Isabell von Moeller hilft Jana beim Spielen des Saxophons. - © FOTO: HEIKE SOMMERKAMP
Isabell von Moeller hilft Jana beim Spielen des Saxophons. | © FOTO: HEIKE SOMMERKAMP

Swing im Stundenplan

VON HEIKE SOMMERKAMP

Bielefeld "Soll ich Trompete spielen? Oder lieber Posaune? Oder ist der E-Bass das Richtige?" Die Schüler der künftigen 5b des Gymnasiums am Waldhof mussten jetzt eine schwierige Entscheidung treffen, denn nach den Sommerferien werden sie Bielefelds erste Big-Band-Klasse bilden. "Wir haben seit September 2008 an diesem Projekt gearbeitet", erklärte die Klassenlehrerin Heike Bug.

Neben Instrumentalunterricht an der Musik- und Kunstschule wird eine wöchentliche Big-Band-Probe auf dem Stundenplan der 5b stehen. Damit die Arbeit gleich nach den Sommerferien beginnen kann, wurden die künftigen Gymnasiasten schon jetzt in Instrumentengruppen eingeteilt. Zwei Nachmittage lang konnten sie alle in Frage kommenden Möglichkeiten ausprobieren, ehe sie das Instrument wählten, das sie zwei Schuljahre lang begleiten wird.

Das Saxophon stand bei vielen ganz oben auf der Wunschliste
"Ich hoffe, Delia entscheidet sich für Posaune: Da hat sie die Töne am meisten getroffen", erklärte Jacqueline Lamprecht, die gespannt die ersten musikalischen Gehversuche ihrer Tochter verfolgte. Doch Delia war noch unentschlossen. Andere Kinder hatten spätestens beim zweiten Probiertermin klare Favoriten: Während Jessica am liebsten E-Gitarre lernen will, hat Jana ihr Herz an das Saxophon verloren.

"Es ist nicht entscheidend, welches Instrument man spielt, sondern dass man überhaupt ein bigbandfähiges Instrument spielt", machte Guido Kostmann den Kindern Lust auf Jazz. Der Fachbereichsleiter für Holz- und Blechblasinstrumente, Jazz und Pop an der Musik- und Kunstschule koordiniert den Instrumentalunterricht der Big-Band-Novizen und wird die Trompeten der 5b selbst unterrichten.

Mit Ausnahme der Pianisten, die von Anfang an auf Fortgeschrittenen-Niveau spielen müssen, sind alle Kinder absolute Anfänger an ihrem Klassenband-Instrument: "Dann starten sie alle auf einem Level", erläuterte Heike Bug. Alle sollen die gleichen Voraussetzungen haben.

Warum richtet das Gymnasium am Waldhof eine Big-Band-Klasse ein? "Uns geht es dabei um die Vereinbarkeit der veränderten schulischen Strukturen mit privat organisierten Aktivitäten am Nachmittag. Dies betrifft insbesondere das Erlernen von Musikinstrumenten und das gemeinsame Musizieren. Hier erproben wir neue Möglichkeiten, unterrichtliche und außerunterrichtliche Aktivitäten zu vereinbaren und gegenseitig nutzbar zu machen. Deshalb haben wir die Big Band, die für Kinder besonders attraktiv ist, samt Instrumentalunterricht bei der 5b exakt mit dem Stundenplan koordiniert," erklärte die Schulleiterin Ruth Leutheußer-de Vries.

"Es ist super, wenn der Nachwuchs so früh kommt", freute sich Stephan Schulze, der die 5b-Posaunen unterrichten wird, auf potenziellen Zuwachs für seine Musikschul-Big-Band. "Bi-Bop!" gab den Jazzneulingen beim zweiten Instrumentenschnuppern ehrliche Einblicke in den Band-Probenalltag, während Schulze ihnen anschaulich Off-Beat, Groove und Swing-Feeling näher brachte.

Die Schüler haben sich entschieden, die Instrumentenwahl ist gelaufen. "Wir haben vier Trompeten und vier Posaunen", freute sich Klassenlehrerin Heike Bug. Während das Saxophon bei vielen Kindern ganz oben auf der Wunschliste stand, waren die anderen Blasinstrumente zunächst weniger auf Interesse gestoßen.

Die Kinder wissen nun, welches Instrument sie Ende August erwartet, und können beruhigt die Ferien genießen. Für Heike Bug geht die Arbeit weiter. Die Instrumente müssen bestellt, Sponsorengelder eingeworben, Notenmaterial zusammengestellt werden. "Es gibt für diese Klasse kein passendes Lehrbuch", verdeutlichte die Pädagogin die besondere Herausforderungen, denen sich Bielefelds erste Big-Band-Klassenlehrerin stellen muss.
    

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