Die lyrische Leidenschaft der Verlerin Franziska Röchter

Lyrikerin liebt die Bühne

VON MARIA FRICKENSTEIN
Die Lyrikerin Franziska Röchter. - © FOTO: C/O RÖCHTER
Die Lyrikerin Franziska Röchter. | © FOTO: C/O RÖCHTER

Verl. In Niedersachsen kam sie zur Welt, wurde heimisch im ost-westfälischen Verl und schreibt seit 2008 Gedichte, absurde, kritische, erotische. Auf die Bühne zieht es Franziska Röchter zur lustvollen Rezitation oder zum Wettstreit nach Art der Slam-Poeten. Im Frühjahr gewann sie den bayrischen Lyrikpreis "Hochstadter Stier".

"Der Wiener Großvater hat gemalt, Most und Likör gebraut und zu Ufa-Zeiten Kinowerbung gemacht", sagt Franziska Röchter. Wienerisch sprach auch sie die ersten vier Jahre ihres Lebens, liebte das Fabulieren und schrieb ihr erstes Gedicht noch heimlich, mit 16, per Hand ins Schulheft.

Von der pubertären Schüchternheit ist, dem Dichtergott sei es gedankt, nichts geblieben. Anglistik studierte sie, ein Jahr davon im englischen Nottingham, man denke an Robin Hood. Sie las Gedichte von Keats, Yeats, Shakespeare. Eine Familie gründete sie, hat nun Zeit und schreibt, alles andere jedoch als für die legendäre Schublade.

Die Illustration von Adam Grimann stammt aus dem Buch "Haben Sie Komfortstatus?". - © REPRO: FRICKENSTEIN
Die Illustration von Adam Grimann stammt aus dem Buch "Haben Sie Komfortstatus?". | © REPRO: FRICKENSTEIN

Keine Angst vor Fettnäpfchen

Sie genießt die Performance, das frei rezitierte Gedicht, den direkten Blick ins Publikum. Bei "Tantra" spricht und begibt sie sich in Yoga-Posen, und auch beim Wettbewerb "Hochstadter Stier" mischt sich Selbstironie zwischen die Wörter. Genüsslich rezitiert sie in "Natur": "die fassade tünch ich mir nett / jugendlich / bunt / rosig / frisch / meine aura / i-ging / mein chi / vom back- zum stock- aber fisch / jetzt kugel- / in reinsymmetrie."

Röchters Gedichte sind zum Lautlesen gedacht oder zum Hören. Dann stellt sich der Rhythmus ein, der süffisante Funke. "Der Dichter und seine Stimme, beides gehört zusammen", so die Lyrikerin. Sie sieht die atmende Natur und lädt die Wörter erotisch auf. Wie in "Phantasmorgia". Darin erlebt sich das lyrische Ich als Gartenhaus, in dem die Flora wächst, die Sommerblumen "weder leicht gedüngt noch scharf geschnitten" werden. Als Mutter Erde im "Erdenmantel" erzählt es von der "Urzeitflora", in der pralle Blüten gedeihen. Aufgeladen ist auch die Alltagswelt wie der Jahrmarkt, wo jede Leckerei sich als sinnliche Stimulans erweist. Ein "Mondenmann" erfüllt in "Fledermausnacht" das Verlangen. Bis es jedoch so weit ist, muss das verträumte Ich noch sieben Käuze fangen.

Information
Die Bücher       

  • hummeln im hintern. Verlag Steinmeier, 2009, 62 S., 12,80 Euro.
  • Trete ein in Wundergärten. Verlag Pia Bächtold, 2009, 183 S., 17,50 Euro.
  • Haben Sie Komfortstatus? Wunderwaldverlag, mit Illustrationen von Adam Grimann, 2011, 198 S., 12,90 Euro.
  • Nacht der Hunde. Poesie-CD mit Klängen von Bernd Wohlfahrt. Wunderwaldverlag, 2011, 12,90 Euro.
  • Chili für die Venus. Wunderwaldverlag, Broschüre mit Illustrationen von Günther Specht, 2011, 4,90 Euro.(maf)

"Ich möchte eine Stimme sein, für die, die sich nicht ausdrücken können." Franziska Röchter bezieht Stellung, beim Thema Fleisch, Konsum, Müll und Tod, erinnert an "Das kleine Mädchen K.", das die Polizei tot unter Zweigen fand. Fettnäpfchen, davor hat die Dichterin keine Angst. Das Schreiben treibt sie an, gibt Impulse und dabei nimmt sie sich selbst nicht so ernst. Für ihre Dichtkunst ist die Lyrikerin enorm aktiv. In Anthologien finden ihre Gedichte einen Platz, so in der bayrischen Zeitschrift Das Gedicht, im "Deutschen Lyrikkalender" und im OWL-Literaturmagazin Tentakel.

Illustrationen als Gegenüber

Röchter beteiligt sich an Wettbewerben, organisiert selbst Literaturreihen, ist Mitherausgeberin, rezitiert auf der Buchmesse, gewinnt Preise, auch kuriose, wie den Preis eines Beerdigungsunternehmens für das Gedicht "so stell ich mir den tod vor". Gern nimmt sie andere ins Boot, so den Gütersloher Illustrator Günther Specht bei "Chili für die Venus". "Das Manuskript für den Gedichtband hatte ich schon im Kopf, als ich Adam Grimann traf", erzählt Röchter. Glücklich ist sie über die tragikomischen Illustrationen des Herforder Künstlers, die ihren Versen ein dialogisches Gegenüber bieten. Begeistert ist sie so sehr, dass sie seine Bilder mit dem Auto spazieren fährt, als Werbung für ihre CD. "Schreiben füllt den ganzen Tag", sagt die temperamentvolle Lyrikerin und meint das genau so. Zu guter Schluss verrät sie noch ihr Lieblingsgedicht "im spiegel", wo es heißt: die welt ist neblig angelaufen / beschlagen alle spiegel / doch brechend aus dem scherbenhaufen / erwachsen einhornflügel."

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