Die Bielefelderin Laura Cuenca Serrano hat nach dem Abitur intensiv als Model gearbeitet und steht vor einer Karriere als Schauspielerin. - © Ferdinand Schmidt-Modrow
Die Bielefelderin Laura Cuenca Serrano hat nach dem Abitur intensiv als Model gearbeitet und steht vor einer Karriere als Schauspielerin. | © Ferdinand Schmidt-Modrow

Kultur Bielefelderin hat Erfolg mit Kurzfilm beim 99Fire-Films-Award auf der Berlinale

Laura Cuenca Serrano landet unter den ersten drei Plätzen. Sie steht derzeit oft vor der Kamera – und vor einer aussichtsreichen Karriere als Schauspielerin

Johannes Hülstrung

Bielefeld/Berlin. Eine Bielefelderin startet durch: Laura Cuenca Serrano steht am Beginn ihrer Schauspielkarriere. Beim 99Fire-Films-Award am Rande der Berlinale gewann ihr Kurzfilm „Spielchen" in der Kategorie „Beste Idee" zwar nicht den ersten Platz, kam aber immerhin unter die besten drei. Hauptdarsteller und Produzenten des Films sind die 28-Jährige und Ferdinand Schmidt-Modrow, Cineasten aus einer spaßigen Nebenrolle in „Die Welle" bekannt. Beide besuchten die Gala am Donnerstagabend im Berliner Admiralspalast. „Wir sind total überrascht und glücklich darüber", sagt Laura Cuenca Serrano. Die Idee zum Film hatte sie beim Spazierengehen mit Schmidt-Modrow. Doch eigentlich sei es eine „Kollektividee", betont die junge Frau mit spanischen Wurzeln. Shootings für große Marken Vor allem Regisseur Julius Grimm und Drehbuchautor Sascha Fersch hätten den Stoff entscheidend mitentwickelt. Abgehoben ist sie nicht – für sie ein Verdienst ihres bodenständigen Elternhauses. Geboren in Rheda-Wiedenbrück, aufgewachsen im Bielefelder Vorort Hillegossen, zieht es Laura nach dem Abitur am Ceciliengymnasium 2007 in die weite Welt. „Ich wusste nicht, was ich studieren sollte", sagt Cuenca Serrano. Da bekommt sie die Möglichkeit zu modeln – und stimmt zu. Zwei Jahre taucht sie ab in das bunte Glitzern der Modeindustrie. Sie läuft auf Schauen in New York oder Mailand, modelt für große Marken, wird für die Titelseiten verschiedener Magazine fotografiert. Das Modeln reicht ihr auf Dauer nicht Für die vielen Reisen sei sie dankbar, „aber das Modeln ist kein Mehrwert für die Menschheit", sagt Cuenca Serrano. Die jungen Frauen seien stark unter Druck und würden oft respektlos behandelt. „Ich habe viele kaputte Mädchenseelen gesehen, die den Kontakt zur Realität verloren haben." Sie selbst sei nicht so stark betroffen gewesen: „Ich habe schon gemerkt, dass das Modelbusiness etwas mit mir macht, aber nie die Fähigkeit verloren, das zu reflektieren." Das Modeln reicht ihr auf Dauer nicht. Sie macht ein Praktikum beim spanischen Konsulat in München. Sie überlegt, den diplomatischen Weg einzuschlagen. Dabei verguckt sie sich in die Stadt und beginnt ein Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität. „Ich habe schon immer gerne geschrieben, Kurzgeschichten und Drehbuchideen, das wollte ich damit verbinden." Nach einem Jahr verlegt sie ihren Studienschwerpunkt auf Filmwissenschaft und schließt 2013 mit dem Bachelor of Arts ab. Sie will unbedingt Schauspielerin werden. Dass das Berufsfeld unsicher und überlaufen ist, weiß sie selbst. „Aber in der Schauspielerei steckt mein Herz. Auch wenn das bedeutet, dass ich nur vier Stunden am Tag schlafen kann", sagt Cuenca Serrano und lacht. „Am besten ist man sowieso immer darin, was einen erfüllt." Schauspielunterricht in Hollywood Für ihren großen Traum nimmt sie Schauspielunterricht in der Traumfabrik Hollywood. Ihr Dozent ist Kirk Baltz, bekannt als Polizist Marvin Nash in Quentin Tarantinos Kultfilm „Reservoir Dogs". In Los Angeles merkt die Bielefelderin, dass sie mit ihrem Berufswunsch nicht alleine ist: „Jeder zweite Kellner dort wollte eigentlich Schauspieler werden." Sie bekommt Angst, es nicht schaffen zu können. Doch Baltz baut sie wieder auf. Noch heute stehen die beiden in Kontakt. Cuenca Serrano tritt als Sängerin mit ihrer Band „Jazzbox" auf, steht als Comedian auf der Bühne, arbeitet als Moderatorin und als Model. Jede Facette kommt auch der Schauspielerin in ihr zugute: „Dafür kann ich jede Fähigkeit nutzen. Alles, was ich erlebe, lasse ich mit einfließen." Ständig steht sie vor neuen Herausforderungen. Eine davon ist die, in 99 Stunden einen fertigen Film abzuliefern, von der Idee bis zum Schnitt. So sind die Regeln beim 99Fire-Films-Award. Ihr Film „Spielchen" handelt von einem jungen Pärchen, das beim Abendbrot sitzt und aus der bürgerlichen Spießigkeit auszubrechen versucht. Er (Schmidt-Modrow) outet sich als schwul; sie (Cuenca Serrano) gibt an, mit seinem Chef geschlafen zu haben. Sie streiten sich darüber, wer mehr Grund zum Streit hat. „Diese Konfrontation ist die Suche nach dem Kick. Ich beschäftige mich sehr damit, dass in unserer Luxusgesellschaft eigentlich niemand existenzielle Probleme hat." Dreharbeiten fürs ZDF und fürs Kino Nach der Preisverleihung fliegt Cuenca Serrano schon am Freitagvormittag zurück nach München. Dort dreht sie für die ZDF-Krimiserie „Der Alte". Nächste Woche steht sie wieder in der bayerischen Landeshauptstadt vor der Kamera, wenn die Studioaufnahmen für den kanadisch-deutschen Kinofilm „Replace" gemacht werden. „Dass ich für eine der Nebenrollen gecastet wurde, hat mich total überrascht", sagt sie. Da ist sie wieder, die Überraschung. Laura Cuenca Serrano weiß zwar, was sie will – aber sie weiß es charmant.

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