Auf dem Sprung

Bielefelds Kunsthallenleiter Thomas Kellein geht 2011 nach Texas

VON MANFRED STRECKER
Zeit für einen Karriereschritt - © BIELEFELD
Zeit für einen Karriereschritt | © BIELEFELD

Bielefeld. Thomas Kellein, seit 14 Jahren Leiter der Bielefelder Kunsthalle, geht in die USA. Wirklich überraschend ist das nicht. Mit seiner Ausstellungspolitik hat er sich als Kurator ein international auffälliges Profil verschafft. Ein solcher Mann bleibt nicht zeitlebens in Bielefeld; und, geboren 1955, war es für einen Karriereschritt an der Zeit.

Kellein leitet ab Beginn 2011 die Chinati Foundation in Marfa in Texas. Das Museum mit einer Freifläche von mehr als 130 Hektar Wüstenland, ehemals ein militärisches Flugzeuggelände, war Wohn- und Arbeitsstätte des Künstlers Donald Judd bis zu dessen Tod 1994, es beherbergt neben Judds Plastiken und Bildern Werke etwa von Claes Oldenburg, David Rabinowitch oder Ilya Kabakov.

Nach Angaben der Foundation hatte man sechs Monate nach einem Nachfolger für die Direktorin, Marianne Stockebrand, gesucht. Auf den Bielefelder Museumsleiter verfiel man nicht von ungefähr. Schon in seiner Dissertation in Kunstgeschichte war Judd Thema.

Häufiger Gast in Chinati

Nach Gesprächen mit dem Minimalisten ab 1991 konzipierte Kellein für die Kunsthalle eine Ausstellung im Jahr 2002, in der er dessen Werdegang mit selten gezeigten frühen Bildern dokumentierte. In Chinati war er, auch um Vorträge zu halten, häufig Gast.

Dr. Thomas Kellein. - © FOTO: DPA
Dr. Thomas Kellein. | © FOTO: DPA

Kelleins Weggang ist, ohne eine Höflichkeitsfloskel zu bemühen, ein Verlust für die Region. Vielen kunstsinnigen Sommerausflüglern in OWL ist vermutlich gar nicht bewusst, dass ein Kernstück der seit dem Jahr 2000 alljährlich veranstalteten "Garten-Landschaft OWL", nämlich die "Rauminszenierungen bildender Kunst" in Schlössern, Parks und Gärten, auf eine Idee Kelleins zurückgeht.

Schon kurz nach seiner Übersiedlung nach Bielefeld hatte er im Umland Gartenanlagen von "beeindruckender Faszination" entdeckt: "einen reichen Bestand an wertvollen Gärten, wie es sie in dieser Vielfalt und Qualität kein zweites Mal in Deutschland gibt", hatte er erklärt.

Grandioses, Erhabenes, Subtiles, Schräges

Einiges Grandioses, Erhabenes, Subtiles, Schräges bekam man vorgeführt. Jonathan Meese etwa verwandelte 2002 in einer seiner mythisierenden Künstlerfantasien Schloss Willebadessen in das abgründige Schloss Moosham, auf dem zwei verfeindete Brüder hausten.

Zwischen den Bäumen im Schlosspark Wendlinghausen stakste 2004 eine fast zehn Meter hohe Spinne aus Stahl der New Yorker Künstlerin Louise Bourgeois furchterregend einher. In einem Himmelsspiegel, einer vier Meter im Durchmesser großen Metallscheibe, spiegelte sich Schloss Rheda kosmisch fern.

Information

Weiter in der ersten Liga

"Schade für Bielefeld und für die Region." So kommentiert Günter Küppers, Vorsitzender des Förderkreises der Kunsthalle, Thomas Kelleins Weggang. Kellein sei ja nicht irgendein Kunsthallen-Direktor gewesen, sondern ein in der internationalen Kunstszene anerkannter Experte, der viele Künstler persönlich kannte. So sei es ihm möglich gewesen, hoch angesehene Ausstellungen nach Bielefeld zu holen. Kelleins Schritt könne er aber auch verstehen. "Ein solches Angebot konnte er gar nicht ausschlagen", so Küppers. Er hoffe nun, dass es gelingt, einen Nachfolger zu finden, der Bielefeld weiter in der ersten Liga hält. (ram)

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