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Kritischer Geist: Günter Küppers (l.),Vorsitzender des Förderkreises der Kunsthalle, diskutiert mit Stefan Brams (NW) über die Zukunft der Kunsthalle. Foto: Christian Mathiesen - © CHRISTIAN MATHIESEN
Kritischer Geist: Günter Küppers (l.),Vorsitzender des Förderkreises der Kunsthalle, diskutiert mit Stefan Brams (NW) über die Zukunft der Kunsthalle. Foto: Christian Mathiesen | © CHRISTIAN MATHIESEN

Kultur „Die Kunsthalle muss ein internationales Haus bleiben“

Mittagsgespräche im Holzhaus (18): Günter Küppers plädiert für einen Experten-Beirat, der das Haus künftig kritisch berät. Der Meschede-Nachfolger müsse über ein umfassendes Netzwerk verfügen. Warum die Kunsthalle neue Gesellschafter und einen Anbau braucht, begründet er in unserer Sommerserie

Stefan Brams
31.08.2018 | Stand 30.08.2018, 18:49 Uhr

Stefan BramsBielefeld. Mit einem kurzen Blick zurück beginnt das 18. Mittagsgespräch. „Als ich 1974 von meiner Heimatstadt München nach Bielefeld gezogen bin, haben mich viele beneidet, dass ich nun in der Opernhauptstadt Europas leben werde. Und dann gab es da noch das internationale Kolloqium Neue Poesie in Bielefeld“, erinnert sich Günter Küppers, der seit acht Jahren den Förderkreis der Kunsthalle leitet. Opernwunder und Kolloquium hätten Bielefeld ein internationales Renommee beschert. Das aber sei längst verblasst, beklagt Küppers und fügt an: „Daher muss ich leider Wasser in das auch in den Mittagsgesprächen immer wieder geäußerte allgemeine Lob für die starke, vielfältige Bielefelder Kulturszene gießen, sie hat leider in den vergangenen Jahren deutlich an Ausstrahlung verloren.“ Lediglich die Kunsthalle verfüge noch über ein internationales Renommee, werde von der nationalen und internationalen Presse, aber auch von internationalen Künstlern wahrgenommen, die hier gerne ausstellen. "Das Vorgehen gegen Meschede hat mich sehr empört" „Dieses Ansehen dürfen wir durch den anstehenden Wechsel an der Kunsthallenspitze und die lange Sanierungsphase nicht verspielen“, betont der 79-jährige, der den Umgang mit Direktor Friedrich Meschede kritisiert. Das Vorgehen gegen ihn sei von persönlichen Abneigungen und Egoismen bestimmt und die verweigerte Vertragsverlängerung nicht sachlich begründet gewesen. „Das hat mich sehr empört wie auch die Berichterstattung über ihn“, ergänzt Küppers, der betont: „Wir müssen einen Nachfolger finden, der international nicht nur in der Museumsszene, sondern auch mit vielen internationalen Künstlern sehr gut vernetzt ist“, wie das bei Meschede der Fall sei. Dieses Netzwerk sei eine unabdingbare Voraussetzung für einen Nachfolger, denn es gilt, die Kunsthalle als Fenster zur internationalen zeitgenössischen Kunst zu erhalten und ihre internationales Renommee noch weiter auszubauen. Der Physiker warnt daher mit ruhiger Stimme aber eindringlich davor, „die Kunsthalle zu einem regionalen Ausstellungshaus herunterzustufen“. Das schwebe, wenn er sich so einige Äußerungen auch des Oberbürgermeisters vergegenwärtige, scheinbar einigen in Bielefeld vor, so Küppers, der ankündigt, dass der Förderkreis mit seinen 900 Mitgliedern aktiv dafür streiten werde, „dass genau das nicht passiert.“ Küppers, der leidenschaftlich gerne kocht, setzt nun auf die angedachte Expertenkommission, um einen Meschede-Nachfolger zu finden. „Da sind wir bereits auf einem guten Weg. Mögliche Mitglieder, auch externe Experten, sind benannt, so dass das Gremium alsbald seine Arbeit aufnehmen kann.“ Er hoffe, dass man bis Mitte 2019 Klarheit über einen möglichen Nachfolger haben werde, denn Meschedes Vertrag ende ja leider Ende 2019. "Wir brauchen weitere starke Gesellschafter" Positiv nennt Küppers es, dass mit Johannes Grave, Professor für Kunst an der Uni Bielefeld, jetzt „ein ausgewiesener Kunstkenner“ dem Aufsichtsrat der Kunsthalle angehöre. „Seine Expertise hilft uns in dieser schwierigen Umbruchphase sicherlich weiter“, sagt Küppers, der sich für die Zukunft einen mit externen Kunstexperten besetzten Kunsthallen-Beirat wünscht, der das Haus in Ausstellungsfragen berät und jährlich zusammenkommt. „Ein solches Gremium kann das hohe Niveau hier sicherlich noch weiter befördern“, ist sich Küppers sicher, der noch eine Idee mit ins Holzhaus gebracht hat, die er schon einmal in einem Mittagsgespräch geäußert hat: „Wir brauchen weitere starke Gesellschafter, um die Kunsthalle endlich finanziell besser aufzustellen und abzusichern.“ „Der Förderkreis selbst steht bereit, als Gesellschafter einzusteigen“, sagt Küppers zudem. Er habe Signale, dass die drei aktuellen Gesellschafter zu Verhandlungen mit ihnen bereit seien. „Wir bringen schließlich 100.000 Euro jährlich in die Kunsthalle ein, können aber bei wichtigen Entscheidungen nicht mitbestimmen.“ "Ein Anbau muss trotz der Sanierung weiterhin Thema sein" In Zukunft werde der Förderkreis neben dem Ankauf von Kunstwerken für die Sammlung stärker Ausstellungen finanzieren. „Das ist jetzt sehr wichtig“, so Küppers. Die Kunsthalle werde nach seinen Informationen während der Sanierung komplett schließen müssen, „so dass sie nicht bespielt werden kann“. Es sei aber dennoch wichtig, da stimmt der gebürtige Münchner anderen Mittagsgesprächs-Teilnehmern zu, die Kunsthalle während dieser Zeit durch Aktionen in der Stadt im Bewusstsein der Bürger zu halten. Zum Ende des Mittagsgesprächs plädiert Küppers nochmals dafür, auch das Thema Neubau trotz der Sanierung weiterzuverfolgen. „Nur mit einem architektonisch starken Anbau können wir die Kunsthalle wirklich zukunftsfähig aufstellen, denn dann können wir auch dauerhaft die Sammlung und parallel Themenausstellungen zeigen.“ Er verstehe nicht, dass sich in dieser finanzstarken Region kein Konsortium aus OWL-Unternehmen schmieden lasse, das so ein Projekt finanziere.

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