Mit Urban Dance ins Stadttheater: Dhélé Agbetou wird nach der Sommerpause Mitglied in Simone Sandronis Tanz-Ensemble am Theater Bielefeld. Foto: Barbara Franke - © Barbara Franke
Mit Urban Dance ins Stadttheater: Dhélé Agbetou wird nach der Sommerpause Mitglied in Simone Sandronis Tanz-Ensemble am Theater Bielefeld. Foto: Barbara Franke | © Barbara Franke

Bielefeld Dhélé Agbetou bald am Theater

Der Bielefelder Streetdancer wird zur neuen Spielzeit Mitglied in Simone Sandronis Tanzensemble

Heike Krüger

Bielefeld. Die Nachricht überrascht: Dhélé Agbetou, Spross des Bielefelder Tänzerpaares Ulla und Tchekpo Dan Agbetou, wird zur neuen Spielzeit das Tanzensemble am Theater Bielefeld verstärken. Überraschend ist das deshalb, weil der junge Mann mit dem Schwerpunkt Hip-Hop und Urban Styles auf den ersten Blick nicht unbedingt in die Welt eines Ensembles mit festem Programm an einer kommunalen Bühne passen will. Hat sich der Tänzer doch in der Vergangenheit eher als erfolgreicher Hip-Hop-Künstler, der entsprechende Battles gewinnt, als Weltreisender in Sachen Tanz und Förderer des hiesigen Hip-Hop-Nachwuchses einen Namen gemacht. Persönliche Einladung zum Vortanzen Doch der 26-Jährige hat sich das reiflich überlegt und findet, dass ein festes Engagement und die intensive Arbeit mit einem stabilen Ensemble eine „sehr wertvolle Erfahrung" sein werden, die ihn auf seiner Laufbahn weiterbringt. Es hat ihn gefreut, von Simone Sandroni, dem Leiter von TANZ Bielefeld, persönlich zum Vortanzen eingeladen worden zu sein. Zwar kannte man sich schon aus der überschaubaren Bielefelder Tanzszene, aber Dhélé hätte niemals geahnt, dass Sandroni ausgerechnet den von ihm repräsentierten zeitgenössischen Urban Style in seine Compagnie integriert wissen will. Natürlich ist der junge Tänzer auch klassisch geschult, doch es seien wohl gerade die Energie und die Körpersprache des Streetdance, die der Tanzchef den stilistischen Hintergründen seiner Ensemblemitglieder zugesellen möchte, meint Dhélé Agbetou. Einer von zehn Für die Spielzeit 2018/19 hatten sich rund 1.300 Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt am Bielefelder Theater beworben, 200 kamen zu drei Auditions nach Bielefeld. Einer von letztlich zehn in der größtenteils völlig neu zusammengestellten Compagnie zu sein, erfüllt Dhélé schon mit Stolz. „Ich bin relativ locker zum Vortanzen gegangen", erinnert er sich an den entscheidenden Tag im Juni. Dort habe er eine sehr fokussierte, zugleich kollegial-freundliche Atmosphäre angetroffen. Zwei Stunden und etliche Improvisationen mit Kostproben seines Könnens später, im Zusammenspiel mit den Ensemblemitgliedern Tommaso Balbo und Elvira Zúñiga Porras, hatte er den Job. Jetzt ist er „total gespannt" darauf, was ihn auf der Bühne seiner Heimatstadt erwartet, wo der zeitgenössische Tanz seit der Ära Zöllig ein immer größer werdendes Publikum findet. Sammelte Erfahrungen im Ausland Nach Ausbildungen im Haus seiner Eltern, der Dans-Art Academy, später am Centre International De Danse in Paris (siehe Infokasten), nach zahlreichen Auslandsaufenthalten und Erfahrungen mit internationalen Ensembles ist der Tänzer vor eineinhalb Jahren ganz bewusst in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Zwar lockten die Chancen der Metropolen mit ihren flirrenden Hip-Hop-Szenen, doch der 26-Jährige hat einen Traum, den er in dieser Region verwirklichen möchte: Am liebsten würde er Bielefeld und Umgebung zu einem nennenswerten Hip-Hop-Zentrum formen. 2016, nach einer intensiven sechsmonatigen Lehr-Zeit in einem Tänzer-Kibbuz im Norden Israels, mit täglich zehn Stunden Training, mit Battles, die er ausnahmslos gewann, und einem Haufen neuer Ideen und Inspirationen, hatte sich Agbetou in Bielefeld besonders seiner eigenen Nachwuchs-Company, „Wake Up O.W.L." gewidmet. Die 11- bis 13-jährigen „Kids", wie er seine Zöglinge liebevoll nennt, sind schon die zweite Generation der Truppe, die Dhélé vor Jahren ins Leben rief. Die ersten Teilnehmer kommen ins „Abitur-Alter" und seien jetzt tänzerisch „flügge". Unterrichten ist eine Herzensangelegenheit  Diese jungen Leute weiter zu „teachen", die er für ungeheuer begabte und leidenschaftliche Urban Dancer hält, ist ihm ein Herzensanliegen: „Die sind einfach toll und total motiviert." Und wahrscheinlich gut geeignet, ihre Urban Styles mit Begeisterung in die Region zu tragen. Agbetou organisiert Battles und Jam Sessions, im Frühjahr hatte er viele Urban Dancer aus aller Welt zu seinem ersten eigenen Festival geladen. Gut vernetzt ist er allemal und hat in der Zeit bis zu seinem festen Engagement in diversen Kompanien mitgetanzt, zuletzt in der Bochumer Formation Urbanatix, die bei der Verleihung des Reinhard-Mohn-Preises an Joachim Gauck in Berlin Begeisterungsstürme entfachte. Jetzt aber wird er erstmal sesshaft – und freut sich auf die Herausforderungen am Theater Bielefeld.

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