Graphikmuseum in Münster heißt ab heute Kunstmuseum Picasso

Picassos Enkel als Taufpate

BERND AULICH
Olivier Picasso, der Enkel des Malers Pablo Picasso, steht im Picasso Museum vor einem Foto von Robert Capa, das Picasso 1948 mit Sonnenschirm zeigt. - © FOTO: FRISO GENTSCH
Olivier Picasso, der Enkel des Malers Pablo Picasso, steht im Picasso Museum vor einem Foto von Robert Capa, das Picasso 1948 mit Sonnenschirm zeigt. | © FOTO: FRISO GENTSCH

Münster. Picassos Enkel kam nicht mit leeren Händen. Als Taufpate brachte Olivier Widmaier Picasso zum zehnjährigen Bestehen des Graphikmuseums Pablo Picasso einen neuen Namen mit nach Münster.

Das einzige deutsche Museum, das Picassos Namen trägt, heißt ab heute offiziell Kunstmuseum Pablo Picasso Münster. Den Namen hat sich der 48-jährige Wahlschweizer ausgedacht, der von Paris aus als Sprecher der Erbengemeinschaft den Nachlass seines weltberühmten Großvaters mitbetreut. Das Museum sei mittlerweile "erwachsen" geworden, erklärte Picassos Enkel. Es sei vom ersten Moment an etwas Besonderes gewesen. "Dieses Projekt musste erweitert werden", betonte er.

"Wir betrachten den neuen Namen als Belohnung und Ansporn", bedankte sich Museumsdirektor Markus Müller für das "immaterielle Geschenk mit hohem ideellen Wert". Mit dem neuen Namen mischt das Haus in Münster endlich international auf gleicher Augenhöhe wie die übrigen sieben Picasso-Museen mit.

Im Herbst wird der 800.000 Besucher erwartet.

Auf die Präsentation des mit 3.000 Blättern ungewöhnlich reichen eigenen Grafik-Bestandes mochte sich der Museumschef mit seiner Vorliebe für die frühe Moderne von Beginn an nicht beschränken: "Wir wollten kein grafisches Kabinett". Sein ehrgeiziges Ausstellungsprogramm zahlt sich aus. Zur 50. Ausstellung "Im Atelier des Künstlers", die dem Namenspatron gewidmet ist, wird im Herbst der 800.000. Besucher erwartet. Mit höchstens 55.000 Besuchern pro Ausstellung hatte Rolf Gerlach, Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe und Kuratoriumsvorsitzender der Museumsstiftung, anfangs gerechnet.

Tatsächlich übertrafen die Begegnungen mit berühmten Namen aus dem Picasso-Umkreis alle Erwartungen. Allein die Picasso-Schätze aus dem Museum Antibes lockten 118.000 Kunstfreunde nach Münster. Damit sieht Gerlach eines der wichtigsten Ziele des 2000 eröffneten Picasso-Museums erreicht: "Wir wollten die kulturelle Attraktivität der Region Westfalen-Lippe steigern."

Museumschef Müller plant weitere Ankäufe. Größter Geburtstagswunsch sind Linolschnitte von Picasso, eigentlich Ölbilder auf Papier, und Arbeiten von Picassos Gegenspieler Matisse. Als Geldgeber sagte Sparkassen-Präsident Gerlach zu, ein stetiges Wachstum zu garantieren.

Grafiker stiftet 800 Kunstwerke als Grundstein

Keimzelle des Museumsbesitzes ist die größte geschlossene Grafiksammlung Picassos. 800 Lithografien stiftete der westfälische Grafiker Gert Huizinga als ersten Baustein. Ein Jahr nach der Gründung erwarb das Museum die hochkarätige Picasso-Suite Vollard. 2004 überließ die Sparkasse Münsterland-Ost dem Haus 208 Grafiken des engsten Picasso-Mitstreiters Georges Braque und 2008 als weitere Dauerleihgabe 137 Chagall-Grafiken. Das Essener Sammlerpaar Christa und Wolfgang Classen brachte eine einzigartige Sammlung französischer Malbücher ein.

Die Ausstellungsplanung reicht bis 2014. Demnächst werden Werke von Matisse, Chagall und van Gogh in Münster zu sehen sein.

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