Barth gegen Kalkofe: Zoff der Comedy-Stars

Ärger über einen 20 Jahre alten schlüpfrigen Spruch

VON JÜRGEN JUCHTMANN
31.01.2011 | Stand 31.01.2011, 17:44 Uhr
Barth gegen Kalkofe: Zoff der Comedy-Stars - © KULTUR
Barth gegen Kalkofe: Zoff der Comedy-Stars | © KULTUR

Hannover/Hamburg. Mario Barth ist nicht zimperlich. Das gilt, wenn es um seine häufig unter die Gürtellinie zielenden Witze geht; das gilt aber offenbar erst recht im Geschäftsleben. Der 38-jährige Comedy-Star steht im Mittelpunkt einer Geschichte, in der es um angeblichen Ideenklau und um viel Geld aus dem Verkauf von Fanartikeln geht.

Barth, dessen Anhänger bei seinen Auftritten Hallen und Fußballstadien füllen, soll den Spruch "Nichts reimt sich auf Uschi" geklaut haben. Ruchbar wurde dies, weil der Comedian eine Anwaltskanzlei aus Köln damit beauftragte, gegen einen T-Shirt-Produzenten vorzugehen, der Hemden mit dem Zitat druckt. Der Abmahnung ist eine strafbewehrte Unterlassungserklärung angefügt, in der sich der T-Shirt-Drucker verpflichten soll, den Text nicht mehr für den Vertrieb der Hemden zu nutzen. Entsprechend einem im juristischen Jargon so genannten "Gegenstandswert" von 100.000 Euro schicken die Anwälte gleich eine Kostenrechnung in Höhe von 1.780,20 Euro mit.

Oliver Kalkofe (l.) und Dietmar Wischmeyer sind wegen des Spruchs über Uschi sauer auf den Komiker Mario Barth. - © FOTO:FSR
Oliver Kalkofe (l.) und Dietmar Wischmeyer sind wegen des Spruchs über Uschi sauer auf den Komiker Mario Barth. | © FOTO:FSR

Der Münchner Markenrechtsexperte Dennis Breuer, Rechtsbeistand des T-Shirt-Druckers, stellte fest, dass Barth am 3. Dezember 2010 beim Deutschen Patent- und Markenamt beantragt hatte, den schlüpfrigen Spruch als sogenannte Wortmarke (früher Warenzeichen) eintragen zu lassen. Unter der Nummer 302010070820 ist "Nichts reimt sich auf Uschi" tatsächlich am 26. Januar 2011 in das Register aufgenommen worden. Damit stehen dem Markeninhaber Barth unter anderem für Waren wie Schmuck, Uhren, Haushaltsgeräte, Kämme und Pinsel sowie für Textilwaren, Schuhe und Kopfbedeckungen die alleinigen Vermarktungsrechte zu.

Jahrelang auf Fanartikel gedruckt

Aber Anwalt Dennis Breuer ist keiner, der leicht aufgibt. Er recherchierte im Internet, und siehe da: "Nichts reimt sich auf Uschi" war schon 1991 nicht nur der Titel eines Programms der niedersächsischen Radio-FFN-Comedysendung "Frühstyxradio", sondern wurde - wen wundert’s, auch schon jahrelang auf T-Shirts und andere Fanartikel gedruckt.

Die damaligen Protagonisten waren Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe, inzwischen wie Barth zu den erfolgreichen Autoren und Darstellern im deutschen Comedygeschäft aufgestiegen. Frühstyxradio-Geschäftsführer Harm Wörner: "Den Spruch soll Barth ruhig gebrauchen, meinen Segen hat er. Dass er ihn allerdings als Marke eintragen lässt und dadurch allen anderen die Nutzung untersagt, das geht zu weit."

Konkret möchte sich dazu Heiko Neumann, der Hamburger Pressesprecher von Mario Barth, nicht äußern. "Mario ist zurzeit im Ausland und dreht für seine RTL-Serie", sagt er. Offiziell wolle er zu der Angelegenheit nicht Stellung nehmen, weil es sich um ein "schwebendes Verfahren" handele. Die Anwälte der betroffenen Parteien stünden in Kontakt miteinander.
Das bestätigt Markenanwalt Dennis Breuer aus München: "Die Abmahnung an meinen Klienten war auf das Wettbewerbsrecht gestützt".

Vorgehen mit "Geschmäckle"

Breuer hält es für fragwürdig, dass "Nichts reimt sich auf Uschi" überhaupt zu schützen ist, obwohl die Eintragung beim Patent- und Markenamt bereits erfolgt ist. Auf jeden Fall aber, so Breuer, habe das Vorgehen von Barth "ein Geschmäckle". "Freiwillig", so der Markenexperte, "werden wir nicht zahlen. Wenn wir keine Einigung erzielen, geht die Sache vor Gericht".

Breuer: "Um einen solchen Spruch überhaupt schützen zu können, müsste er erstens originär von Mario Barth stammen und zweitens unmittelbar mit dessen Namen verbunden sein". Beides hält der Anwalt nicht für gegeben.

Die Frühstyxsradio-Truppe wehrt sich inzwischen mit bissigen Beiträgen auf FFN gegen Barths Vorgehen. Comedy-Urgestein und TV-Kritiker Oliver Kalkofe wird dazu auf der Website des Frühstyxradios mit den Worten zitiert: "Für Barths Strategie habe ich vollstes Verständnis. Wenn man es schon geschafft hat, einen alten Kalauer erfolgreich zu klauen, dann muss man ihn auch schonungslos mit allen Mitteln des Gesetzes verteidigen. Beim Humor hört auch für mich der Spaß auf".

Dietmar Wischmeyer ergänzt: "Es stört zwar nicht die Eiche, wenn die Sau sich daran reibt. Lässt sich das Schwein allerdings die Rinde urheberrechtlich schützen, geht das doch zu weit."
Ganz genau, so Harm Wörner, ließe sich der Urheber des Spruches über "Uschi" nicht mehr ermitteln: "Gut möglich, dass ein Hörer den damals eingeschickt hat, als Kalkofe und Wischmeyer dazu aufforderten." Barth-Pressesprecher Heiko Neumann räumt ein, der Satz gehöre inzwischen als "geflügeltes Wort" an jeden Stammtisch und der Schlagersänger Micky Krause habe ihn auch schon benutzt.

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