Untersucht: In der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen sollen chronisch gestresste Kinder mit umstrittenen Methoden therapiert worden sein. - © dpa/picture alliance
Untersucht: In der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen sollen chronisch gestresste Kinder mit umstrittenen Methoden therapiert worden sein. | © dpa/picture alliance

Umstrittene Dokumentation "Elternschule"-Doku: NRW-Ministerium ermittelt ebenfalls gegen Kinderklinik

Der Film "Elternschule" hat seit seinem Erscheinen für Kontroversen gesorgt. Die Therapiemethoden der Gelsenkirchener Kinderklinik werden nun vom Gesundheitsministerium untersucht

Düsseldorf (dpa). Nach Gewaltvorwürfen gegen die Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen hat sich jetzt das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium eingeschaltet. Anlass ist die Filmdoku "Elternschule", in der es um die mehrwöchige Behandlung von psychosomatisch erkrankten Klein- und Vorschulkindern etwa mit massiven Ess- und Schlafstörungen geht. In dem Film wird etwa gezeigt, wie Kinder mit Schlafstörungen allein in einem dunklen Schlafzimmer die Nacht verbringen - und irgendwann durchschlafen können. Kritiker werfen der Klinik vor, in den Therapien Gewalt anzuwenden. Aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Ministeriums an den Familienausschuss des NRW-Landtags geht nun hervor, dass es die Methoden unter die Lupe nehmen wird. Ärzte- und Psychotherapeutenkammern schalten sich ein So soll die zuständige Bezirksregierung Münster aufsichtsrechtlich prüfen, ob bei den Therapien in der Klinik Freiheitsentziehungen stattgefunden haben und ob diese gerichtlich genehmigt waren. Berufsrechtlich sollen die Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Psychotherapeutenkammer NRW die Arbeit der Klinik bewerten. Seit seinem Erscheinen sorgt "Elternschule" für kontroverse Debatten über die gezeigten Therapiemethoden. Nach Ansicht des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) enthält der Film zahlreiche Szenen, in denen Kinder psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind. Die Klinik hatte die Vorwürfe als "haltlos" zurückgewiesen und ihre Arbeit als "absolut gewaltfrei" bezeichnet. Infolge der Anzeige eines Arztes ermittelt die Staatsanwaltschaft Essen gegen die Klinik wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener. "Die in dem Film dargestellten Behandlungsmethoden zum Üben von Trennungssituationen und zur Schlafanbahnung (...) sind (...) weder wissenschaftlich evaluiert noch vertretbar", kritisierte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in einer Anfang November veröffentlichten Stellungnahme. Die Fachgesellschaft bewertete die Methoden als "klinisch und ethisch bedenklich". Sie könnten im schlimmsten Fall dem Kind mehr schaden als nutzen. Das Ministerium bezieht sich inseinem Bericht unter anderem auf diese Stellungnahme und schreibt: "Eine erste Inaugenscheinnahme des Filmes ergab, dass die von denFachgesellschaften geäußerte Kritik nachvollziehbar ist."Die Frage, ob Kritik an der Arbeit der Klinikabteilung fachlichgerechtfertigt ist oder nicht, könne allerdings ein Dokumentarfilmalleine nicht beantworten, hieß es weiter. Das Ministerium werdedaher die Psychotherapeutenkammer NRW und die ÄrztekammerWestfalen-Lippe um eine berufsrechtliche Überprüfung des Sachverhaltsbitten.

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