Amüsanter Fußballabend: Sven Piskor, Moderator der WDR-Sendung „Liga Live“ begeisterte die 400 Zuschauer. - © Antje Dossmann
Amüsanter Fußballabend: Sven Piskor, Moderator der WDR-Sendung „Liga Live“ begeisterte die 400 Zuschauer. | © Antje Dossmann

Kultur So macht Fußball wieder Spaß

Sport-Moderator Sven Pistor erheitert das Publikum mit „Alles Vollpfosten!“

Bielefeld. Der Ball und der Kopf sind rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann. Und die Liebe zum Fußball ist im besten Fall auch immer die Liebe zum Menschen. Zu seinem Spieltrieb, zu seinem Bedürfnis nach Gemeinschaft. Doch je rasanter und steiler der Aufstieg dezent beschulter Dribbelkünstler in die gesellschaftliche Upper Class, desto prächtiger ihre Stilblüten. Gefundenes Fressen für einen wie den WDR2 „Liga Live-Moderator“ Seven Pistor, der seit einigen Jahren mit fußballanekdotischen Bühnenprogrammen durch die Lande tourt. Sven Pistor wird in seiner Heimatstadt Köln „Tipp-Wurst“ genannt „Projekt 5. Stern“, hieß sein vorletztes Programm, das den nächsten Weltmeistertitel der Deutschen Fußballnationalmannschaft in Angriff genommen hatte. Anders als die Elf selbst, wie wir inzwischen wissen. Pistor, der als Kommentator live dabei war, kam die kurze Verweildauer in Russland indes heimlich entgegen, wie er gestand. Der nach Landessitte zum Frühstück kredenzte Hackfisch trug nicht unwesentlich dazu bei. Und nachdem er Mats Hummels beim Lauftraining beobachtet hatte, fragte er sich auch besorgt, wie dieser eine normale Moskauer Straßenüberquerung überleben sollte. Ironische, das Publikum immer wieder zum Lachen bringende Spitzen gehören zur Spezialität Sven Pistors. Zudem erwies er sich auch in seinem neuen Bühnenproramm, das den Titel „Alles Vollpfosten“ trug, als ein Meister im Aufspüren absurder Schlagzeilen. Wenn Spieler schon eher unglückliche Nachnamen tragen wie Fick oder Samen, sollte man vielleicht besser nicht titeln: „Fick mit Höhen und Tiefen“ oder „Samen verlässt Rohr“. Ein Klugscheißer-Quiz mit vier Kandidaten aus dem Publikum Dafür dass der Reigen bemerkenswert unsinniger Aussagen aus den Reihen des Fußballs wohl niemals abbrechen wird, sorgen schon, wie den rund 400 Zuschauern im Tor 6 Theaterhaus vor Ohren geführt wurde, die Spieler und Trainer selbst. Eines der schönsten Beispiele, die Pistor genüsslich zitierte, stammte aus der Antrittsrede Thorsten Legats als Trainer in Remscheid. „Ich bin ein geradliniger Typ. Man kann mich als Freund gewinnen und als Feind verlieren.“ Mit dem Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer hatte sich der Kölner einen Gast geladen, mit dem er über das seit dem letzten Wochenende wieder heiß diskutierte Thema „Videobeweis“ fachsimpeln konnte. Ein Klugscheißer-Quiz mit vier Kandidaten aus dem Publikum erwies sich ebenfalls als unterhaltsamer Spaß, bei dem er auch etwas zu lernen gab. Schließlich nannte sich das Bühnenformat nicht von ungefähr „Pistors Fußballschule“. Zusammen mit allerlei eingespielten Malheur-Kuriositäten vom grünen Rasen, der liebenswerten Selbstveräppelung Sven Pistors, der in seiner Heimatstadt „Tipp-Wurst“ genannt wird, und seinen ernsten Abschlussworten, die zu Toleranz aufforderten, ergab das einen amüsanten, feinen Fußballabend, abseits von Schwalben und Steaks im Goldmantel.

realisiert durch evolver group