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Der spanische Tenor Placido Domingo steht wegen Belästigungsvorwürfen schwer unter Druck. - © dpa
Der spanische Tenor Placido Domingo steht wegen Belästigungsvorwürfen schwer unter Druck. | © dpa

Opernsänger Neun Frauen werfen Placido Domingo Belästigung vor

Gegen den Opernsänger Plácido Domingo (78) werden Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Die Frauen erklären, er habe ihnen gedroht, ihre Karrieren zu zerstören.

13.08.2019 | Stand 13.08.2019, 15:17 Uhr

Bielefeld. Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) veröffentlichte in der Nacht zum Dienstag ein umfangreiches Dossier, in dem acht Sängerinnen und eine Tänzerin detailliert über Vorfälle seit den späten achtziger Jahren berichten, wonach Plácido Domingo (78) sie intim berührt und geküsst habe. Die Frauen behaupten, Domingo habe ihnen im Arbeitsumfeld verschiedener Opernhäuser aufgelauert, ihnen mit Telefonanrufen nachgestellt und bei Zurückweisung seiner Annäherungen mit der Zerstörung ihrer Karrieren gedroht. Bei einer Frau sei es in Folge solcher Nötigungen zweimal zum Geschlechtsverkehr gekommen sein, wonach Domingo ihr zehn Dollar gezahlt habe, nicht damit sie sich, so der Bericht, als Prostituierte fühle, sondern die Parkgebühren bezahlen könne. Nur eine Frau steht namentlich zu den Vorwürfen gegen den 78-Jährigen Acht der neun Frauen legen Wert auf ihre Anonymität. Einzig die Mezzosopranistin Patricia Wulf, heute 61 Jahre alt, steht namentlich zu den Vorwürfen gegen den Künstler. Keine der Frauen kann Dokumente für die Vorfälle, also Notizen, Fotos, Sprachaufzeichnungen vorlegen. Die Datierungen sind aber von AP überprüft und durch Hotelbuchungen sowie Besetzungspläne bestätigt worden; zudem gäbe es Aussagen von Kollegen, die ähnliche Verhaltensweisen von Domingo beobachtet hätten. Domingo weist die Vorwürfe zurück und nennt sie "extrem verstörend" Domingo weist die Vorwürfe zurück. Schriftlich ließ er  gegenüber AP mitteilen: "Die Vorwürfe dieser namenlosen Personen, die sich auf Ereignisse vor 30 Jahren beziehen, sind extrem verstörend und in ihrer Darstellung unzutreffend." Dennoch schmerze es, zu hören, "dass ich bei irgendjemandem für Ärger oder Unwohlsein gesorgt haben könnte - egal, wie lange das her ist und trotz meiner besten Absichten. Ich dachte, dass all meine Handlungen und Beziehungen stets willkommen und im gegenseitigen Einverständnis waren. Wer mich kennt oder mit mir zusammengearbeitet hat, weiß, dass ich niemand bin, der andere absichtlich schädigen, kränken oder beschämen würde", fährt Domingo fort. Gleichwohl stelle er fest, dass die Regeln und Standards, an denen man heute gemessen werde, andere seien als in der Vergangenheit. Was an den Vorwürfen dran ist und welche Konsequenzen Domingo in dem Fall drohen, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Laut AP ist das Fehlverhalten des Sängers allerdings schon seit Langem "ein offenes Geheimnis in der Opernwelt". Laut Nachrichtenagentur  AP berichten noch mehr Frauen von Zudringlichkeiten Laut AP gibt es noch ein halbes Dutzend weiterer Frauen, die von unangenehmen Zudringlichkeiten Domingos berichten. Eine von ihnen habe etwa erklärt, der Sänger habe sie immer wieder nach einem Date gefragt, nachdem er sie für eine Reihe von Konzerten während der 90er-Jahre gebucht hatte. Schließlich beruft sich die Nachrichtenagentur noch auf drei weitere Dutzend Sänger, Tänzer, Musiker, Backstage-Mitarbeiter, Stimmtrainer und Verwaltungsangestellte, die erklärten, sie hätten sexuell unangebrachtes Verhalten gegenüber jüngeren Frauen bei Domingo beobachtet.

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