hervor. Kopp hat sie mit Blattgold überzogen. Dieser Effekt und die Anordnung der Tafeln erwecken den Eindruck, als lege sich ein großes Jugendstil-Ornament über die gesamte Installation. Vereinzelte Leerräume oder dumpfe Bleiplatten anstelle von Bildmotiven brechen die Opulenz der Arbeit.

Aus der Züricher Kunsthalle wechselte ein Teil der Installation auf die dortige Kunstmesse. Nächste Station der Arbeit war gewissermaßen "die Höhle des Löwen" – der Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Trotz Kopps eher kritischem Blicks auf das Börsengeschehen – der Bankenverband entschloss sich, etwa die Hälfte der Installation für sein Domizil in der Hauptstadt zu erwerben. Die Beschränkung erfolgte aus Platzgründen.

Aus den ihm verbliebenen Teilen der Arbeit, die angesichts des Ausmaßes der Finanzkrise beinahe prophetisch wirkt, gestaltete Kopp mit mehr als 200 Tafeln eine kleinere Installation. Sein "Broker" ist nun erstmals in Ostwestfalen-Lippe zu sehen – im Rahmen der Einzelausstellung "Sättigung", die der Paderborner Kunstverein Andreas Kopp widmet. "Es war richtig, das Thema so umfangreich umzusetzen", sagt Kopp angesichts der Aktualität des Themas Finanzkrise.

Ausstellungen in Amsterdam

Kopp, gerade an mehreren Kunstwettbewerben beteiligt, wird im nächsten Jahr mit mehreren Arbeiten auf einem Kunstfestival in Prag vertreten sein. Und gleich zweimal bekommt der Paderborner Gelegenheit, Kunstausstellungen seiner Heimatstadt Amsterdam zu beschicken. "Das wird", so sagt er, "eine ganz neue Annäherung an diese Stadt".

Zufall? Sowohl Prag als auch Amsterdam sind Börsenplätze – und damit das Parkett, auf dem sich viele Broker tummeln. Auch unbekannte.

  • Die Broker-Installation und 15 weitere Arbeiten Kopps sind bis zum 2. November in den Räumen des Vereins in der Städtischen Galerie, Am Abdinghof, zu sehen (dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr).

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