Casper: "Kaputtmachen, um aufzubauen"

INTERVIEW: Der Bielefelder Rapper über sein neues Album und eine verlorene Jugend

Casper: "Kaputtmachen, um aufzubauen" - © KULTUR
Casper: "Kaputtmachen, um aufzubauen" | © KULTUR

Bielefeld/Berlin. Die Rivalen nahmen ihn nicht ernst: Ein Rapper, der enge Jeans und Karo-Hemden trägt, der über Verletzlichkeit und Suizidgedanken spricht? Als "Emo" wurde Benjamin Griffey alias "Casper" von anderen Hip-Hop-Künstlern verspottet, als Schwächling in einer Welt der harten Jungs. Doch sein neues Album "XOXO" ließ in den Vorbestellungen selbst Größen wie Herbert Grönemeyer hinter sich. Samuel Acker sprach mit dem 28-jährigen Bielefelder über weiße Wölfe, eine perspektivlose Jugend und Arminias Abstieg.

Casper, Ihr Plattenlabel stellt Sie vor als "Außenseiter in einer Szene voller Prolls". Trifft’s das?
CASPER: Das ist natürlich etwas überspitzt, aber im Kern stimmt es. Ich hatte nicht die gängigen Klamotten oder Themen, war lange ein Exot. Als ich meine ersten Songs rausgebracht habe, war der Rap dabei, sich in Plattitüden zu verrennen. Wer hat mehr Geld, das größere Auto . . . Es war mir wichtig, einen Impuls in die andere Richtung zu setzen.

Information

Kindheit im Extertal

  • Geboren wird Benjamin Griffey alias Casper am 25. September 1982 in Bösingfeld/Extertal (Kreis Lippe).
  • Die Familie zieht nach Augusta im US-Bundesstaat Georgia. Als Casper 11 ist trennen sich die Eltern, er zieht zurück ins Extertal.
  • Nach seinem Abitur studiert er Pädagogik an der Universität Bielefeld, bricht sein Studium aber ab und arbeitete als Barkeeper.
  • Nach 2004 wendet er sich Metal und Punk zu, seit 2006 wieder Rap.
  • 2008: erstes Album "Hin zur Sonne". Nach drei Jahren, in denen er fast ununterbrochen auf Tour ist, 2011 das neue Album . (asa)

Benjamin Griffey alias Casper sieht eher wie ein Indie-Rocker denn ein Hip-Hopper aus. Seine Musik verbindet denn auch Sprechgesang mit Gitarrenriffs. - © FOTO: ANDREAS JANETSCHKO
Benjamin Griffey alias Casper sieht eher wie ein Indie-Rocker denn ein Hip-Hopper aus. Seine Musik verbindet denn auch Sprechgesang mit Gitarrenriffs. | © FOTO: ANDREAS JANETSCHKO

Liebeskummer oder Depressionen sind immer noch kein gängiges Rap-Thema. Wie sehen Sie Ihre Akzeptanz heute?
CASPER: Meine Musik polarisiert, und das finde ich gut. Es gibt genug Leute, die meine Lieder hassen und mich am liebsten von der Bühne schlagen würden. Aber es gibt eben auch viele Menschen, die meine Songs lieben.

Was bedeutet es Ihnen, bei den Album-Vorbestellungen Ikonen wie Grönemeyer hinter sich zu lassen?
CASPER: Was gerade passiert, ist der Wahnsinn. Soviel Aufmerksamkeit habe ich noch nie bekommen. Das schmeichelt mir natürlich ungemein. Aber wirklich entscheidend ist, wie die Fans das Album aufnehmen werden.

Wofür steht der Albumtitel "XOXO", und was hat der weiße Wolf auf dem Cover zu bedeuten?
CASPER: "XOXO" steht in Briefen und E-Mails für "Küsse und Umarmungen". Für mich ist es quasi eine Abschiedsformel, weil ich mich von alten Schemen lossage. Der weiße Wolf steht für eine gewisse Zwiespältigkeit: Er lebt im Rudel, steht aber doch irgendwie alleine da.

Instrumental gibt es vor allem Gitarren und ein Synthie-Klavier, der Sound erinnert eher an Indierock von Muse oder The Killers als an "klassische" Rap-Songs.
CASPER: Privat höre ich wenig Rap. Da ich im Rock verwurzelt bin, macht es für mich keinen Sinn, plötzlich Soul- oder Funk-Elemente zu verwenden.

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