Der Regisseur Oren Moverman über seinen Film "The Messenger"

Oren Moverman findet, dass die Amerikaner gut daran täten, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie mit den traumatisierten Kriegsheimkehrern umgehen wollen. - © FOTO: DPA
Oren Moverman findet, dass die Amerikaner gut daran täten, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie mit den traumatisierten Kriegsheimkehrern umgehen wollen. | © FOTO: DPA

Berlin. Mit seinem Film "The Messenger – Die letzte Nachricht" legt der israelisch-stämmige Regisseur Oren Moverman eine sensible Betrachtung der Kriegstraumata von Iraksoldaten vor, die sich beim Überbringen schlechter Nachrichten an die Angehörigen von Gefallenen zeigen. Ohne Pathos geht es um Männerfreundschaften, die beim Durchstehen extremer Situationen helfen. Dabei kommt der Streifen, der Anfang Juni in den Kinos angelaufen ist, ganz ohne Schlachtengetümmel aus. Unser Mitarbeiter Marcus Rothe sprach in Berlin mit Oren Moverman, der auf der Berlinale 2010 den Silbernen Bären für das beste Drehbuch erhielt.

Wie sind Sie zum Kino gekommen?
OREN MOVERMAN: Ich habe meine Kindheit in Israel verbracht, war vier Jahre als Fallschirmspringer bei der Armee und bin mit 22 Jahren dann zum Studieren in die USA gegangen, wo ich inzwischen die Hälfte meines Lebens verbracht habe. Ich habe erst als Journalist und dann als Drehbuchautor für Todd Hayens (" I’m not there"), Alison Mac Lean ("Jesus’ Son") und Ira Sachs ("Married Life") gearbeitet.

Wie kam es zum Schritt hinter die Kamera und warum hat dieser Film so lange auf sich warten lassen?
MOVERMAN: Nun, das Projekt war nicht mehr jungfräulich, als ich schließlich die Regie übernahm. Ursprünglich hatte ich das von mir als Co-Autor geschriebene Drehbuch Sidney Pollack angeboten. Er wollte es als eine Liebegeschichte mit Trennung verfilmen – so wie die meisten seiner Filme. Wir versuchten, den Film in diese Richtung zu entwickeln, aber entschieden uns dann dagegen. Wir wollten uns auf die Geschichte einer Männerfreundschaft von zwei Soldaten konzentrieren, die den Angehörigen von gefallenen Soldaten die Nachricht vom Tod in US-Kriegseinsätzen bringen. Als Pollack absprang, haben wir eine Zeitlang mit dem britischen Regisseur Roger Mitchell ("Notting Hill") gearbeitet, dann mit Ben Affleck und als nichts klappte, habe ich schließlich den Job übernommen. Ich hatte immer gedacht, dass nur ein erfahrener Regisseur diesen Stoff meistern könne, aber dann musste ich mich stellen.

Wie würden Sie die Natur der Männerfreundschaft zwischen den von Ben Foster und Woody Harrelson gespielten Soldaten beschreiben? Spielen da homosexuelle Spannungen eine Rolle?
MOVERMAN: Ja, man sieht in amerikanischen Filmen fast nie die Beziehung zwischen zwei Männern, die an der Oberfläche heterosexuell sind, aber eine wirkliche Liebesgeschichte erleben. Ich habe als Soldat selber erlebt, wie beim Militär unter extremen Bedingungen besonders enge Beziehungen zwischen Männern entstehen. Innerhalb der Armee ist diese Form von Kameraderie ganz natürlich, aber Außenstehende sehen darin oft homoerotische Elemente. Mir ging es in diesem Film um die Gefühlswelt der Soldaten, nicht um ihr Sexleben. Meine beiden Hauptfiguren erkennen nach einer gewissen Zeit, dass sie sich gegenseitig brauchen. Der Film erzählt von der Trauer und der Rückkehr ins Leben durch Freundschaft.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group