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Erfolgsgespann: Bruno Mars (l.) und Boo Mitchell. - © Royal Studios
Erfolgsgespann: Bruno Mars (l.) und Boo Mitchell. | © Royal Studios

Kultur Bruno Mars' Grammy-Hit kommt aus Memphis - ein Besuch

Mit der erfolgsgekrönten Platte „Uptown Funk“ hat die Musikstadt am Mississippi wieder den Anschluss ans aktuelle Pop-Business geschafft

Thomas Klingebiel
19.02.2016 | Stand 19.02.2016, 16:03 Uhr |

Memphis. Ein unscheinbarer roter Backsteinbau im Süden von Memphis, Tennessee. Während sich wenige Blocks weiter bei Stax Records, dem berühmten Soul-Label, die Touristen die Klinke in die Hand geben, ist die kleine Seitenstraße vor den Royal Studios menschenleer. Stax, an der pophistorisch bedeutenden Wegkreuzung East McLemore Avenue/College Street gelegen, ist seit längerem ein Museum. In den Royal Studios hingegen werden seit 1957 ohne Unterbrechung Platten eingespielt. Platten wie zuletzt Bruno Mars’ „Uptown Funk", gerade unter anderem als „Aufnahme des Jahres" mit drei Grammys ausgezeichnet. „Memphis ist immer noch da", jubelte Studioeigentümer Lawrence „Boo" Mitchell (44) nach der Verleihung in Los Angeles. Wie der Sohn des legendären Studiogründers Willie Mitchell sehen viele in der Südstaaten-Metropole in dem Grammy-Gewinn die lange ersehnte Fortsetzung einer gloriosen musikalischen Vergangenheit. Geburtsstätte des Blues und des Rock'n'Roll Memphis – Geburtsstätte des Blues und des Rock’n’Roll, Soul-Mekka. Doch nach Elvis’ Tod und der Blütezeit von Al Green, der in den 70ern für Hi Records mit der legendären Rhythm-Section der Royal Studios Klassiker wie „Let’s Stay Together" und „Take Me to the River" einspielte, begann der Stern zu sinken. Die Stadt verlegte sich darauf, ihre Pop-Historie zu vermarkten. Der Grammy für „Uptown Funk", meistverkaufte Single des vergangenen Jahres, nährt nun die Hoffnung, dass Memphis auch wieder aktuell im Konzert etablierter Musikstädte mitspielen könnte. „Die Auszeichnung ,Record of the Year’ ist wichtig für mich, meine Familie und Memphis", betont Boo Mitchell. Anders als die Sun Studios an der Union Avenue, wo Elvis’ erste Erfolge auf Platte gebannt wurden, sind die Royal Studios für Normalsterbliche nicht zugänglich. Sun finanziert sich größtenteils über Führungen und Memorabilia-Verkauf. Die Ardent Studios an der Madison Avenue, ebenfalls ein vielbeschworener Pop-Ort mit langer Erfolgsgeschichte, können zumindest auf Anfrage besichtigt werden. Mit einem Cadillac durch die Stadt In die Royal Studios kommt man nur, wenn sich beispielsweise eine örtliche Szenegröße wie Tad Pierson für einen verwendet. Mit seinem 55er Cadillac kutschiert er den Besuch aus Deutschland Ende Januar stilvoll zum Willie-Mitchell-Boulevard. So heißt die Seitenstraße heute zu Ehren des 2010 gestorbenen Studiogründers. Lawrence „Boo" Mitchell (45) öffnet die Tür, begrüßt die Gäste freundlich und lädt zum Rundgang. Im großen Aufnahmeraum hängt schalldämpfende Isolierwolle an der Decke. Kabel winden sich die Wände entlang. Alles wirkt provisorisch und unspektakulär wie ein Garagen-Proberaum. Nur dass hier musikalische Magie aus jeder Spanplatte sickert. Abgetrennt in einem Bretterverschlag steht Al Jacksons originales Schlagzeug. An der Wand reihen sich Mabon „Teenie" Hodges’ (1945-2014) Gitarren und Verstärker. Die Drum Machine, die im Intro zu Ann Peebles „I Can’t Stand the Rain" die unverwechselbaren Elektro-Tropfen erzeugte, ist noch immer da. Der alte Kontrollraum im Obergeschoss sieht aus, als wäre Willie Mitchell nur mal eben rausgegangen. Das seit Jahrzehnten unveränderte Studio ist eine magische Brücke in eine goldene Ära. Größen wie Rod Stewart, John Mayer oder Boz Scaggs sind in jüngster Zeit hierhin gepilgert. Die einen suchen den einzigartig warmen, transparenten Hi-Records-Klang. Andere, wie „Uptown Funk"-Produzent Mark Ronson, kommen vor allem wegen der inspirierenden Atmosphäre des Raums, in dem so viele Platten-Klassiker entstanden. „Die Liste wird fortgesetzt", verspricht Boo Mitchell.

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