Er will nicht: Mutter (l.) und Therapeutin üben mit dem Kind Spazierengehen. Foto: Zorro Film - © Zorro Film
Er will nicht: Mutter (l.) und Therapeutin üben mit dem Kind Spazierengehen. Foto: Zorro Film | © Zorro Film

Kultur Kinder außer Rand und Band

Überforderte Eltern: Der neue Kinodokumentarfilm „Elternschule“ zeigt, wie der Therapeut Dietmar Langer verzweifelten Eltern und ihren chronisch gestressten Kindern hilft. Ein Film, von dem Mütter und Väter viel lernen können

Anke Groenewold

Bielefeld. Chronisch gestresste Kinder, die toben, schlagen, Essen und Schlaf verweigern und verzweifelte, hilflose Eltern stehen im Mittelpunkt des Kinodokumentarfilms „Elternschule". Eltern können aus ihr viel für ihren eigenen Familienalltag mitnehmen, man erfährt aber auch viel Grundsätzliches über menschliches Verhalten. Die Filmemacher Jörg Adolph, 1967 in Herford geboren, und Ralf Bücheler begleiten den Therapeuten Dietmar Langer und sein Team bei ihrer Arbeit in der psychosomatischen Kinderklinik Gelsenkirchen-Buer. Die mehrwöchige, stationäre Therapie zielt nicht nur auf die „Problemkinder" ab, sondern begreift deren Verhaltensauffälligkeiten als Symptome eines aus den Fugen geratenen Systems Familie, in dem das Kind die Kontrolle übernommen hat. „Wenn dein Kind sich verändern soll, musst du dich verändern", ist Langers wichtigste Botschaft an die Erziehenden – es sind überwiegend Mütter. Mohammed ist zwei Jahre alt und leidet unter Neurodermitis. Er ist ein wählerischer Esser, quengelt, schreit. Soll er etwas tun, was ihm nicht passt, kratzt er sich die Haut auf – was seine Eltern natürlich nicht ertragen können, so dass der Kleine machen darf, was er will. Nur bekommt er so nicht das, was er braucht, macht Langer der Mutter klar und erklärt den Erwachsenen als erstes, warum Kinder sich verhalten, wie sie sich verhalten. Ein Neugeborenes erlebe die Welt als Chaos. Es sei die Aufgabe der Eltern, diese Welt vorhersehbar zu machen. Sie müssten Kindern einen verlässlichen Rahmen und Sicherheit geben. „Kinder können nicht aufhören, sie brauchen einen, der sagt ,Halt, Stop’". Wie es gelingt, Kinder und Eltern aus der Spirale des chronischen Stresses zu befreien, wie klammernde Eltern lernen loszulassen und gleichzeitig wieder die Führung zu übernehmen, das zeigt diese Doku eindrucksvoll. Respekt haben die Eltern verdient, die es zugelassen haben, dass die Filmemacher sie in dieser Krise begleiten durften, die Ängste, Probleme und Traumata der Eltern offen legt. „Wenn es meinem Kind gut geht, geht es auch mir gut", sagen die Eltern. In der Therapie lernen sie, dass es heißen muss: „Wenn es mir gut geht, geht es auch meinem Kind gut."

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