Schriftstellerin Karen Duve päppelte das aus Massentierhaltung befreite Huhn Rudi in ihrem Haus auf. - © FOTO: DPA
Schriftstellerin Karen Duve päppelte das aus Massentierhaltung befreite Huhn Rudi in ihrem Haus auf. | © FOTO: DPA

Autorin Karen Duve präsentiert "Anständig essen"

Hamburgerin spricht im Interview über ihre neues Buch - und den vorangegangenen Selbsttest

Hamburg. Zum "anständigen Essen" will die Bestsellerautorin Karen Duve ("Regenroman", "Taxi") mit ihrem neuen Buch verführen. Olaf Neumann fragte die 49-Jährige, was das konkret bedeutet.
 
Frau Duve, Frutarier glauben, Obst und Gemüse besitze eine Seele und essen nur dass, was von den Bäumen fällt. Kochen halten sie für grausam. Wie hat man auf Ihren Selbstversuch reagiert?
KAREN DUVE: Ich habe ja nicht nur den Frutarismus ausprobiert, sondern war auch je zwei Monate lang Bio-Konsumentin, Vegetarierin und Veganerin. Und dass die Reduzierung unseres Fleischkonsums keine wirre Idee fanatischer Tierrechtler ist, sondern eine dringend gebotene Notwendigkeit, wenn wir es noch eine Weile auf diesem Planeten aushalten wollen, hat sich inzwischen herumgesprochen. In meiner frutarischen Phase wurde ich allerdings tatsächlich viel belächelt und bemitleidet.
 
Vor dem Selbstversuch fühlten Sie sich als körperliches Wrack. Gegen die Müdigkeit tranken Sie im Lauf eines Tages bis zu zwei Liter Cola. Ansonsten ernährten Sie sich von Schokolade und Fertiggerichten. War Ihnen bewusst, wie ungesund Sie aßen?  
DUVE: Nein. Erst als ich darüber Buch führte, musste ich mir eingestehen, dass ich mich nicht nur ethisch gesehen, sondern auch was meine Gesundheit betraf, katastrophal ernährt habe.

Weltweit stammen circa 450 Milliarden Tiere aus Massentierhaltung. Sämtliche männlichen Legeküken werden z.B. direkt nach dem Schlüpfen gehäckselt. Ist der Verbraucher mit daran schuld, dass Tiere für die Fleischindustrie keine Lebewesen, sondern Teil einer Maschinerie sind?
DUVE: Natürlich. Massentierhaltung gehört zu den wenigen Missständen in der Welt, die man ganz leicht verbessern kann, weil man direkt daran beteiligt ist. Man muss noch nicht einmal etwas tun, sondern bloß etwas lassen.
 
Sind die Menschen bereit, über das Essen von Tieren zu reden?
DUVE: Das hängt davon ab, an welchem Punkt die Menschen gerade selber sind. Viele Menschen empfinden es als unzulässige Einmischung in ihre Privatsphäre. Sie denken, ihre Ernährung ginge nur sie selber etwas an und übersehen dabei, welche Konsequenzen unser Essverhalten für andere hat. Insbesondere natürlich für die, die gegessen werden.

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