Voller Power: Miss Allie setzt in ihren Liedern auf Alltagsgeschichten. - © Christina Falke / Artbestimmt.de
Voller Power: Miss Allie setzt in ihren Liedern auf Alltagsgeschichten. | © Christina Falke / Artbestimmt.de

Kultur Geheimtipp ohne passende Schublade

Miss Allie verzaubert bei ihrem ersten Auftritt in Bielefeld das Publikum

Bielefeld. Miss Allie wandelt jetzt auf Solopfaden. Hat die Singer-Songwriterin bisher versucht sich in sogenannten Mixshows einen Namen zu machen, setzt sie jetzt alles auf eine Karte und zieht allein durch die Lande. 30 Besucher kamen am Mittwochabend zu ihrem Auftritt ins Tor 6 Theaterhaus und erlebten einen noch echten Geheimtipp. „Ich bin froh, wenn Leute kommen“, gab die zierliche Blondine gleich zu Beginn der Show zu und scheute sich in den nächsten 90 Minuten nicht, ihr Liebesleben, oder was derzeit davon übrig ist, mit dem Publikum zu teilen – so erzählen ihre Lieder in erster Linie auch von den Irrungen und Wirrungen der Liebe. „Ein Konzert ist wie eine Therapiesitzung für mich“ Gerade ist ihr zweites Album „Mein Herz und die Toilette“ erschienen. Dabei setzt sie, ganz entgegen ihres ersten Albums „This Is Why!“, nun ganz auf die deutsche Sprache. Mit Titeln wie „ZuNahMe“, „Ärgertherapie“, „Der Stolz eines Königs“ oder „Schweinesteak Medium“ macht sie ihrem Ärger über vergangene Beziehungen Luft oder amüsiert sich in dem Lied „Petry Heil“ über Politiker, die ihr den Tag versauen. „Ein Konzert ist wie eine Therapiesitzung für mich“, plaudert Miss Allie und greift zur Gitarre, die für jeden ihrer Songs der ständige Begleiter ist. Ebenso wie das im Hintergrund der Bühne platzierte Einhorn-Lämpchen, das die Farben stetig wechselt, das große, aufblasbare Einhorn, das sie gelb angemalt und mit lila Punkten versehen hat und die vielen, vielen Herzen, verteilt auf Gitarre, Mikrofonständer und dem Schild mit der Aufschrift: „Schön, dass ihr da seid! Ihre Lieder sind nicht Mainstream Miss Allie ist nicht in eine Schublade zu stecken – so mag sie sich genremäßig am ehesten zwischen Ina Müller und Mike Krüger bewegen. Ihre Lieder sind nicht Mainstream, haben keinen Ohrwurm-Charakter, sind aber dennoch liebevoll und schön anzuhören. Dabei ist sie witzig und nimmt sich und ihr Leiden offenbar selbst auch nicht allzu ernst. „Ich setze auf Einhorn-Magie“, sagt die aus Mecklenburg stammende Ex-Kulturwissenschaftsstudentin, die heute in Lüneburg lebt. Auf Grund ihrer humorvollen Darbietungen, gespickt voller Ironie und boshafter Anspielungen, war ein Auftritt vor einigen Monaten in der TV-Sendung Nightwash auch wohl am Naheliegendsten. Sie bringt die Leute zum Lachen – mit ihrer offen Art und unglaublichen Bühnenpräsenz. Die Ansprachen wirken improvisiert und kommen sehr sympathisch beim Publikum an. Da scheut sich ein Frank auch nicht, ihrer Aufforderung nachzukommen, die Bühne zu betreten und einen Brief vorzulesen, in dem die Pause der Show für die, wie sie die Besucher nennt, „Schubbelhasen“ angekündigt wird. Sie hat das gewisse Etwas, das Künstler brauchen, um irgendwann Erfolg zu haben. Denn eines steht fest: die Menschen werden Miss Allie früher oder später lieben.

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