Hatte bessere Zeiten: Eine Auswahl an Titelseiten des US-Satiremagazins "Mad", das auch in Deutschland erschienen ist. - © picture alliance/AP Photo
Hatte bessere Zeiten: Eine Auswahl an Titelseiten des US-Satiremagazins "Mad", das auch in Deutschland erschienen ist. | © picture alliance/AP Photo

Kultur Satiremagazin "Mad" steht vor dem Aus

Das Heft hatte zu seinen besten Zeiten zwei Millionen Abonnenten. Zuletzt sank die Auflage auf rund 140.000 Exemplare.

05.07.2019 | Stand 05.07.2019, 16:38 Uhr

Washington (AFP). Mit seinen Segelohren, Sommersprossen und dem frechen Grinsen schien Alfred E. Neumann unsterblich zu sein - doch das Magazin, dem er in fast jeder Ausgabe als Titelmodell diente, kam zuletzt ein wenig zu sehr in die Jahre: Nach fast 70 Jahren steht "Mad" vor dem Aus. Die letzte Ausgabe des kultigen Satiremagazins werde im September erscheinen, teilte der Verlag DC Comics am Donnerstag dem Sender ABC mit. In künftigen Heften sollen demnach nur noch die besten Beiträge der vergangenen 67 Jahre veröffentlicht werden. Neue Inhalte soll es nur noch in den Sonderbeilagen zum Jahresende geben. Ungewöhnliche Comics, teils debiler Humor "Mad" erschien erstmals 1952. Mit seinen satirischen Geschichten, seinen politischen Parodien, ungewöhnlichen Comics und teilweise leicht debilem Humor wurde das Magazin rasch zum Kult - auch in Deutschland. Bekannte Autoren und Satiriker bedauerten das Aus für "Mad". "Goodbye, Mad Magazine", erklärte "Simpson's"-Schreiber Josh Weinstein. "Danke für die Inspiration für Generationen und Generationen von Comedy und vor allem, Danke für das Lachen". Für viele Kinder sei das Magazin an einem bestimmten Punkt ihres Lebens "das Größte überhaupt" gewesen. Das Aus für das Magazin mache ihn traurig, schrieb der ehemalige Gast-Redakteur und Parodist Weird Al Yankovich. "Ich kann gar nicht beschreiben, welche Wirkung es auf mich als Kind hatte - es ist mehr oder weniger der Grund dafür, warum ich so komisch (weird) wurde". Jüngere wissen mit "Mad" nichts mehr anzufangen Zu seinen besten Zeiten Anfang der 70er Jahre hatte "Mad" zwei Millionen Abonnenten. Nach Angaben des Kommunikationswissenschaftlers Michael J. Socolow sank die Auflage bis 2017 auf 140.000. Dass das Magazin kaum noch jüngere Generationen anzieht, zeigte sich zuletzt auch, als US-Präsident Donald Trump den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg mit Alfred E. Neumann verglich - und dieser nichts damit anzufangen wusste. "Hoffe, dass alle Beteiligten weich landen" "Ehrlich gesagt, musste ich erstmal bei Google nachsehen", sagte der 37-jährige Bürgermeister aus dem Mittleren Westen. "Ich denke, das ist eine Generationensache", fügte Buttigieg hinzu. Cartoonist Evan Dorkin, der auch für "Mad" arbeitete, räumte auf Twitter ein, dass Humor und Medien, die von dem Magazin beeinflusst wurden, "Mad" schon vor Jahrzehnten "abgehängt" hätten. Doch hoffe er darauf, dass es eines Tages wieder ein völlig neues "Mad" geben werde, erklärte der 54-Jährige - "und dass alle Beteiligten weich landen".

realisiert durch evolver group