"Das 20. Jahrhundert" nennt Elisabeth Masé ihr Portrait des Basler Kunsthändlers Ernst Beyeler. - © FOTO: KATALOG
"Das 20. Jahrhundert" nennt Elisabeth Masé ihr Portrait des Basler Kunsthändlers Ernst Beyeler. | © FOTO: KATALOG

Das Bild als Raum

Der Kunstverein Oerlinghausen zeigt Elisabeth Masés "Monuments"

VON STEFAN BRAMS

Oerlinghausen. Was für ein Zusammenspiel zwischen Raum und Malerei. Da ist die Alte Synagoge Oerlinghausens, deren architektonische Klarheit innehalten lässt. Und da sind die sechs großformatigen, surrealen Bilder der Bielefelder Künstlerin Elisabeth Masé, die sie unter dem Titel "Monuments" im Hauptraum der Synagoge arrangiert hat. Geheimnisvolle Bilder, die den Raum verwandeln und überreal erscheinen lassen.

Elisabeth Masé malt eigentlich Portraits. Doch der Blick des Besuchers wandert nicht sogleich auf die Gesichter, denn die Malerin umgibt die Portraitierten, wie zum Beispiel den Basler Kunsthändler und Museumsbegründer Ernst Beyeler, mit Räumen, die von geheimnisvollen Dingen besiedelt sind. Sie bannen den Blick des Betrachters – zunächst. Was hat der Adler im Bild "Das 20. Jahrhundert" zu suchen? Warum trägt er eine afrikanische Skulptur in seinen Klauen? Wieso regnen bunte Matisse-Formen ins Bild? Geheimnisvolle Chiffren, die bannen. Und dann sind da die Portraitierten selbst. Auch sie verstören. Nichts ist im Lot.

Ernst Beyeler hat in "Bild des 20. Jahrhunderts" ein überlanges rechtes Bein und das linke Bein scheint ab dem Knie amputiert. Er sitzt auf einem nur sikzzierten Sofa, das abzuheben scheint. Sein Gesicht wirkt müde, der Welt entrückt. Alles scheint zu schweben, bleibt Geheimnis, Chiffre. Ähnlich geheimnisvolle Portraits liefert Masé in ihren Bildern "Am Ende des Anfangs" (2007) "La Valse" (2008), "Poet" (2008) "Bravo" (2009) sowie "Rita, Richard & Marcel" (2009) ab. Kunstkritiker Hans-Joachim Müller spricht von Masés Portraitkunst als "glühender Konstruktion" und betont: "Das ist neu". In Oerlinghausen kann das Neue entdeckt werden.

´ Die Ausstellung ist bis zum 20. Dezember in der Alten Synagoge Oerlinghausen, Tönsbergstr. 4, zu sehen. Öffnungsgzeiten: di.-sa. 15-17, sonntags 11-13 und 15-17 Uhr. Ein Katalog ist im Verlag Kleinheinrich Münster erschienen. Am 18. Dezember um 19 Uhr spielen Xu Fegxia und Li Tieqiau in der Ausstellung auf.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group