Stierkampf-Impressionen von Francisco de Goya. - © FOTO: KUNSTVEREIN
Stierkampf-Impressionen von Francisco de Goya. | © FOTO: KUNSTVEREIN

Zwei Maler und der Stierkampf

Kunstverein zeigt ab Sonntag "Picasso - Goya: La Tauromaquia"

VON LOTHAR NENZ

Herford. Nur drei Stunden soll Pablo Picasso 1957 gebraucht haben, um mit dem Pinsel seitenverkehrt die 26 Aquatinta-Radierungen zu zeichnen, die er zur Neuauflage der "Torero-Bibel" beisteuern wollte. Der Herforder Kunstverein präsentiert diesen genialen grafischen "Schnellschuss" in seiner am Sonntag beginnenden grandiosen Ausstellung "Picasso - Goya: La Tauromaquia" im Pöppelmann-Haus.

Es ist beeindruckend, mit welch einfachen gestalterischen Mitteln Picasso die dramatischen Abläufe in der Arena berichtet. Alle Figuren – vom Stier bis zu den angedeuteten Zuschauern – sind Scherenschnitten gleich in durchgängigem Schwarz angelegt und formal auf das Wichtigste reduziert. Diese skizzenhafte Form unterstreicht die Spannung dieses Mensch-Tier-Duells, das nicht nur in unseren Breiten auf heftige Ablehnung stößt.

Information
Die Ausstellung ist bis zum 16. Januar 2011 im Pöppelmann-Haus, Deichtorwall 2 zu sehen. Di.-sa. 14-18 Uhr, so. 11-18 Uhr.

Aber nicht der Stierkampf an sich steht in der Betrachtung, sondern, wie die beiden Ausnahmekünstler Picasso (1881-1973) und Goya (1746-1828) mit der Corrida ihrer spanischen Heimat gestalterisch umgegangen sind. Während Picasso vor gut 50 Jahren seinen Grafik-Zyklus per Pinsel auf die Druckplatte zauberte, war dessen Landsmann Francisco de Goya anno 1816 noch der traditionellen Drucktechnik verhaftet. Mit der Radiernadel (Stichel) ritzte er seine detailreichen Schilderungen des Stierkampfes in die polierte Kupferplatte. Natürlich auch seitenverkehrt, wegen des Widerdrucks.

Goya-Blätter zweifacher Glücksfall

Vor knapp 200 Jahren war von formaler Reduzierung keine Rede, da war die realistische Darstellung angesagt, wenn man als Künstler Erfolg haben wollte. Darum sind die Goya-Blätter ein zweifacher Glücksfall. Einmal schildern sie im Detail die einzelnen Phasen der aus der maurischen Vergangenheit Spaniens erwachsenen Stierkampf-Tradition. Zum anderen sind sie ein überwältigendes Zeugnis genialen zeichnerischen Könnens, das sich nicht nur in der anatomischen Stimmigkeit der Figuren, sondern auch im Beiwerk manifestiert.

1796 hatte José Delgado – in Spanien noch heute Stierkämpfer-Legende und unter dem Namen Pepe Illo ein Begriff – ein Regelwerk für die Abläufe der Stier-Mensch-Begegnung verfasst, das rasch zum Lehrbuch der Toreros avancierte. Für dieses Buch schuf Goya, der Pepe Illo persönlich kannte, 40 Illustrationen, in denen er nicht nur die Geschichte des Stierkampfes, sondern auch dessen prominente Vertreter darstellte.

Und in der Neuauflage dieses Regelwerkes in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts übernahm Picasso den Goya-Part. Von Picasso sind in der Ausstellung weitere Radierungen, Lithografien und Linolschnitte zu sehen, in denen er sich mit dem Thema Stier auseinander gesetzt hat. Ein Großteil dieser Blätter steht zum Verkauf.

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