Lena Meyer-Landrut in der Fernsehshow "Unser Song für Deutschland". - © FOTO: DPA
Lena Meyer-Landrut in der Fernsehshow "Unser Song für Deutschland". | © FOTO: DPA

Lenas neues Album offenbart Schwächen

Zweiter Longplayer "Good News" funktioniert nur live und auf der Bühne

VON TILMANN P. GANGLOFF

Bielefeld. Ihre erste CD nach ihrem Erfolg in Oslo war sowohl stimmlich und musikalisch eine Enttäuschung; vermutlich auch, weil sie allzu schnell auf den Markt gebracht werden musste. Nun legen Lena Meyer-Landrut und ihr produzierender Mentor Stefan Raab das zweite Album vor.

"Good News" (Universal) belegt erneut, was schon bei Lenas Debüt "My Cassette Player" deutlich wurde: Das Medium ist die Botschaft; und das ist in diesem Fall die Künstlerin. Raab selbst hat das bei der Vorstellung der ersten sechs Lieder ungewollt erklärt, als er in "Unser Song für Deutschland" dazu aufforderte, die Darbietung als "Synthese von Lena und dem Song" zu betrachten.

Philosophisch betrachtet ist eine Synthese das Ergebnis der Konfrontation von These und Antithese. In diesem Fall wäre die Musik die These und Lena, ausdrücklich keine ausgebildete Sängerin, die Antithese. Die Synthese funktioniert auf der Bühne und im Fernsehen, weil Lena fehlendes Gesangstalent mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Charme und ihrer erfrischenden Art ausgleicht. Reduziert auf die Akustik wirkt das Paket allerdings längst nicht mehr so überzeugend. Gerade Balladen wie das Titelstück "Good News" bräuchten viel mehr Stimme. Auch ein Liebeslied wie "I Like You" verliert ohne die physische Präsenz enorm an Wirkung. Natürlich kennt Raab Lenas Grenzen besser als jeder andere.

Album gewinnt durch mehrfaches Hören

Die Stücke, die die beiden gemeinsam ausgewählt haben, sind keine Überforderung; trotzdem genügt sie mitunter einfach nicht. Das Big-Band-Lied "That Again" zum Beispiel ist zwar großartig arrangiert, aber im Grunde viel zu wuchtig für die Sängerin. Auch "A Million And One" wirkt, als sei es für Lena eine Nummer zu groß.

Andererseits ist es durchaus ein Qualitätsmerkmal, wenn ein Album durch mehrfaches Hören gewinnt. Davon profitieren gerade Lieder wie "Taken By A Stranger", die eine eingängige Melodie mit vielen überraschenden kleinen Elementen verschmelzen. Im Kontext der CD, aber auch im Vergleich zu "My Cassette Player" ist das Stück fast schon experimentell, zumal es auch eine andere Seite von Lena präsentiert.
Bei allem Respekt vor der Leistung Stefan Raabs und seinem Gespür: Einige Songs ("At All", "Teenage Girls") klingen schlicht beliebig. Immerhin, das schwungvolle "What Happened To Me", mit Raabs Hilfe von Lena selbst geschrieben, ist ein echter Ohrwurm.

  • Lena Meyer-Landrut: "Good News", CD, Universal.

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